| Zu den größten Bildungslücken meiner technischen
Ausbildung gehörte das Wissen über die Wirtschaft. Betriebswirtschaftliches
Grundlagenwissen konnte ich schnell nachholen, aber praktisch bis zu meinem USA Aufenthalt
(mit 40 Jahren) waren mir volkswirtschaftliche Zusammenhänge ziemlich unvertraut. Erst mit 50 Jahren habe ich Zeit gefunden, mich mit diesem Thema intensiver zu beschäftigen und ich bin der Universität Tübingen sehr dankbar, dass ich einen kompetenten Fachmann und exzellenten Lehrer für dieses komplexe Thema dort gefunden habe. Im Nachhinein sehe ich, was ich alles nicht weiß. Und ich stelle auch fest, dass viele andere, gebildete Menschen ähnliches Nichtwissen haben. Selbst verantwortliche deutsche Wirtschaftsführer und Politiker glänzen mit Ignoranz. Dabei wird unser aller Wohl gefährdet. Um besonders die jungen Menschen an dieses Thema etwas heranzuführen, nehme ich ein kleines Kapitel dazu auf und verweise aber für weiteres Studium auf die Literatur, besonders auf den modernen Mankiw, aber auch der alte Samuelson ist immer noch lesenswert. Wir alle sind Teil der Volkswirtschaft und wir sind ihren Schwankungen ausgesetzt, aber wir können sie als Individuum kaum beeinflussen. Es ist wie mit dem Wetter und dem Klima, nur viel komplexer. Während wir beim Wetter wissen, dass wir es kaum verändern können, erscheinen viele volkswirtschaftliche Probleme ganz einfach lösbar zu sein. Aber wir täuschen uns dabei und diese Täuschung erlaubt vielen Populisten, dass wir ihren so einsichtigen, aber leider meist falschen, Parolen auf den Leim gehen. Diese Abhängigkeit zwingt uns mit der Volkswirtschaft zu beschäftigen. Da wir in Zukunft viel mehr unsere Altersversorgung selbst in die Hand nehmen müssen, werden wir uns schon aus diesem Grund mit Aktien beschäftigen müssen. Ein anderer Anlass sich mit der Wirtschaft zu beschäftigen ist der Kauf von Immobilien. Es macht einen großen Unterschied, ob man in einer Niedrigzinsphase oder in einer Hochzinsphase eine Immobilie erwirbt. Die Bedeutung der Volkswirtschaft erkennt man am besten, wenn man einmal die Nachrichten analysiert. Viele Meldungen (Steuern, Renten, Inflation, Aktienkurse, Arbeitslosigkeit, Armut, Vermögen) berühren sie und Fachleute registrieren dann auch, wie viel Unsinn über unsere Nachrichtenkanäle fließt, weil volkswirtschaftliche Erkenntnisse speziell in Deutschland zu wenig allgemein bekannt sind. Ein besonders gutes - besser gesagt schlechtes - Beispiel dazu hat die im NRW - Wahlkampf 2005 geführte Kapitalismus - Debatte geboten, über deren Inhalte man im Ausland nur lachen konnte, die aber schlecht für Deutschland als Standort war. Wichtig ist zu wissen, was auch diese Wissenschaft nicht leistet. Obwohl manche Zusammenhänge fast Gesetzmäßigkeit haben, sind sie für präzise, individuelle Voraussagen ungeeignet. Der Grund dafür ist leicht einzusehen: wenn der Zusammenhang wirklich konsequent gesetzmäßig wäre, hätte ein Individuum keine Möglichkeit gegen das 'Gesetz' zu entscheiden. Aber in der Praxis kann es das. Eigenschaften der Volkswirtschaften und ihre Zusammenhänge ändern sich im Laufe der Zeit, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. So gab es im Zeitalter der Goldparität eine strengen Zusammenhang zwischen Gold und Dollarpreis. Stieg der Dollar, so fiel der Goldpreis (in Dollar). Und in unsicheren Zeiten flüchteten Menschen ins Gold. Aber erst die jüngste Vergangenheit mit der Einführung des Euro hat gezeigt, dass diese Relation nicht mehr gilt. Trotz mancher Unsicherheit mit dem Euro war der Goldpreis kontinuierlich gefallen und - wenn überhaupt - sind Menschen in den Dollar geflüchtet. Die Volkswirtschaft ist geprägt von Kräften und Gegenkräften und deshalb sind auch paradoxe Aktionen ein häufiges Phänomen. Sie ist deshalb ein gutes Studienfeld für die Auswirkungen menschlichen Verhaltens in der Gemeinschaft. Eine wichtige Eigenschaft für erfolgreiche Analysen ist das Erkennen von Trends und Zyklen. Was steigt (d.h. liegt im Trend), was ist out (fällt). Wann ist ein Höhepunkt erreicht, wann ein Tiefpunkt. Und man braucht die Erfahrung, wie lange eine Phase des Zyklus dauert. Deutsche Besonderheiten Es ist immer wieder interessant, mit welchen Fehlmeinungen man deutsche Wähler manipulieren kann. Die Anzahl davon ist riesig, einige typische führe ich hier an. 1. "Man muss nur das Geld richtig verteilen". Unbekannt scheint hier immer noch zu sein, dass man Geld zuerst verdienen muss, bevor man es verteilen kann. 2. "Gewinne zu machen ist unmoralisch". Richtig ist, dass nur wer Gewinn macht überleben kann und z.B. Arbeitsplätze erhalten und schaffen kann. 3. "Die Bosse verdienen zu viel". Richtig ist, dass auch 100 Arbeiter nicht die Arbeit eines guten Chefs machen können. Also wird der Chef sehr viel mehr vedienen als seine Mitarbeiter. Interessant für mich ist, dass nie die Gehälter von Medien- oder Fussballstars kritisiert werden, die oft wesentlich höher sind. 4. "Uns geht die Arbeit aus". Richtig ist, dass wir keinen funktionierenden Arbeitsmarkt haben, weil wir zu viele Arbeitsverbote und zu viele Regulierungen haben. 5. "Je kürzer gearbeitet wird, um so mehr Arbeit gibt es". Das Argument für die 35- Stunden-Woche. Richtig ist, dass die Arbeitszeitverkürzung bei gleichen Löhnen die Arbeit teurer macht und dadurch Arbeitsplätze vernichtet. 6. "Je mehr wir besteuern, um so mehr Steuern bekommt der Staat." Richtig ist, dass die Steuern fair und durchschaubar sein müssen, sonst überlegen die Menschen zu viel, wie sie Steuern umgehen können und der Staat bekommt immer weniger. 7. "Die Weltwirtschaft ist schuld". Richtig ist, dass es der Weltwirtschaft immer noch ausgezeichnet geht, wie wir an unseren Exporterfolgen sehen und fast alle unsere Probleme hausgemacht sind. 8. "Die Mitbestimmung ist ein Problem". Dort wo betriebsfremde Gewerkschafter das Sagen haben, mag dies stimmen. Aber ansonsten halte ich die Mitbestimmung für einen Segen, denn die Argumente und das Know-How der Belegschaft werden sonst zu leicht vergessen. 9. "Die anderen würden es auch nicht besser machen". Damit trösten sich alle, die merken, dass sie falsch gewählt haben. Richtig ist, dass wer nichts ändert, weiter leiden muss. 10. "Die Steuerprogression ist ein Grundpfeiler der Sozialen Gerechtigkeit". Tatsächlich ist sie die Hauptmotivation Steuerzahlungen zu vermeiden. Ich kenne viele Reiche, die überhaupt keine Steuern zahlen. Es wird in der Öffentlichkeit immer so dargestellt, dass ein gleicher Steuersatz auch zu gleichen Steuerzahlungen führt. Natürlich verkauft man das nur den Dummen. Wer bei einem Steuersatz von z.B. 20 Prozent 10.000 Euro verdient, zahlt 2.000 Steuern, wer eine Million verdient, aber 200.000. Dies hat sich aber in Deutschland noch nicht herumgesprochen. 11. "Zur Ankurbelung der Inlandsnachfrage brauchen wir höhere Löhne". Da ist was Wahres dran, denn nur mit mehr Kaufkraft kann mehr Geld ausgegeben werden. Aber sind die Menschen verunsichert, nützt dies überhaupt nichts, denn dann wird jeder zusätzliche Euro auch wieder gespart. 12. "Wir sind überall Schlusslicht". In manchen Bereichen stimmt dies auch. Aber wir sind immer noch in vielen Bereichen führend und brauchen nicht zu resignieren. Wir haben nur den Glauben an die Zukunft verloren. Wir sollten uns schnellstens von jenen Politikern und Medien trennen, die dafür verantwortlich sind! Weniger Talk-Shows schauen und mehr Fachliteratur lesen würde schon helfen. Und eine Partei, die ständig mit Angst operiert gehört in die Opposition, dort ist sie viel besser aufgehoben. Wie Geld anlegen (meine persönliche Aktions-Liste, ohne Garantie für Erfolg!)
Die Finanzwelt ist voll von Gurus, die alle weit bessere Tipps als ich parat haben werden. Aber auch diese Welt kocht nur mit Wasser und das Grundprinzip jedes Handels 'billig einkaufen, teuer verkaufen' gilt auch hier. Es ist ein Grundfehler vieler Börsenanfänger, dass sie aus lauter Gier nie zum rechten Zeitpunkt verkaufen! Angebot und Nachfrage in der Marktwirtschaft Dieser Zusammenhang ist jedem vertraut und hier nur der Vollständigkeit aufgeführt:
Zusammenhang von Kapital-, Waren und Arbeitsmärkten Schon etwas komplizierter ist die Beschreibung der Interdependenz verschiedener Märkte:
Geldwertstabilität Eine stabile Währung ist - wie ein stabiles Rechtssystem - ein hohes Gut. Die Stabilität des Euro wird jetzt von der Europäischen Zentralbank garantiert und handelt nach den folgenden Richtlinien:
Da Zinsen, Inflation und Beschäftigung zusammenhängen, könnte die Politik versucht sein auf die Geldmengenpolitik Einfluss zu nehmen. Aber die Geschichte hat gezeigt, dass schon mittelfristig Inflation ein ungeeignetes Mittel ist, politische Probleme zu lösen. Genau so gefährlich ist eine hohe Staatsverschuldung, die Probleme nur in die Zukunft verlagert und alle sehr teuer kommt. Gemeinsamkeiten der Volkswirtschaftslehre Obwohl viele verschiedene Lehrrichtungen diese Wissenschaft prägen, so gibt es bei allen Widersprüchen doch einige Gemeinsamkeiten, die ich als die 10 volkswirtschaftlichen Regeln von Mankiw übernehme:
Aber abgesehen von diesen Gemeinsamkeiten der Ökonomen ist es auch interessant zu
sehen, wo sie sich uneins sind. Dazu braucht man nur die Kommentare in den Tageszeitungen
verfolgen. Wie in allen anderen komplexen Gebieten gibt es immer eine bessere Lösung. Wer
meine Abschnitte über Komplexität verstanden hat, wird über diese hitzigen
Auseinandersetzungen, die immer nur Teilaspekte sehen, weil das Gesamtbild nicht fassbar
ist (und die meist mit 'das sehe ich aber anders' beginnen) lächeln müssen. Ökonomie ist ein komplexes Wissensgebiet. Es genügen zwar wenige Spitzenexperten, um das Gemeinwohl zu steuern (siehe Deutsches Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit), aber um diese hervorzubringen werden bei uns sich mehr Menschen als bisher um neue Erkenntnisse bemühen müssen. |
www.buchegger.de/volkswirtschaft.html
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