Unternehmerisches Denken

Der Begriff unternehmerisches Denken und Handeln wird gerne verwendet, aber was bedeutet er eigentlich? Welche Eigenschaften beschreiben einen Unternehmer oder einen Mitarbeiter, dem man unternehmerisches Denken zuschreibt?

Im Klischee ist es klar, das ist ein dicker Mann, oft Boss genannt, der Mercedes fährt, Zigarren raucht und nach Belieben Mitarbeiter einstellt oder entlässt. Sein Image ist zumindest in Deutschland nicht besonders gut. Man unterstellt ihm, dass er sich nicht an Gesetze hält oder zumindest versucht sie zu umgehen, dass er auch sonst keine Moral hat, dass für ihn nur Geld zählt und dass er kulturlos ist.

Wie schlecht das Image ist, sieht man u.a. daran, dass die sonst allwissende (deutsche) Wikipedia für "unternehmerisches Denken oder Handeln" keinen Eintrag kennt. Die englische Bezeichnung "Entrepreneurship" ist schon etwas auskunftsbereiter, sie listet z.B. (lesenswerte) Advantages of Entrepreneurship, die Rückübersetzung "Unternehmertum" kennt das nicht mehr.

Aber das Image, überwiegend noch aus der längst vergangenen Zeit des deutschen Wirtschaftwunders stammend, täuscht. Es gibt auch in Deutschland viele und darunter auch viele ausgezeichnete moderne Unternehmer und Unternehmerinnen. Ich hatte das Glück einige davon auch persönlich kennen zu lernen und habe mich oft gefragt, in welcher Hinsicht diese Selbständigen und manchmal auch Arbeitgeber sich von anderen Menschen, den Arbeitnehmern, unterscheiden.

Vielleicht hilft diese persönliche Analyse neu startenden Unternehmern bei ihrer Selbstfindung. Vieles davon steht schon verstreut in der Praxilogie. Ein Grund, warum ich es auch hier nochmals wiederhole, liegt in meinen Ausführungen zum Globismus. Dort geht es um weltweiten Wohlstand und dieser müsste ohne unternehmerisches Denken tatsächlich Illusion bleiben. Auch der Standort Deutschland braucht wieder mehr unternehmerisches Denken, denn unsere Attraktivität sinkt. Und schließlich sind Sie hier auf einer Denkstelle gelandet, an der Denken und Handeln eine zentrale Rolle spielen.


Eine der wichtigsten Eigenschaften von Unternehmern aller Art, ist ihre Aktivität und die Bereitschaft, etwas verändern zu wollen. Finden sie etwas vor, was ihnen nicht behagt, das kann von Kleinigkeiten bis zu gröbsten Missständen sein, dann versuchen sie es zu verändern. Sie unternehmen was. Deshalb heißen sie ja auch Unternehmer. Sie finden sich nicht nur ab, jammern, demonstrieren oder streiken, sie versuchen die Sache so zu ändern, dass sie damit besser leben können.

Es mag sicherlich auch bei ihnen Passivität geben, aber die Aktivität überwiegt. Sie scheinen mehr Sensoren als andere zu haben, empfindlicher zu reagieren, vielleicht auch besser zu beobachten. Auf jeden Fall denken sie nicht nur, sondern handeln auch, selbst wenn es dabei ein Risiko gibt.

Sie können sich gut neue Zustände vorstellen, wie etwas sein sollte, das es noch gar nicht gibt und sie entwickeln in ihrer Fantasie auch Wege, wie sie es erschaffen können. Im Gegensatz zu manchen Managern, die eher verwalten, als gestalten, und die oft gerne auch "Unterlasser" sind, bringen sie auch ihre Seele und Überzeugung dabei ein.

Es ist die Kombination von erkennen und tätig sein, was sie auszeichnet. Und dies ist sicherlich auch ein Grund, warum passive Menschen sie nicht so gerne mögen. Die Aktivität der Unternehmer stört sie, vielleicht schränkt sie sie auch ein, auf jeden Fall ärgern sie sich gerne darüber. Anstelle von Bewunderung und Anerkennung für die "Macher" kommen dann eher Neid und Ablehnung zum Tragen.


Ich habe keine erfolgreichen Unternehmer erlebt, die nicht über kaufmännisches Know-How verfügt haben. Einige waren darunter, die erkannt haben, dass sie auf diesem Gebiet sehr schwach waren und diese haben dann die kaufmännische Ergänzung in ihr Team aufgenommen.

Die kaufmännische Grundmotivation kann ich fast auf einen Satz reduzieren: Wie kann ich zwei Euro bekommen, wenn ich vorher einen ausgegeben habe?

Es ist das Gespür für Investitionen, das Unternehmer auszeichnet. Sie sehen Mangel und Überfluss, sehen Möglichkeiten damit Handel zu treiben oder Geschäfte zu machen. Sie riechen buchstäblich das Geld, das in Chancen steckt und ergreifen diese dann auch.

Die kaufmännische Seele denkt also nicht nur in Buchhaltung und Bilanzen, sondern in Chancen, Möglichkeiten, Bedürfnissen, Wünschen und deren Befriedigung.

Die kaufmännische Orientierung unterscheidet den Unternehmer auch vom Erfinder. Während sich beide mit Fleiß, Kreativität, Know-How und Beharrlichkeit darum kümmern, dass ihr Anliegen, ihre Idee  funktioniert, bedenkt der Unternehmer auch, dass es sich rechnet, d.h. nach einiger Anlaufzeit auch Gewinne abwirft.

Der Schlüssel für den Erfolg liegt meist in der Kundenorientierung. Was will der Kunde, was braucht er, wie kann ich ihn zufriedenstellen? Wie kann ich an seinen Bedürfnissen Geld verdienen, was muss ich tun, damit er wieder kommt und mich weiterempfiehlt?


Eine Gesellschaft, in der das Gewinne machen suspekt ist, wird nie zu Wohlstand kommen, außer die Natur hat sie so reich beschenkt, dass sie nicht arbeiten muss.

Es genügt nicht alleine die Kosten einer Unternehmung wieder reinzuholen, es müssen auch Reserven angelegt werden, damit weitere Veränderungen und Investitionen möglich sind. Unter dem Strich kann nur mit Gewinnen eine längere Existenz gesichert werden.

Kulturen, die sich primär mit der Verteilung von Wohlstand und weniger mit der Schaffung davon beschäftigen, verarmen. Der Hauptunterschied zwischen beiden liegt in der Risikobereitschaft. Wer Wohlstand schaffen will, riskiert viel mehr, als der, der ihn nur verteilt. Wo es zu gefährlich ist, Risiken einzugehen, wird sich auch kein Geist für unternehmerisches Denken und Handeln entwickeln können.


Fast alle Unternehmer, die ich kennen gelernt habe, waren auf sportliches Denken eingestellt. Sie stellten sich dem Wettkampf, wollten sicherlich dabei auch siegen, aber sie haben auch nicht aufgegeben, wenn sie einmal oder öfter verloren haben.

Im Gegenteil, der Verlust hat sie motiviert, darüber nachzudenken, was sie das nächste mal besser machen können. Ihre Frustrationstoleranz ist hoch, sie können viel wegstecken und bleiben trotzdem handlungsfähig.

Diese Beharrlichkeit ist wichtig, denn nur mit ihr kann man die immer vorhandenen Widerstände überwinden.

Aber auch beim Siegen verhalten sich Unternehmer etwas anders. Sie teilen gerne den Sieg mit den dabei Beteiligten, weil sie wissen, dass man sich sonst zu viele Neider macht.


Eine Eigenschaft, die ich oft beobachten konnte, war die Fähigkeit zur Abstraktion. Sie äußert sich z.B. in Fragen, wie "Was machen wir eigentlich?" oder "Wofür ist das eigentlich gut?". Aus vielen Details wird eine Theorie entwickelt und ständig überprüft. So sind z.B. Trends leichter zu erkennen, können Veränderungen leichter erkannt werden, kann man früher reagieren.

Sie beherrschen auch die Progressive Abstraktion und andere Kreativitätstechniken. All dies ist nicht einfach zu lernen, aber sehr hilfreich, wenn es darum geht, Probleme erfolgreich zu lösen.


Es ist schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, ohne Kooperation erfolgreich zu werden. Und zur Kooperation bedarf es auch der Kommunikation. Erfolgreiche Unternehmer beherrschen deshalb beide Techniken gut, Kooperation und Kommunikation.

Ich habe in der Praxilogie viel dazu geschrieben, kann mir also Details hier ersparen. Aber ich muss unbedingt erwähnen, dass diese Fähigkeiten entscheidend für den Erfolg sein können.

Es genügt nicht, wenn man gute Ideen hat, zur Umsetzung muss man sie auch vermitteln können und man muss wissen, wo und wie man sich helfen lassen kann.

Da Unternehmer oft auf sich allein gestellt sind, brauchen sie ein gutes Netzwerk, auf das sie zurückgreifen können und sie brauchen auch viel Selbstdisziplin, damit sie den Roten Faden bei ihrer Arbeit nicht verlieren.


Wahrscheinlich gehört Soziale Verantwortung nicht zu gerade zum angeborenen Rüstzeug aller Unternehmer, aber die Klugen unter ihnen lernen sehr schnell, dass sie sich lohnt.

Der Gesellschaft "wieder etwas zurückgeben" ist meist überraschend billig und macht sich gut, selbst wenn die Motivation dazu durchschaubar ist und nicht viel mehr als ein Feigenblatt ist.


Wer lange und erfolgreich an einem Problem arbeiten will, muss dabei Spass haben. Es mag sicherlich viele andere, zusätzliche Motivatoren geben, aber ohne Spass wird keiner lange durchhalten.



Wie bringt man Unternehmertum Kindern und Jugendlichen bei?

Als Vater mehrerer Kinder habe ich mich oft gefragt, wie man unternehmerisches Denken gut vermitteln kann. Sollte man mit ihnen Monopoly spielen? Ist das eigene Vorbild hilfreich? Kann man es überhaupt vermitteln? Einen Königsweg für das Verständnis zum Unternehmerischen Denken kenne ich allerdings nicht.

Ich habe es aber zumindest versucht. Jedoch denke ich, es bedarf schon einer langen Schule, soll der Versuch erfolgreich sein. Sicherlich, den Umgang mit Geld kann schon früh üben und dabei auch lernen. Es beginnt beim eigenen Taschengeld, dem eigenen Bankkonto etc. Aber speziell Jugendliche sind sehr kritisch und wollen oft den Weg ihrer Eltern nicht gehen.

Aber Freiheit in der Erziehung scheint mir eine generelle Vorbedingung zu sein. Nie mehr Einschränkungen als unbedingt notwendig, lässt selbst schon Kinder ausprobieren, was sie verändern können und womit sie Erfolg haben können. Freude am Leben scheint mir wichtig zu sein und auch ein gewisses Mass an Sicherheit.

Man kann mit Fragen und "Kleinen Wetten" die Beobachtungsgabe schärfen, Verständnis für menschliches Handeln wecken, Geschäftsmodelle analysieren und sie so auf die kommerzielle Welt etwas vorbereiten. Man kann sie loben, wenn sie Ansätze für unternehmerisches Denken zeigen, wie Mut, Risikobereitschaft und Übernahme von Verantwortung. Es ist hilfreich, wenn man mit ihnen Wirtschaftsfragen, zum Beispiel an Hand einer Wirtschaftszeitung, diskutiert.

Vielfach aber sehen sie die Welt zu simpel, sind zu radikal, haben zuwenig Erfahrung, was funktioniert und was nicht. Oft haben sie einfach noch zu wenige Fehler gemacht, aus denen sie lernen konnten. Auch wissen sie oft nicht, was legal oder verboten ist. Gerade in Deutschland, wo viel zu viel reglementiert ist, ist dies auch schwierig zu erklären.

Beginnen sie allerdings früh selbst Entscheidungen zu treffen, dann lernen sie schneller als andere, die zu stark behütet oder gedrillt werden.


Unternehmer im Globismus

Weltweiter Wohlstand setzt überall Unternehmertum voraus. Aber wo noch feudale Strukturen herrschen, und das ist in vielen Gegenden der Fall, wird es schwieriger werden, als dort, wo Besitz auch Individuen außerhalb der herrschenden Klasse ermöglicht wird.

Von den notwendigen Ressourcen sind meist Fleiß, Motivation, Intelligenz, Ausdauer und Geduld reichlich vorhanden, mit dem erleichterten Zugriffen zu Wissen (via Internet) können sie sich auch besser entwickeln.

Was häufig aber fehlt, ist Geld zum Umsetzen, das Kapital. Für arme Einzelpersonen oder kleine Gruppen war es bis zum Zeitpunkt, wo man Mikrokredite bekam, nahezu unmöglich, an Geld zu kommen. Richtig aufmerksam wurde auch die westlich Welt auf diese Situation erst, als 2006 Yunus und die Grameen Bank für ihr Engagement gegen die Armut in Bangladesch den Friedensnobelpreis verliehen kommen haben.

Auf der Präsenz zum Globismus werden viele andere Aspekte diskutiert, die notwendig sind, damit sich weltweit Unternehmertum entwickeln kann. Stabiler Frieden, überschaubare Korruption, hoher Bildungsstand sind wichtige Beispiele dazu.

Die Situation in Deutschland

Die Bereitschaft zum unternehmerischen Denken und Handeln könnte in Deutschland größer sein. Wir ziehen oft Sicherheit vor und scheuen das Risiko der Freiheit. Junge Leute drängen eher in den Staatsdienst oder zumindest zu Großfirmen, nur wenige von ihnen wollen selbständige Unternehmer werden.

Großes Hindernis sind die vielen Vorschriften, die zu beachten sind, die als "typisch deutsche Bürokratie" viele Versuche schon im Keim ersticken. Auch schlechte Beispiele, die in den Medien breitgetreten werden, fördern nicht gerade die Situation. Gewinne zu machen, scheint hierzulande immer noch anrüchig zu sein. Wie schon anfangs gesagt, das Image ist immer noch eher schlecht als gut.

Auch das DDR Erbe belastet unser mögliches Potenzial. Erstens durch die hohen Transferleistungen, die nicht immer als Investitionen ankommen und die viel zu schnell die ökonomische Unfähigkeit des kommunistischen Schreckensregimes vergessen haben lassen, aber in meinen Augen noch mehr durch die große Unkenntnis von Volkswirtschaft im Osten über die Vorteile sozialer Marktwirtschaft. Diese zunehmende DDRisierung tut uns nicht gut.

Dabei wäre die Ausgangslage gar nicht schlecht. Hohes allgemeines Bildungsniveau, gute Infrastruktur, Stabilität, schon vorhandener Wohlstand als Basis, das klingt doch ganz vielversprechend.

Aber es wird noch ein weiter Weg zu gehen sein, Unternehmerkultur zu fördern. Solange bei Medien und Lehrern, wie auch bei Politikern, Gewerkschaften und Kirchen Wissensnotstand herrscht, wenn es um ökonomische Fragen geht, wird sich diese Situation auch nicht groß ändern.

Hierzulande kann man immer noch mit populistischen (aber ökonomisch unsinnigen) Forderungen viele Wähler gewinnen. Gier auf der einen und Neid auf der anderen Seite sind keine gute Basis für solides Unternehmertum.

Die politisch Verantwortlichen glänzen auch nicht gerade mit ökonomischen Wissen. Wo so viele Beamte das Sagen haben und so viele Lobbyisten mitmischen, wird sich nicht viel ändern.

Was wir tun müssten, wäre mehr Verständnis für ökonomische Zusammenhänge zu entwickeln, Innovation und Risiken zuzulassen, fairer mit Wirtschaftsführern umgehen, aber auch Wege finden, die Unfähigen unter ihnen schneller und billiger loszuwerden.

Ich habe resigniert, drastische Verbesserungen auf diesem Gebiet zu erleben. Solange alles - relativ gesehen - so gut läuft, werden wir unsere Anstrengungen weiterhin eher in Sport, Tratsch, Klatsch und seichte Unterhaltung investieren, als in ökonomische Fortschritte.

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