TROST FINDEN

Worte des Trostes

Worte des Trostes brauchen wir oft. Im Trauerfall, bei Krankheiten, wenn wir das Erhoffte nicht bekommen, das Ziel nicht erreichen, wenn wir versagen, wenn wir uns schämen, wenn wir uns ärgern.

Ich habe, zugegeben nicht immer nur mit Ernsthaftigkeit, sondern auch mit etwas Humor, viele davon gesammelt. Sie haben vor allem mich selbst getröstet, aber ich bin sicher, auch andere werden damit wieder neuen Lebensmut finden.


So ist es eben

Es gibt viele Varianten davon. Auf Mallorca habe ich von frustrierten Deutschen oft gehört "So ist es eben in Spanien", in Köln heißt der Artikel 1 des Grundgesetzes (das auch noch viele weitere Weisheiten bietet)  "Et es wie et es", in Wien sagt man "Da kann man halt nichts machen".

Man kann es mit "Sieh den Tatsachen ins Auge" erklären, aber auch damit, dass du ohnehin nichts ändern kannst, also warum regst du dich auf. Dieser Gedanke wird zumindest kurzfristig hilfreich sein.

Er spiegelt auch den Zwiespalt des Trostes wieder. Soll man sich wirklich mit allem abfinden, sollen wir wirklich alles ertragen, was wir nicht verändern können?

Vielleicht können wir doch etwas ändern, zwar nicht alles und für alle, aber vielleicht in unserem kleinen, überschaubaren Rahmen?

Schmerz oder Trauer zu erleiden, kann auch eine Lernerfahrung darstellen. Für viele, die durch lange Lebenserfahrung oder auch schlicht Dummheit "beratungsresistent" geworden sind, ist ein Verlust oft der einzige Weg zu erkennen, dass eine Änderung vielleicht doch hilfreich wäre.


Du bist nicht allein

Wenn wir mit Umarmen oder Streicheln trösten, dann drücken wir vor allem damit aus, dass der Leidende nicht allein ist. Gemeinsam ertragen wir viel mehr, als wenn wir alleine oder gar einsam sind.

Trotzdem meiden viele, die leiden und Trost brauchen könnten, die Gesellschaft. Sie schließen sich ein, sondern sich ab, wollen schlicht alleine sein. Sie vermeiden damit Einflüsse von außen, von denen sie befürchten, dass sie ihre Trauer oder ihren Schmerz noch verstärken könnten.

Auch hier wird ein Konflikt wieder ganz deutlich. Freude am Leben können wir ohne Gesellschaft nur schwer erreichen, aber wir fürchten uns vor ihr, weil wir z.B. wir uns vielleicht schämen, unsere Trauer zu zeigen oder weil wir fürchten, dass unser Schmerz und die damit verbundene Hilflosigkeit ausgenützt werden.

Tiere stehen nicht unter Verdacht, dass sie dies tun, auch kleine Kinder sind ehrlich. Sie werden, zumindest für einige Zeit, gute Quellen des Trostes sein. Auch Menschengruppen, die uns nicht kennen oder die kein Interesse an uns haben, werden unvoreingenommen mit uns umgehen.


Lass dich nicht unterkriegen

In unserer Sprache kommt Trost von "Treue, zu einem stehen", in anderen Kulturen bedeutet es "Erleichterung" oder "Erlösung", im Griechischen steht es für "Ermutigung". Dieser Aspekt gefällt mir besonders gut. Meine Mutter hat es mir oft vorgemacht, dass man sich nicht unterkriegen lassen soll und sich so selbst und auch uns Kindern in schwierigen Zeiten Mut zugesprochen.

Ein kleines Kind wurde beim  Eislaufen gefragt, was es denn macht, wenn es stürzt. Die Antwort ist wunderbar: "Aufstehen und weitermachen!" Sie passt für alle Situationen, wo Schwierigkeiten zu überwinden sind.


Sprich mit mir

Es hilft vielen Menschen, wenn sie über ihre Schmerzen und Kümmernisse reden können. Deshalb ist die Aufforderung sich mitzuteilen, nie falsch.

Nicht jeder wird es auch können. Aber wenn man sich lange genug Zeit nimmt, wird jemand, der Vertrauen hat, hiermit gut helfen können.

Zum Vertrauen gehört, dass man das Erzählte nicht weiter erzählt. Die Wahrnehmung in einer Extremsituation ist im Nachhinein oft unzutreffend oder sogar lächerlich und am besten man schweigt in der Folge darüber.

Mich tröstet übrigens das Schreiben sehr. Viele Probleme verschwinden fast von selbst, wenn ich sie aufgeschrieben und danach sicher verwahrt habe.


Ein Runde Mitleid

Haben Kinder kleine Probleme, die in ihren Augen aber riesengroß sind, dann hilft eine Übertreibung, um sie zu trösten. Die Erzieherin ruft dann "eine Runde Mitleid für ...." und alle sagen dann betroffen und bestürzt"Oooh". Dies funktioniert auch bei Erwachsenen und bei einer kleinen Gruppe ganz gut.

Diese Aufmerksamkeit reduziert das Problem. Man weiß jetzt, alles haben davon Notiz genommen und damit ist es gar nicht mehr so schlimm.


Es geht vorbei

Alles ist endlich, auch Schmerz und Leid. Leider wird im Extremfall der Tod die Erlösung bringen. Aber viele andere Schmerzen, sind wirklich nur für kurze Zeit relevant und wie z.B. bei Liebeskummer fragt man sich nachher, warum man denn so gelitten hat.


Es wird sich ändern

In einer Welt des steten Wandels gibt es auch Chancen für Besserung. Die Hoffnung auf Änderung kann viel Kraft geben, auch ausweglos erscheinende Situationen gut zu überstehen.

Problematisch wird dieser Trost, wenn auf das Jenseits bezogen wird. Wer daran nicht glaubt, für den wirkt er nicht. Aber die Gläubigen werden damit geduldig und zufrieden, denn im "Paradies" wird dann ja alles besser.


Es hätte schlimmer kommen können

Es gibt immer noch Steigerungen des Unglücks, so dass dieser Trost meist passt.


Die Anderen sind schuld

Für viele werden Misserfolge leichter tragbar, wenn sie sie anderen zuschieben können. "Ich habe ja alles versucht", aber die anderen, das Schicksal, die Bösen etc. waren schuld.

Sie rauben sich damit zwar des Vorteils, aus den Fehlschlägen lernen zu können, aber sie sind glücklicher dabei.



Aktionen des Trostes

Eine Reise machen

Für mich immer noch eine optimale Form des Trostes. Nicht umsonst habe ich deshalb viele Reiseseiten erstellen können.

Die ganze Misere hinter sich lassen, neue Eindrücke sammeln, die den Schmerz vergessen lassen. Mit Menschen zusammentreffen, die uns nicht mit unserer Vergangenheit belasten.

Das Reise wirkt noch effektiver, wenn man alleine reist. Man nimmt ja immer seine Probleme mit auf die Reise. Diese können durch die Reisebegleitung verstärkt werden.

Ich kappe für diese Tage auch den Kontakt zur Heimat. Schaue mir keine (deutschen)   Nachrichten im Fernsehen an, rufe nicht an, außer für kurze Statusmeldungen, lese keine deutschen Zeitungen. Was ich nicht weiß, ärgert mich nicht und was mich nicht ärgert, macht auch keinen Kummer.

Ich glaube, dass die Beliebtheit des Jakobsweges auch diesem Umstand zuzuschreiben ist. Körperliche Anstrengung, verbunden mit einem Ziel, das mit anderen zusammen erreichbar ist, das ist gut für die Seele!

Es sich gut gehen lassen

Bei den vielen Begräbnissen, die ich in meinem Alter besuchen muss, ist ein gutes Essen danach ein wichtiger Trost. In lockerer Atmosphäre der Verstorbenen zu gedenken, scheint mir wichtiger zu sein, als all die frommen (und meist verlogenen) Reden, die zu dieser Gelegenheit gehalten werden.

Nicht nur Essen und Trinken trösten, auch eine Massage, eine Sauna, ein schöner Ausflug und viele andere Kleine Freuden spenden uns Trost.

Übertreibt man und greift man zu Drogen, dann wird das Vergnügen des sich gut gehen lassen's, allerdings nur kurz sein.

Körperpflege

Menschen in Trauer oder in großem Schmerz tendieren dazu, ungepflegt zu werden. Dies ist auch ganz verständlich und sollte niemandem zum Vorwurf gemacht werden. Aber Pflege hat einen sehr positiven Einfluß. Wer sich pflegt, tröstet sich auch. Wer gut gepflegt wird, wird auch gut getröstet.

Aufräumen, ordnen, neu gestalten

Gerade während Scheidungen suchen die Betroffenen Trost in mechanischen Tätigkeiten, die Ordnung schaffen, die die Umgebung, inklusive das eigene Äußere verändern.

Vom Staubsaugen bis zur neuen Frisur, vom Umräumen der Wohnung bis zum neuen Job wird dann vieles versucht, um eine Basis für neue Freuden zu schaffen. Meistens gelingt es dann auch ganz gut!

Ablenkung durch Konzentration auf Herausforderungen

Viele finden Trost in ihrer Arbeit. Sie lenkt sie ab, die dabei notwendige Konzentration lässt Schmerz und Probleme schlicht vergessen.

Wer nicht mehr arbeiten kann oder darf, der findet ähnliche Erleichterung bei den Hobbys. Nicht alle aber sind gleich gut geeignet. Eine optimale Kombination ist für mich das Tanzen. Hier vereinigen sich Bewegung, Musik und Gesellschaft mit Konzentration, Herausforderung und damit auch schönen Erfolgserlebnissen.

Sport, Musik, Lyrik, die Seele pflegen

Wer Seelenschmerzen hat, muss vor allem das Gefühl pflegen. Ich nenne es, die Seele pflegen, Wissenschaftler konzentrieren sich auf die rechte Gehirnhälfte. Nicht die Vernunft hilft uns weiter, sondern das Gefühl.

Wege dazu gibt viele. Sport, Musik, Lyrik sind nur einige Beispiele. Alles, was Raum für Kreativität und Bewegung lässt und zu einem Glücksgefühl führen kann, ist geeignet.

Tagebuch führen, Fakten notieren

Wer wenige Möglichkeiten zur Kommunikation hat oder sie nicht nutzen will, der kann mit einem Tagebuch oder Blog, wie man es heute nennt, nicht nur Selbsterkenntnis, sondern auch Trost finden.

Mit dem Notieren schafft man eine Distanz zu seinen Problemen, sie werden damit auch bewußt und die Chancen, sie zu beheben, stiegen enorm.

Da in unserer Gesellschaft die Macht der Presse durchaus zählt, tröstet es bei Erleidung von Schaden, wenn man diese Vorfälle genau notiert. Aber auch bei persönlichen Kränkungen kann es tröstlich sein, seinen Schmerz aufzuschreiben.

Auf Rache sinnen

Rache wirklich durchzuführen, lohnt sich meist nicht, unsere Gesellschaft schätzt das nicht. Aber die Gedanken daran sind tröstlich und sie geben Kraft die Schmach gut zu überstehen.

Wer mich schlecht behandelt, kommt auf eine virtuelle Liste (die Shit-List). Gelegentlich sehe ich dann im Internet nach, was aus diesen Menschen oder auch Firmen und Institutionen geworden ist. Der Höhepunkt meiner Genugtuung ist, wenn ich ihre Nachrufe finde, das heißt, sie haben - in meinen Augen - schon den Weg in die Hölle geschafft.

Eine neue Liebe

Nichts fördert Lebensfreude mehr, als eine neue Liebe.

Sich mit Astronomie beschäftigen

Bei den großen Dimensionen, die dort vorkommen, sind alle unsere Probleme klein. Einen ähnlichen Effekt erzielt man, wenn man aus großer Höhe unser Leben betrachtet. Darum fliege ich so gerne!

Andere trösten

Es lenkt nicht nur ab, sondern die Befriedigung helfen zu können, gibt einem auch selbst Mut. Gerade bei vielen arg gebeutelten Alleinerziehern konnte ich beobachten, wie das Trösten ihrer Kinder sie selbst gestärkt hat.



Das Geschäft mit dem Trost

Shopping

Wie viele Käufe werden als Rezept gegen den Frust gemacht! Ich weiß es nicht, aber ich weiß selbst, dass ich manche Käufe nicht wegen einer Notwendigkeit, sondern rein aus der Freude des Erwerbs gemacht habe und mich so getröstet habe. Ich vermute, anderen geht es ganz ähnlich.

Arbeitswut

Sehr großer Einsatz überspielt oft private Probleme. Chefs lassen diese Menschen selbstverständlich gewähren, denn ihre Arbeitswut scheint förderlich für sie zu sein. Aber auf die Dauer schaden sich alle damit und Chefs wären gut beraten, auch bei ihren Mitarbeitern auf eine gesunde Balance zu achten!

Sport

Sport ist unserer Gesellschaft ein großer Treuster und auch ein gutes Geschäft, besonders, wenn es sich um passiven Sport (besser gesagt "Zuschauen") handelt.

Kirchen

Kirchen sind die wahren Meister des Trostes. Reiche Erfahrung und viele Möglichkeiten erlauben ihnen eine große Palette an Trost anzubieten. Hoher Bildungsgrad und Lebensstandard aber habe ihr Geschäft schwieriger werden lassen und der Machtverlust durch Trennung von Kirche und Staat haben zumindest in den aufgeklärten Kulturen zum Ende der Zwangsmitgliedschaften geführt.

Ich nutze aber gerne die tröstenden Einrichtungen der Kirchen, habe aber Distanz überall dort, wo es um meine eigene Freiheit geht. Denn diese zu verlieren, wäre das größere Problem für mich.

Tourismus

Einer der Gründe, warum die Deutschen so gerne reisen, ist sicherlich der Frust im eigenen Land. Bedingt durch schlechtes Wetter, negative Nachrichten, Ungerechtigkeit, nervige, schlecht gelaunte, unfreundliche Menschen, flieht man dann gerne in die Sonne und Wärme, tröstet sich dann im Urlaub mit Lebensfreude und Genuss.

Hilfreich bei diesen Fluchten ist es, dass man nicht zulange wegbleibt und sich auch nicht zuviel um die Probleme in der Urlaubsregion kümmert. Man merkt dann schnell, dass vieles nur Schein ist und man belastet sich dann zu sehr mit neuen Problemen.

Haustiere

Sind sie Kindersatz, dann werden sie auch zu Tröstern. Sie wirken sehr segensreich, ich selbst habe gerne Kontakt zu ihnen, streichle sie gerne und rede mit ihnen.


Ich habe hier nur beispielhaft einige "Geschäftsbereiche des Trostes" angeführt. Wer mich kennt, weiß, dass dies gar nichts mit Anprangern zu tun hat, sondern eher als Hilfe zum Nachdenken, wie man mit dem Bedürfnis nach Trost, wie auch mit der Einsamkeit, seriöse Angebote für Dienstleistungen anbieten kann. Je mehr Angebote es gibt, um so eher wird der Einzelne eine Lösung für sich dabei finden!


Wer auf diese Seite gekommen ist, um Trost zu finden, für den hoffe ich, dass er oder sie doch einige Anregungen zur Linderung seines Verlustes, Leidens oder Schmerzes bekommen hat!

Für weitere Kommentare bin ich dankbar!
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