Satirische Betrachtungen
| Ich habe viel über das Rauchen nachgedacht. Mehrere
Male in meinem Leben bewegte es mich sogar sehr intensiv. Die ersten Gedanken dazu kamen
mir in meiner frühen Kindheit. Ich bin oft mit meinen Eltern im Zug unterwegs gewesen und
neugierig wie alle Kinder habe da die Nase ganz dicht am Fenster gehabt. Und dabei
festgestellt, dass der Rauchbeschlag am Fenster von Raucherabteilen ziemlich dick ist. Und
nebenbei gesagt, ganz abscheulich stinkt. Wie mag da die Lunge von Rauchern ausschauen, fragte ich mich? Wie die Lunge meines rauchenden Vaters, ganz konkret? An seinem 60. Geburtstag wussten wir alle es ganz genau. Da wurde das letzte Röntgen von seiner inzwischen zerstörten Lunge gemacht. Wenige Wochen später lag er im Grab, an Lungenkrebs gestorben. "Bleib gesund!", das waren die letzten Worte zu mir, wenige Stunden vor seinem Tode.
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| Natürlich bin ich selbst auch Raucher geworden. Erst
waren es nur zaghafte Versuche, aber dann kam es zum ersten Mal. Das Hochgefühl nach
einer Zigarre. Mit Café, nach einem guten Essen. Von nun ab habe ich regelmäßig zum
Mittagessen und gelegentlich auch nach dem Abendessen im Restaurant mit Cognac meine
Zigarre geraucht. Mit 40 Jahren bin ich nach USA ausgewandert und kam schlagartig in ein
raucherfeindliches Land. Mit der Zigarre zu Mittag war es aus. Aber ich hatte interessante
Arbeit und so kam ich von der Zigarre ganz gut weg.
Zurück in Deutschland war nun mein Hauptproblem das Mitrauchen. Einmal saß ich längere Zeit mit zwei Megarauchern in einem Büro. Es hieß bei meinen Kollegen der blaue Salon. Hier habe ich zum ersten Mal Mordsgedanken gefasst. Aber ich musste nicht tätig werden. Einer der beiden Raucher bekam bald einen Herzinfarkt und hat freiwillig das Rauchen aufgegeben. Der andere ist früh an Krebs gestorben.
Mein letztes und noch immer aktuelles Problem ist das Rauchen meiner Kinder. Du kannst ja bei erwachsenen Kindern nichts dagegen unternehmen. Da ich immer Tipps für ein besseres Leben verfasst habe, die im allgemeinen auch von meinen Kindern geschätzt wurden, habe ich versucht damit gegen das Rauchen vorzugehen. Zuerst habe ich mit den hohen Kosten der Zigaretten argumentiert. Es geht ja wirklich ins Geld, vor allem weil der Staat so gut daran verdient. Aber dieses Argument verpufft in unserer reichen Gesellschaft.
Dann mit den gesundheitlichen Folgen. Aber wer denkt in jungen Jahren schon daran, was einmal sein wird. Wer denkt schon an degenerierte Kinder, wenn er noch gar keine haben will? Ich musste schnell einsehen, es nützt nichts, mit gesundheitlichen Argumente kann man Raucher nicht von ihrem Laster abbringen. Und die Aufschriften des Gesundheitsministers auf den Packungen sind für die Katz.
Da kam mir eine Beobachtung zu Hilfe, die ich anlässlich eines Psychospieles machte. Es ist ganz leicht Raucher und Raucherinnen von NichtraucherInnen zu unterscheiden. Dabei brauchst du nicht einmal ihr vergilbten Hände betrachten oder ihre stinkenden Haare zu riechen, nein, mit einiger Übung - die ich inzwischen hatte - , konnte man sie ganz leicht durch die Falten im Gesicht unterscheiden. Da der Rauch ja doch in den Augen beißt und deren Haut generell ganz schlecht durchblutet wird, bekommen RaucherInnen typische Falten um die Augen. Auch schon in jungen Jahren, aber im Laufe der Zeit werden die Falten immer stärker und so die Hinweise viel deutlicher.
Also versuchte ich es mit RAUCHEN MACHT HÄSSLICH. Das war die richtige Richtung, speziell, um Raucherinnen zu beeinflussen. Durchschlagend war diese Strategie nun auch wieder nicht. Die Sucht war einfach stärker. Aber ich lerne ja dazu. In meinen Vorlesungen über Lebensmanagement kam mir dann der zündende Gedanke. Ich erzähle da über das Thema Paradoxe Aktionen, das sind Aktionen die gerade das Gegenteil von dem bewirken, was man eigentlich ursprünglich vorhatte. Ich erinnere mich an ein klassisches Beispiel dazu aus meiner Schulzeit. Es wurde ein Horrorfilm über die gesundheitlichen Schäden des Rauchens vorgeführt und die erste Reaktion, nach dem wir den Kinosaal verlassen haben, war: "Jetzt brauche ich aber eine Zigarette". Denn vielen war nach dem Film so kotzübel, dass die beruhigende Wirkung der Zigarette wirklich die beste Antwort darauf war. Der andere wichtige Hinweis kam durch das Referat eines Studenten. Er war begeisterter Raucher und erinnerte mich an alle Vorteile des Rauchens, die ich ja schon aus eigener Erfahrung kannte: Rauchen hilft sich zu konzentrieren, es macht schlank, es sozialisiert stark, bei den Rauchern ist immer mehr los, die Leute sind kreativer. Auf die Frage nach den Nachteilen kam nun das einleuchtende Argument, die Vorteile überwiegen bei weitem die Nachteile.
Es wird ja immer mit den hohen Kosten der Krebserkrankung argumentiert, aber im Vergleich zu den Kosten einer langen Rente eines Gesunden sind die Behandlungskosten Peanuts. Raucher leben ja sehr lange sehr viel teurer und besser und sterben dann so schnell, dass die volkswirtschaftliche Bilanz wirklich zu ihren Gunsten spricht. Sie entlasten spürbar die Rentenkasse und schaffen sehr viele Arbeitsplätze. Sie helfen auch der Pflegeversicherung, denn wer mit 60 an Lungenkrebs stirbt, wird sicher kein Opfer der Alzheimerkrankheit mit 80. Die richtige Strategie mit dem Rauchen ist also nicht dagegen anzukämpfen, sondern ganz im Gegenteil, solange man dadurch nicht betroffen ist, heißt es das RAUCHEN DER ANDEREN ZU FÖRDERN, WO ES NUR GEHT. Natürlich darf man sich selbst dabei nicht mitreißen lassen. Die Anderen müssen rauchen, damit es den Nichtrauchern gut geht. Soviel Klugheit muss schon sein. Wir müssen also nach Wegen suchen, Raucher von den Nichtrauchern zu trennen (Wirte und Veranstalter, unterstützt es mit den Nichtrauchertischen und Abteilungen!) und dann die Zahl der Raucher radikal nach oben zu treiben. Alle die oben erwähnten Vorteile treten dann ein. Die Nichtraucher können dann wieder mit 60 in die Rente gehen und müssen nicht länger arbeiten, sondern können mit gutem Gewissen ihren Lebensabend genießen. Die Kosten der Pflegeversicherung werden so sinken, dass wir in Deutschland wieder den Buß- und Bettag feiern können. Eigentlich wäre es fair diesen Tag dann eher Rauchertag zu nennen. Denn diesen Feiertag können wir uns ja nur leisten, weil genügend Leute rauchen und die Pflegeversicherung nicht voll brauchen werden. Mit dem Rauch- wird auch der Kaffeekonsum drastisch ansteigen. Ein weiterer Beitrag zur Gesundung der Wirtschaft, mit Auswirkungen sogar auf die Weltwirtschaft. Endlich wird es weniger Arbeitslose geben, und dies nur, weil wir endlich wissen: durch Rauchen wird unsere Wirtschaft gesund.
Natürlich wird es dem einen oder anderen auch leid tun, wenn er nahe Angehörige, zum Beispiel seine Kinder, durch den Rauch sterben sieht. Aber dies können wir leicht steuern, indem wir vor allem uns Unbekannte zum Rauchen bringen. Zum Beispiel durch schöne Werbung. Durch Raucherfahrten mit dem Bus in schöne Raucherzentren. Nicht nur für Abenteurer, sondern auch für ganz Normale. Denn es müssen ja viele sein, die rauchen, nur dann macht diese neue Strategie wirklich Sinn.
Ich bin stolz, dass ich durch Nachdenken eine gute Lösung gefunden habe. Für die Wirtschaft und für viele Einzelschicksale. Wenn man weiß, dass man nicht allzu alt werden braucht, wird vieles einfacher. Keine Kosten mehr für die Kapitallebensversicherung, man kann mit billigen Fluglinien reisen, man kann unbeschwert alle Pilzgerichte essen, jeden Job in einem Atomkraftwerk annehmen, auf deutschen Straßen Motorrad fahren usw. Wenn das kein Fortschritt ist?
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Tatsächlich hilfreich sind Rauchverbote in
öffentlichen Räumen. Ich habe z.B. in Italien und Spanien
beobachten können, wie diese anfangs belächelt wurden. Heute kann man dort überall
rauchfrei essen,
und hoffentlich auch bald in Deutschland.
Ich habe gelernt, dass der Nichtraucherschutz nur über die Politik kommt.
Wer raucht, bekommt meine Stimme bei der Wahl nicht mehr! Ich denke, das wird helfen!
Und hier gibt es Nichtraucher - Aufkleber (zum Teil sogar gratis).
© (P) 2007 Otto Buchegger, Tübingen
www.buchegger.de/rauchen.html