Bin ich ein Philosoph?

Viele Anläufe habe ich genommen, die Philosophie zu verstehen. Aber immer wieder bin ich an Worten und Begriffen gescheitert, die den Philosophen so geläufig über die Lippen gingen und die mir gar nichts gesagt haben.

Auch haben mir die vertrauten Beispiele von Philosophen in meiner unmittelbaren Umgebung (einer meiner Schwiegerväter war Ontologe) nicht weitergeholfen mehr über Philosophie zu erfahren. Mit 40 Jahren habe ich dann das Handtuch geworfen und die Philosophie bei den unerledigten, aber auch unwichtigen Problemen abgelegt.

Mit der Veröffentlichung der Praxilogie und dem Globismus hat sich eine neue Fragestellung ergeben. Plötzlich haben mich viele als Philosophen bezeichnet! Das hat mich nun in arge Bedrängnis gebracht. Bin ich ein Philosoph? Was ist denn das?

Die Philosophen stellen große Fragen und suchen allgemein gültige Antworten. Fragen wie

  • Was ist die Natur und was können wir von ihr wissen?
  • Wie sollten wir leben, als einzelne Person oder als Gemeinwesen?
  • Was dürfen wir von einem guten Leben erhoffen, sei es in diesem oder einem künftigen Leben?
  • Was ist überhaupt Wissen?

Meine Fragestellung ist

  • Wie können wir in dieser westlich, kapitalistisch orientierten Welt erfolgreich unser Leben gestalten?

Dabei bin ich weniger an Wohlergehen durch Wohlverhalten interessiert, als an Wohlergehen durch richtige Entscheidungen.

Bin ich nun ein Philosoph?

Grosse Philosophie ist erfahrungsgesättigt. Das ist mein Leben sicher auch. Manchmal denke ich sogar, ich hätte schon mehrere Leben gelebt, soviel hat sich bisher in meinem kurzen Leben schon ereignet.

Philosophie arbeitet mit Begriffen, Argumenten, Logischer Ordnung und Sprache. Sie hilft sich in große Denkhöhen vorzuarbeiten und schafft es im Denken schwindelfrei zu werden.

Ich arbeite mit persönlichen Meinungen, Erfahrungen, widersprüchlichen Ansichten, Kommentaren von LeserInnen.

Also bin ich doch kein Philosoph?

Philosophie bohrt mit der Frage WARUM zu den Wurzeln, ich frage nach dem WIE zum Erfolg? Lediglich beim WAS scheinen wir eine gemeinsame Basis der Fragen zu haben.

Philosophie braucht eine ungestillte Wissbegier, die Fähigkeit zu staunen und sich zu wundern, und das alles sehr gründlich.

Ich bin oberflächlich, lese wenig, 'weiß schon alles (besser)' und wundere mich höchstens über die Dummheit der Menschen. Also da punkte ich überhaupt nicht. Ich bin sicher kein Philosoph.

Die Geburtsorte der Philosophie sind der Konflikt, die Kritik, die Krise. Meine Denkfelder sind die Freude, der Erfolg, das Gelingen, die Kommunikation, die Kooperation.

Philosophen streben die Meisterschaft im Wissen an, ich strebe - ehrlich gesagt - wenig an. Höchstens, dass sich einige junge Menschen etwas leichter im Leben tun, als ich es hatte und die Befriedigung meiner persönlichen Eitelkeit.

Die Philosophen suchen das Allgemeine und das Ganze. In meinen Augen eine fruchtlose Suche. Weiß ich doch, dass sich alles stets ändert, dass das Ganze nicht fassbar ist, dass wir in lauter kleinen Welten leben.

Vorbedingungen zum Philosophieren sind Anstrengung, Lebensweisheit, und die Befreiung von elementaren Lebensnotwendigkeiten. Da schaffe ich schon zwei von drei Kriterien. Aber für eine abschließende Beurteilung reicht das nicht.

Ein Philosoph ist ein kluger Mensch mit einer bösen Frau, habe ich gelesen. Leider kann oder besser gesagt konnte ich da mitreden.

Ich habe nun einige Freunde gefragt, ob ich ein Philosoph bin. Gelegentlich schon, war die Antwort. Vielleicht ein Stadtphilosoph für Tübingen? Wenn nun Philosophie was Gutes ist, dann bin ich zumindest gelegentlich dabei. Und ist es was Schlechtes, dann brauche ich mich nicht allzu schuldig fühlen. Denn dann bin ich eben kein Philosoph gewesen.

Impressum SENIORENFREUNDLICH DENKSTELLE PRAXILOGIE TUEPPS INSELLISTE

www.buchegger.de/philosophie.html

© 2005 Otto Buchegger Tübingen