| Wenn ich in meinem Leben zurückblicke, was mir langfristig wirklich
Freude, Spass und Genugtuung bereitet hat, dann war es das Lernen. Glückliche Umstände
waren die Basis dafür. Das gute österreichische Schulsystem, großzügige Stipendien,
hervorragende Lehrer an der Hochschule, ein exzellenter Arbeitgeber (für den
Weiterbildung nicht nur ein Lippenbekenntnis war), die Nähe zu Universitäten, kluge
Kollegen und Freunde, alles eingebettet in eine Zeit langen Friedens, mit ständig
wachsendem Wohlstand, so glückliche Voraussetzungen sind selten und ich bin meinem
Schicksal wirklich dankbar dafür. Natürlich hat auch geholfen, dass mir das Lernen leicht fiel, vor allem mein gutes Gedächtnis war dabei sehr hilfreich. Viel Unterstützung habe ich auch durch die Medien bekommen, die während meiner Lebenszeit immer besser wurden. Allem voran wurde das Internet zur unerschöpflichen Quelle, um an Wissen zu gelangen. Wichtig waren auch die liberale Gesinnung unserer Gesellschaft, die nur wenige Tabus kannte und die fast jedes Tor für die Neugierde offen hielt. Der heute nicht mehr so relevante Einfluss der Religionen war eine der wichtigsten Voraussetzungen sich selbst bilden zu können, im Gegensatz zum von anderen gebildet werden. Ich betone dies deshalb, weil auch in Deutschland vermehrt der Einfluss kommen wird,der in den USA schon lange stark ist, nämlich, dass der Glaube das Wissen verdrängt. Wer sich mit dem Lernen beschäftigt, der stellt sich bald die Frage, was es eigentlich ist. Die klassische Definition ist, dass Lernen ein Prozess ist, bei dem man zu Wissen gelangt. Ich will dem hinzufügen, dass Lernen eine Veränderung darstellt, die dazu führen soll, glücklicher zu werden. Meine Ergänzung beeinhaltet somit auch das konkrete Ziel, zu dem man das abstrakte Wissen einsetzen soll. Also nicht das Wissen selbst ist das Ziel, sondern das Wissen, um glücklicher zu werden. Für mich ist hier Glück, ein Zustand, den ich nur ungern verändern möchte, weil ich mich sehr wohlfühle. Glücklich zu sein in der Bedeutung von "happy" und weniger als "lucky" (Glück haben). Ist doch interessant, dass das Englische hier unterscheiden kann, aber die Sprache der Dichter und Denker keinen Unterschied kennt. Für andere Menschen mag Lernen und Glück weit auseinander liegen, sie haben die Arbeit in der Schule z.B. als höllische Anstrengung empfunden. Einer der Gründe dafür könnten die schlechten Lehrer gewesen sind, die es leider auch gibt, und die bei den Lerninhalten keinen Sinn vermitteln konnten. Aber vielleicht war der Widerstand sich verändern zu wollen auch anders begründet. Wenn ich mir die in den letzten Jahren in Deutschland wachsende "Dagegen-Kultur" anschaue, dann ist der Widerstand gegen Veränderungen in meinem Augen primär damit begründet, dass die Menschen zuviel Angst haben, das Erreichte wieder zu verlieren. Sie handeln also lieber extrem egoistisch und konservativ. Wer nichts mehr wagt, macht auch keine Fehler, denken sie Sie spüren auch durch lange stabile politische Verhältnisse in manchen Bundesländern einen großen Mangel an Freiheit und der verusacht weiteres Unbehagen, das von Populisten leicht zu Angst umgeformt werden kann. Auch Angst lähmt und verhindert das Experimentieren, das zum Lernen dazugehört. Auch das zunehmende Altern der Gesellschaft fördert nicht gerade die Bereitschaft zu ständigen Veränderungen. |
| Wir laufen leider in die große Gefahr, nicht mehr lernfähig zu
sein. Politisch heißt dies nicht mehr reformfähig zu sein. Wenn hochrangige Besucher aus
Ländern mit großer Dynamik zu uns kommen, dann erscheint ihnen Deutschland wie ein
Museum. Es gibt viele Möglichkeiten aus dieser Falle wieder rauszukommen. Veränderungen der Verfassung sind dabei aber meist unausweichlich und das erschwert das Ganze. Wie ich alt wurde, habe ich gemerkt, dass das Lernen mir zunehmend größere Schwierigkeiten als früher macht. Aber ich habe viel Neues durch das Lehren von jungen Managern gelernt. Vielleicht ist dies auch ein Weg für unsere Entscheidungsträger, egal ob in der Politik oder Wirtschaft: Mehr Kontakte zu jungen, dynamische Volkswirtschaften, allen voran China und Indien. In meinem Freundeskreis sind einige dorthin gefahren und sie sind alle verändert zurück gekommen. Das stimmt mich doch wieder etwas optimistischer! |
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