Lärm

So segensreich die technischen Erfindungen auch alle sein mögen, so haben sie doch meist einen unangenehmen Nebeneffekt: Sie erzeugen Lärm. Und da wir ständig mit neuen Produkten gesegnet werden, nimmt der Lärm ständig zu.

Ich habe öfter in meinem Leben extrem unter Lärm gelitten. Ein Ventilator einer chemischen Fabrik hat mir beinahe den Verstand geraubt, ein Autobastler in unmittelbarer Nachbarschaft mir viele ruhige Stunden gestohlen, ein Metallkünstler mit stundenlangem Schleifen von Rostplastiken mich geärgert, Flugzeuge im Tiefflug, LKW Verkehr vor dem Haus. Sie alle haben meine Abneigung gegen Lärm geschürt und mich in meinem Leiden auch wirklich aggressiv werden lassen.

Lärmgutachten auch für Privatpersonen bei
der Lärmberatung Wittstock aus Freiburg
www.laermberatung-wittstock.de

Lärm kann man auch mit einer "Akustischen Kamera" fotografieren, siehe www.acoustic-camera.com

Lärm ist eine Folter. Er tut weh, manchmal sogar unmenschlich weh, aber er ist bisher schlecht zu beweisen oder zu dokumentieren. Er macht den Verursachern Spaß und die Leidenden krank. Lärm ist immer lokal und betrifft deshalb nur wenige, die sich dann auch nur schlecht wehren können.

Die üblichen Schritte gegen (öffentliche) Lärmsünder

  • Problem dokumentieren. Lärmstörung, Datum, Uhrzeit über einige Zeit notieren. Wenn möglich, mit Videokamera.
  • Die Lärmverursacher freundlich informieren und sie bitten den Lärm abzustellen. Denn oft wissen diese gar nicht, dass sie stören. Bei Firmen um schriftliche Stellungnahme innerhalb eines Monats bitten. Telefonisch nachfragen, wer diesen Brief bearbeitet und wer für dieses Problem verantwortlich ist.
  • Bei Straßen- oder Schienenlärm das Umweltbundesamt ("Lärmprobleme") informieren.
  • Lobby bilden. Mittels Gemeindeblatt, Ortszeitung, Gesprächen, Bürgerversammlung. Eine Kontaktadresse für andere Betroffene angeben. Dies macht meist ein politischer Funktionär ganz gerne.
  • Diese Aktion schon bald anleiern, wenn der Brief nichts gebracht hat. In Deutschland zählt das Einzelschicksal ganz wenig, aber vor gesellschaftlichem Druck haben viele Respekt!
  • Die Rechtslage klären. Dazu wird man wahrscheinlich Fachleute brauchen. Die gibt es z.B. im Umweltbundesamt oder in den Ordnungsämtern der Gemeinden.
  • Nochmals die Lärmverursacher bitten, den Lärm abzustellen, aber diesmal mit juristischen Schritten drohen.
  • Prozessieren.
  • Wenn dies alles nicht nützt, wegziehen! Ist meist immer noch billiger, als dauerhaften, gesundheitlichen Schaden zu nehmen.

Lärm wird von unserem Gehörsinn wahrgenommen. Dieser Sinn ist von der Evolution wunderbar für unser Überleben eingerichtet worden. Das Gehör schläft nie und es ist im natürlichen Umfeld der letzte Sinn, der stirbt. Menschen, die Sterbende begleiten, wissen, dass bis zum Tode der Gehörsinn funktioniert.

Messgeräte

HearSafe Hearsafety Schallpegelmesser für den Diskobesuch

Schallpegelmessgerät PCE-999, Klasse II. ±1,5 dB, Schallmesser, Lärmmessgerät, Lärmpegelmesser. Für genauere Messungen wird zusätzlich ein Schallkalibrator benötigt.

Aber Lärm zerstört auch das Gehör und ich denke - auf die Dauer - auch unsere Seelen. Ich mache mich deshalb für ein besseres Lärmbewusstsein stark und hoffe viele Mitstreiter zu finden.

Es gibt heute - auch bei uns - wirklich guten Gehörschutz in Form von Ohrenstopfen (aus Schaumstoff). Habt - wie beim Kondom - immer für alle Fälle einen Satz dabei!

Oft schauen wir nach den USA, wenn wir Hilfe bei neuen Problemen suchen. Da die USA sehr viel flexibler sind als wir, haben sie schneller neue Probleme und dann auch Lösungen dazu. Aber beim Lärm bin ich pessimistisch. Durch die große Weite des Landes fehlt den Bewohnern auch das Bewusstsein für Lärm. Das beste Beispiel für meine Theorie sind amerikanische Hotelführer, die keine Klassifikation für Ruhe haben. Und wer zu McDonalds essen geht, kann sich nur über das ständige Hupen und Piepsen der Küchengeräte wundern, die keine gute Atmosphäre aufkommen lassen und die ein wichtiges Argument sind, auch aus diesem Grund diese Restaurants zu meiden.

Lärm gab es sicher zu allen Zeiten. Und natürlich auch Gegenmittel dazu. Ich denke, dass Klostermauern und Schlösser hoch über dem gewöhnlichen Volk u.a. auch deshalb gebaut wurden, um sich vor Lärm zu schützen. Was neu in unserer Zeit ist, das ist die nahezu unendliche Ausbreitung von Lärm durch neue technische Möglichkeiten. Nicht nur, dass Motoren heute überall mit Lärm Kraft erzeugen, auch der Einsatz der Medien, von der zu laut eingestellten Stereoanlage bis zum dumpf hämmernden Autoradio, vom Freiluftkonzert mit Megawatt Leistungslautsprechern zu Walkmen, die mit über 110 dB Ohren für immer taub werden lassen, stürmt alles auf uns ein.

Informationsmaterial zum Thema Lärm versendet das Umweltbundesamt.

Ruhe ist ein Gratis-Kollektivgut, das durch einen einzigen Störer kaputt gemacht werden kann. Hier müssen wir ansetzen. Ruhe muss ein geschütztes Gut werden, dessen Störung Geld kostet. Mit einer Lärmsteuer können wir den Lärm zumindest eindämmen. Jedes neue Gerät wird in seiner Funktion auf seine Lärmemissionen geprüft. Und für jedes Dezibel mehr gibt es einen stark progressive Steuer oder besser Abgabe, die für Lärmschutz oder Forschung eingesetzt werden kann. So würden laute Autoreifen, die für den Großteil des heutigen Verkehrslärms verantwortlich sind, oder ein Motorrad, dessen Aufheulen ein ganzes Stadtviertel aufwecken kann, plötzlich das Doppelte oder Dreifache des heutigen Preises kosten.

Ich erwarte von dieser wirtschaftlichen Maßnahme tatsächlich eine Reduktion des Lärms. Auch reiche Menschen werden nachdenklich, wenn sie Geld ausgeben müssen. Und Ingenieure werden erfinderisch, wenn ihr Produkt so teuer wird, dass es nicht mehr verkauft werden kann.

Eine Vorbedingung zur Lärmsteuer ist die Angabe des verursachten Lärms als Marketinggröße. Auch relativ leise Geräte - wie Computer - können sehr störenden Dauerlärm erzeugen. Ich als Verbraucher gebe ruhigeren Produkten immer den Vorzug. Aber vor dem praktischen Ausprobieren weiß ich nicht, was laut oder leise ist. Wenn der Lärmwert im Datenblatt angegeben ist, kann ich vergleichen und das leisere Produkt wählen.

Zur erfolgreichen Bekämpfung von Lärm wird man bessere Hilfsmittel brauchen. Ein gutes Medium zum Registrieren scheint mir die Digitalvideokamera zu sein. Sie kann nicht nur den Verursacher zeigen, sondern gleichzeitig auch in CD-Qualität den Ton aufnehmen. Was bei ihnen noch fehlt, ist eine Standardvergleichslärmquelle, die den dB Wert angeben lässt. So wie heute ganz automatisch das Datum und die Uhrzeit bei Aufnahmen registriert wird, wird damit auch der Soundlevel notiert und kann zu Beweiszwecken herangezogen werden. Und mit APS ausgerüstet, kann man auch gleich die genauen Ortskoordinaten mit aufzeichnen. Von diesen technischen Neuigkeiten erwarte ich mir einen wirklichen Fortschritt bei der Lärmbekämpfung.

Lauten Menschen kann man ausweichen, laute Nachbarn über das Ordnungsamt zur Räson bringen, laute Urlaubsorte nicht mehr besuchen, laute Telefone leiser schalten, Firmen, die laute Produkte erzeugen, boykottieren. Laute Verkehrsmittel zu leisen machen, indem wir einfach langsamer fahren und politischen Druck ausüben, der das irrwitzige Rasen auf deutschen Autobahnen endlich stoppt. Vom Moped aufs Fahrrad umsteigen. Wir können also gegen den Lärm etwas tun.

Und wir können Ruhe fördern, durch den Besuch von Kirchen, Bibliotheken und Parks. Klaviere nur kaufen, wenn man diese leiser stellen kann. Wir können Lärmschutzfenster einbauen, unsere Böden und Wände dämmen oder Motorgeräte durch altmodische Handgeräte ersetzen. Wer braucht schon Laubgebläse, wenn es ein normaler Besen auch tut?

Leute wehrt euch gegen den Lärm, macht ihn bewusst und stellt ihn ab oder versucht ihm auszuweichen, er ist - bis auf das Gewitter oder das Grollen von Erdbeben - nicht gottgegeben, sondern von entweder rücksichtslosen oder ignoranten Menschen gemacht. Eure Seele wird es euch danken!

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