KONFLIKTE

Ein Konflikt ist immer dann gegeben, wenn Meinungen (z.B. Interessen, Vorschriften, Zielsetzungen, Wertevorstellungen) unvereinbar sind. Ich beginne mit einem Beispiel, das heute politisch unverdächtig ist, nämlich mit dem Rechts- und Linksverkehr auf unseren Straßen. Wir fahren in Europa großteils im Rechtsverkehr, die Länder, die Linksverkehr haben, z.B. Großbritannien, Irland, Malta und Zypern sind Inseln, haben also keine gemeinsamen Straßen mit dem Rest von Europa.

Im Prinzip wäre es egal, ob man auf der rechten Seite oder der linken Seite der Straße fährt, so lange sich alle an die gleichen Regeln halten. Es gibt hier kein besser oder schlechter. Nur wenn beide Systeme zusammenkommen, dann sind die Konflikte (mit vielen Verletzten oder sogar Toten) vorprogrammiert. Es gibt keine Möglichkeit unbeschadet Rechts- und Linksverkehr gemeinsam zu haben. Wer als Geisterfahrer oder Falschfahrer die verkehrte Straßenseite wählt, gefährdet massiv sein Leben und das Leben anderer. Lediglich durch ein System von Einbahnstraßen kann man den Konflikt etwas entschärfen.

Es ist wegen des heute dichten Verkehrs auch mit vernünftigem Aufwand nicht mehr möglich, ein größeres Land von einem Verkehrssystem auf das andere umzustellen. Die Umstellungskosten sind dramatisch. Nicht nur dass man alle Fahrzeuge und Verkehrseinrichtungen umbauen oder erneuern müsste, man muss auch die Menschen umtrainieren und man müsste für einige Zeit den Individualverkehr ganz ruhen lassen, weil man nicht gleitend den Umstieg vornehmen kann.

Wer sich mit der Entstehung dieses Konfiktes näher befasst , wird Interessantes erfahren. Im wesentlichen kommt er erst dadurch zum Tragen, dass die Verkehrsnetze immer mehr zusammenwachsen. Letzten Endes sind also die Motorisierung, wie die Entgrenzung durch die Globalisierung, dafür verantwortlich, dass Konfliktlinien entstanden sind, an denen die Verschiedenheit aufeinanderprallt. Von Unbeteiligten betrachtet, ist der Unterschied zwischen Rechts- oder Linksverkehr minimal. Es genügt ein Wort in einer Verfassung zu ändern, um den Wechsel einzuleiten. Aber die Folgen sind der Praxis sind natürlich gravierend.

Für mich wichtig ist, wie man mit diesem Konflikt umgeht. Da Koexistenz nicht möglich ist, trennt man die Systeme gründlich, aber betrachtet sie als gleichwertig, versucht große Räume zu schaffen, in denen einheitliche Reglen gelten und reduziert die Konfliktlinien auf wenige Grenzpunkte, wo beide System aufeinanderstoßen. In Europa sind dies die Häfen, wo die Autofahrer landen. in Afrika oder Asien ist die Lage komplizierter, aber auch dort gelingt es, die Situation zu managen.

Meines Wissens ist dieser Konflikt in neuerer Zeit nicht Anlass zu Kriegshandlungen gewesen, wohl aber wurde nach Eroberungen die Fahrordnung geändert (z.B. auf Falkland). Ein Grund ist vielleicht, dass er nicht mit Religionen korreliert wurde. Welch ein Glück, dass zu den Zeiten, in denen die Bücher der Weltreligionen geschrieben wurden, der Straßenverkehr keine Rolle gespielt hat. Man konnte also primär mit praktischer Vernunft darauf reagieren und musste nicht Gefühlen verletzen.


Ich sammle schon lange Beispiele für Konfliktlinien und versuche die darunter liegenden Grundverschiedenheiten zu analysieren. Bei einigen Beispielen drängt es sich auf, eine Meinung zu haben, also zu bewerten, was besser oder schlechter ist. Nun ist es immer kritisch, wenn Urteile oder Vorurteile die Beobachtung verfälschen.

Da meine Meinung als Globist zu vielen Wertevorstellungen aber bekannt ist (oder nachgelesen kann), wird man sie leicht herausfiltern können, wenn man will. An manchen Stellen werde ich explizit Position einnehmen, was meiner Meinung nach besser für den Wohlstand der Menschheit ist.

Konflikte entstehen u.a. durch Kampf um Ressourcen, die es nicht in genügender Menge gibt, aber auch durch Ansichten, die sich widersprechen. Der Kampf um Ressourcen wird durch Wohlstand reduziert, deshalb habe ich auch so viel Wert darauf gelegt, dass ein Globismus entsteht,der sich ausdrücklich darum kümmert.

Wenn es Meinungen gibt, die weltweit gelten, dann ist auch die Chance auf Konflikte reduziert. Leider wissen wir, dass es nicht vieles gibt, was weltweit gilt. Aber jedes Detail, über das weltweite Übereinstimmung erzielt werden kann, ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Konflikte werden auch dadurch eingedämmt, wenn uns die Meinung der anderen nicht kümmern muss. Sei es, dass sie keine Macht haben oder dass uns ihr Machtbereich nicht interessieren muss, weil er zu weit weg ist. Leider hat gerade auf diesem Sektor die ständig wachsende Weltbevölkerung und das Zusammenrücken von unvereinbaren Kulturen Konliktlinien geschaffen, die früher undenkbar waren.

Konflikte sind nicht nur ein Übel, das uns die Natur in die Wiege gelegt hat. Sie helfen uns auch, uns stets an neue Situationen anzupassen, neue und bessere Lösungen zu finden, mit einem Wort sie sind ein wichtiges Element der Evolution. Wir müssen nur lernen, mit weniger Schaden und Zerstörung diese notwendigen Lernerfahrungen zu machen. Dazu will dieser etwas abstrakte Beitrag auf der Buchegger-Denkstelle beitragen. Viele Beipiele zu Konflikten im zwischenmenschlichen Bereich findet man auf der Praxilogie, wer mehr zu erfahren will.

Eine völlig konfliktfreie Welt ist in meinen Augen kein erstrebenswertes Ziel. Sie wäre schrecklich langweilig. Die Menschen haben deshalb schon immer nach Abwechslung mit verschiedenen, eher harmlosen "Scheinkonflikten" gesucht. Der Sport ist ein wunderbares Beispiel dafür. Aber auch die Berichterstattung über Konflikte, die uns nicht direkt berühren, erfreut uns. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass wir jede Neuauflage einer israelisch-palestinensischen Eskalation oder die Scheidungsstories von Prominenten immer noch in unseren Nachrichten bringen.

Bei Konflikten ist es ähnlich wie mit der Ehrlichkeit. Einerseits hat diese so viele Vorteile, dass sie (vor allem im Wirtschaftssektor) eine wünschenswerte Norm für uns darstellt. Auf der anderen Seite ist eine Welt, die immer brutal ehrlich sein will, keine wirklich erstrebenswerte. Für beide gilt, solange kein Schaden entsteht, können wir auch gelegentlich auf sie verzichten.


Besitz- und Eigentumskonflikte

Wer darf etwas mit einer Sache machen, wem gehört sie? Ist diese Frage in einer Gesellschaft zufriedenstellend gelöst, dann hat man viel erreicht.

Grundbesitz

Beginnen wir mit dem Grundbesitz, dem Land. Wem gehört es? Dem, der zuerst da war, der zuletzt da war, niemandem, allen, dem, der es erobert, verteidigt, einzäunt, dem der es pflegt, nützt, ausbeutet?

In unserem deutschen System gehört es entweder dem Staat (oder untergeordneten Institutionen) oder dem, dessen Name im Grundbuch steht. Somit sind Konflikte dazu im Prinzip leicht entscheidbar. Aber so einfach ist die Sache mit dem Grundbesitz auch bei uns nicht. Wir haben bei uns immer noch Nomaden, die von einem Ort zum anderen ziehen. Welche Rechte auf Land haben sie in einer Gesellschaft von überwiegend Sesshaften?

Wieso kann Grundbesitz vererbt werden? Wieso darf man mehr kaufen, als man braucht? Warum darf man damit spekulieren? Dürfen Ausländer unser Land kaufen?

Geht man auch in unsere Geschichte zurück, dann gehörte alles dem Herrscher (König, Fürsten). Nutzen konnte das Land im Feudalsystem, wer ein Lehen bekommen hat. Im Kommunismus gehörte das meiste Land dem Staat (der es enteignet hatte), der es in der Planwirtschaft ebenfalls zuteilte. Die meisten Revolutionen haben eine Bodenreform durchgeführt, die zu einer Neuverteilung des Landes geführt haben. Noch immer gibt es Kriege um Landbesitz. Der Nahe Osten oder der Kaschmirkonflikt sind leider aktuelle Beispiele. Auch bei den vielen Separatistenbewegungen geht es auch um Kontrolle über den Landbesitz.

Da es schwierig ist, neues Land zu schaffen, wird die vorhandene Landmasse nicht wachsen. Im Gegenteil, durch Erhöhung des Meerwasserspiegels kann es zu großem Landverlust kommen, der dann auch sehr dicht bevölkerte Regionen (z.B. Holland oder Bangladesh) treffen kann. Ansprüche auf Regionen gibt es auch auf See und es wird sie auch im Weltraum geben.

Bei den unzähligen Konfliktlinien, die sich aus Nutzung und Eigentum von Grundbesitz ergeben, ist es wieder interessant, wie man sie reduzieren oder vielleicht ganz vermeiden kann. Aus globaler Sicht gibt es auf der Erde keinen Flecken mehr, der niemandem gehört oder unbenutzt ist. Als Demonstration dazu führe ich Google Earth an, das zeigt, wie unsere Erde tatsächlich aufgeteilt ist. Es macht also Sinn, eine Art Globales Grundbuch zu führen, in dem die Rechte (und Pflichten) einverständlich notiert sind. Sicherlich ist dies heute noch Utopie, aber mit den technischen Möglichkeiten werden auch die Angebote dazu kommen.

Die Regeln, die für Grundbesitz gelten, sollten für möglichst große Gebietseinheiten anwendbar sein. Globale Regeln sind unwahrscheinlich, aber je größer der Gültigkeitsbereich ist, desto stabiler wird eine Region sein und desto größer ist die Wahrscheinlichkeit auf Frieden. Als Minimaleinheit würde ich ein Staatsgebiet nennen. Heute sind wir davon in manchen Bereichen weit entfernt, einer der Gründe für die unzähligen Konflikte. Aber ein Staat hat zumindest im Prinzip die Möglichkeit die Einhaltung der Regeln zu erzwingen (Polizei) oder die Verletzung zu bestrafen (Justiz).

Abstrakt gesehen ist der Konflikt um Grundbesitz ein Verteilungskonflikt, mit der Besonderheit, dass das zu verteilende Gut konstant und vorgegeben ist. Da nicht jedes Land gleich nutzbar ist, verändert sich aber mit der Erhöhung der Tragekapazität (so hat z.B. der Kunstdünger unfruchtbares Land fruchtbar gemacht) oder durch andere Einflüsse (z.B. strategische Lage oder durch Entdeckung von Bodenschätzen) sein Wert u.U. beträchtlich und damit auch der Wunsch, es zu besitzen.


Verteilungskonflikte

Wenn ein Wert, ein Gut entsteht, wie soll es verteilt werden? Viele unserer Konflikte in der Politik sind nur Verteilungskonflikte. Welche Steuern sollen erhöht werden, wofür soll Geld ausgegeben werden? Ist der Kommunismus oder der Kapitalismus das bessere System?

Schnell wird nach gerechten Lösungen gerufen, aber was ist gerecht? Die Geschichte des 20. Jahrhunderts hat eine für mich ziemlich eindeutige Antwort gegeben. Die Regeln, die dauerhaft für den größten Wohlstand einer Volkswirtschaft gesorgt haben, sind die gerechtesten. In Deutschland waren es die soziale Marktwirtschaft und die demokratische Verfassung, denen dies ganz gut gelungen ist.

Ich denke, dass es nur fair ist, anderen Kulturen auch andere Regeln zuzugestehen. Ob man dabei an China, Russland, Indien denkt, an drei große Wirtschaftsbereiche, die auch mit anderen Wegen erfolgreich waren. Oder an die arabischen Emirate, denen trotz Feudalsystem wegen der großen Energievorkommen ebenfalls großer Wohlstand beschert wurde.

Wir empfinden Verteilung dann als gerecht, wenn wir die Regeln dazu kennen, diese plausibel und allgemein gültig sind und wenn wir persönlich damit ein Auskommen haben. Wer sich an alle Regeln hält und trotzdem zu überdurchschnittlichem Wohlstand kommt, ist eben erfolgreicher, um nicht zu sagen klüger!


Machtkonflikte

Bei vielen Ehekonflikten, die ich verfolgen durfte, ging es primär um Macht: Wer hat das Sagen, wer kann bestimmen?

War bei jüngeren Ehepaaren der Wunsch alles richtig zu machen, der Auslöser für den Machtstreit, dann wurden mit zunehmenden Alter die Fronten viel klarer, aber auch unverständlicher. Es ging schlicht darum, wessen Ansicht durchgesetzt wird. Der Konkurrenzkampf ist zum reinen Machtkampf degeneriert. Für Außenstehende erscheinen solche Spielchen eher lächerlich. Sie passen eher zu Kindergartenkindern, als zu denkenden Erwachsenen. Für die Betroffenen aber sind sie bitterer Ernst.

Machtkonflikte sind relativ leicht abzustellen, wenn es eine Instanz gibt, an deren Regeln sich die Kontrahenten halten. In der Wirtschaft wird dies durch Eskalationsprozesse garantiert, einiges fällt auch in den Aufgabenbereich der Gerichte. Gibt es aber diese Instanzen nicht, dann kann der Konflikt bis zur totalen Vernichtung aller Kontrahenten führen.

Besonders schwierig wird die Situation, wenn religiöse Ansichten mit ins Spiel kommen. Wer hat den besseren Gott, wer die richtigen Propheten, den richtigen Glauben? Wir wissen aus der Geschichte, wie verheerend speziell Religionskonflikte sein können.

Macht berührt immer auch Freiheit. Sie kann sowohl Freiheit garantieren, wie auch Freiheit einschränken. Da Freiheit für die meisten Menschne ein hohes Gut ist, bleiben sie auch an Machtveränderungen interessiert.

Macht kann auf vielen Ebenen ausgeübt werden: wirtschaftliche Macht, militärische Macht, Macht des Wissens, Macht der Illusion. Besonders beeindruckend finde ich die Macht des Glaubens oder auf unreligiösem Gebiet, die Macht von Ideologien. Auch wenn der Betrug dort oft ganz offensichtlich ist, den Menschen ist es wichtiger, ihnen zu folgen, als ihrem Verstand zu trauen.

Wir kennen heute zu allen Fragen der Machtkonflikte bewährte Vorgehensweisen. Je nach Größe und Dringlichkeit stehen im Prinzip Mittel zur Lösung oder zumindest zur Minderung des Konfliktes bereit. Auch wissen wir, wie wir vorbeugend Machtkonflikte eingrenzen könnten. All dies scheint nicht wirklich viel zu nützen. Der Wunsch zu siegen scheint die Vermeidung des Konfliktes weit zu übertrumpfen.


Jäger - Opfer (Räuber-Beute) Konflikte

Fast alle Lebewesen brauchen andere Lebewesen, um sich zu ernähren. "Fressen und gefressen werden" ist die Grundlage des Lebens in der Natur. Müssen dabei Lebewesen getötet werden, dann sprechen wir von Raubtieren und Beutetieren.

Man hat diese Räuber-Beutebeziehungen oft untersucht und sogar mathematische Formeln dazu entwickelt (Lotka-Volterra-Gleichungen). Verallgemeinert man dieses Prinzip und übeträgt es auf Menschen dann geht es dann weniger um das Leben, als um das Geld (oder eine andere Form von übertragbarem Vermögen). Die einen verdienen es, die anderen nehmen es ihnen wieder weg.

Untersucht man unsere Gesellschaft, wer Beute und wer Jäger ist, dann wird man viel lernen. Die Beute muss zahlreich sein, sie muss in irgendeiner Form hilflos sein, kann also nicht einfach den Jäger vernichten. Beide sind aufeinander angewiesen, auch wenn die Beute das nicht immer so sieht. Der Jäger darf seine Beute ebenfalls nicht ganz vernichten, denn sonst verhungert auch er. Es ist also eine komplexe Beziehung, die einerseits Symbiose, andererseits auch Kampf auf Leben und Tod bedeutet, also Antibiose ist.

Wir kennen legale Beziehungen dieser Art (ich nenne hier nur die Steuern, stellvertretend für alle anderen, die mir mein Geld wieder wegnehmen), aber auch illegale, wie Piraten, Betrüger, Räuber oder Diebe. Das Image reflektiert nicht immer den legalen Status. Es gab, auch in unserer Geschichte, "Gute Räuber", die die Unterstützung der Bevölkerung hatten und andererseits viele Gesetze, die nur widerwillig vom Volk getragen wurden, obwohl sie notwendig waren.

Räuber-Beute Konflikte sind keine Ausnahmesituation, sondern Teil des Alltags. Sie sind deshalb auch nicht wegzukriegen.Versucht man eine Systematik zu bekommen, dann beinhalten sie sowohl Besitz- wie auch Machtkonflikte. Das Besondere an ihnen ist, dass sie nicht abstellbar sind, was bei den beiden anderen Formen doch eher möglich erscheint.

Wichtig auch hier wieder die Frage, wie man sie gestalten kann, damit sie nicht mehr als notwendig zerstören. Am einfachsten kann man den Konflikt entschärfen, wenn man die Anzahl der Jäger beschränken kann. Auch wenn die Beute Gegenmittel entwicklen kann, bleibt der Konflikt in der Balance. Bei den Pflanzen sind dies häufig Gift und Stacheln. Uns Menschen helfen Intelligenz und Kommunikation, damit wir nicht zuvielen Räubern auf den Leim gehen.

Liste klassischer Konflikte

Ökologie oder Ökonomie

Extrem formuliert: Vernichten wir die Umwelt oder verhungern wir? Ich halte dies für einen Scheinkonflikt. Wir können gut leben und wir können auch die Umwelt schonen, wir dürfen nur nicht weiter wachsen. Geburtenkontrolle ist also die Antwort. China hat es uns vorgemacht.

Alt oder Jung

Auch dies ist ein Scheinkonflikt. Wir können mit wenigen Änderungen alt werden und müssen dabei trotzdem die Jungen nicht als Arbeitssklaven ausbeuten.

Männer gegen Frauen

Ein klassischer Machtkonflikt, der durch die Emanzipationsbewegung zusätzlich Nahrung bekommen hat. Ich denke, die weibliche Sicht der Dinge wird langfristig gewinnen.

Islam oder Christentum

Typischer Machtkonflikt zweier unvereinbarer Ideologien. Einzige brauchbare Lösung scheint mir die langfristige Trennung beider Denksphären zu sein und nicht Multikulti oder der Dialog.

Juden und Palästinser

Ein permanter Konfliktherd, ursprünglich sicher ein Konflikt um Land. Inzwischen aber ein Brandherd, der im Wesentlichen durch die permanente Einmischung der großen Interessenssphären genährt wird. Würde dies unterbleiben, würde dort pragmatisch schnell Ruhe herrschen.

Kommunismus oder Kapitalismus

Die Frage ist im wesentlichen zugunsten des Kapitalismus entschieden. Das hehre Gebäude des Kommunismus hat sich als zu unmenschlich erwiesen. Interessant ist, dass man bei der Finanzkrise 2008/9 diese Frage wieder hochbringt. Aber nicht um den Kommunismus wieder einzuführen, sondern man rettet die Kathedralen des Kapitalimus, die Banken!

Nord gegen Süd

Der Norden wird immer dominieren, Klima und schlicht Landmasse sprechen eine eindeutige Sprache. Aber er könnte sich auch fairer gegen noch nicht so weit entwickelte Länder verhalten. Wir müssten nur mit der materiellen Entwicklungshilfe aufhören und dafür andere Hilfe leisten, z.B. Wissen transportieren.

Demokratien, Feudalismus oder Diktaturen

Selbstverständlich bevorzuge ich die Demokratie, aber sie ist nicht in jedem Fall eine Garantie für erfolgreiche Gesellschaftssysteme. Wir werden weiterhin mit allen Varianten der Herrschaftsformen leben müssen.

Ost - West Konflikt  (Der Kalte Krieg)

Der am längsten anhaltende große Konflikt entlang des Eisernen Vorhanges im 20. Jahrhundert. Er ist erstaunlich unspektakulär zu Ende gegangen. Als Relikt hat leider die Grenze Nord-Südkorea überlebt.

Separatismus in Europa

Ich fürchte, er wird weiter zunehmen. Je stärker Europa wird, desto schwächer können die Länder werden. Neben den bisherigen Ländern Großbritannien (mit Nordirland) und Spanien (mit Baskenland) werden neue Länder dazu kommen, wie Italien und Belgien. Wie man dies friedlich abwickelt, haben Tschechen und Slowaken schon demonstriert.


Neue Konfliktlinien

Ächtung von Selbstmordattentaten

Unser menschliches Zusammenleben in der zivilisierten Welt beruht darauf, dass wir uns nicht leichtfertig umbringen, sondern leben wollen. Wer dies dennoch tut, verliert Menschenrechte. Nun ist es in manchen Kulturen modern geworden, unterstützt durch die religiöse Vorstellung eines Paradises im Jenseits, Selbstmordattentate als Terror- und Kampfmittel einzusetzen. Rein rechnerisch scheint dies kurzfristig effizient zu sein, aber die negativen Auswirkungen auf die Verantwortlichen und die Gemeinschaften sind katastrophal.

Selbstmordattentate stellen ihre Hintermänner außerhalb die Menschengemeinschaft und machen sie somit vogelfrei. "Wenn sie unbedingt sterben wollen, dann bringen wir sie doch besser gleich vorher um, bevor sie Schaden anrichten" wird salonfähig. Wer einen sicheren Weg für neue Genozide legen will, der geht dieses Weg, vernünftige politische und religiöse Führer werden ihn unterbinden.

Wissensgesellschaften gegen Zensurgesellschaften

Das schnelle Etablieren des Internets macht diesen Konflikt immer deutlicher. Wer die Freiheit des Zugangs zu Wissen unnötig unterbindet, begibt sich auf ein Pulverfass. Er wird zwar kurzfristig etwas mehr Sicherheit haben, langfristig aber so viele andere Nachteile bekommen, dass man sich diesen Schritt extrem gut überlegen muss.

Das Internet hat nämlich nicht nur den Zugang zu Wissen vereinfacht, sondern auch durch die Massenkommunikation die Entscheidungsfähigkeit erleichtert, es erlaubt spontane Verabredungen und hat damit die Schnelligkeit von Entscheidungen enorm gesteigert. Es stärkt die Wandlungsfähigkeit und damit die Überlegenheit von Wissensgesellschaften und bedroht massiv die Zensurgesellschaften.

Zusammenfassung

Sinn des Nachdenkens über Konflikte ist für mich primär die Reduzierung ihrer Auswirkungen. Zu anderen Zeiten haben sie auch fasziniert, aber man wollte vor allem lernen, wie man besser und schneller siegt, besser ausbeutet, besser unterdrückt.

Es scheint also doch auch in der Ethik eine Evolution zu geben, einen Fortschritt auf dem Weg zum Frieden. Für mich eine der vielen positiven Folgen der Globalisierung und des Kalten Krieges. Solange ich lebe, hat die Menschheit auf dem Gebiet der Konfliktbewältigung tatsächlich dazugelernt. Vielleicht nicht genug, aber das können dann die Nachkommen besser beurteilen und auch besser machen.

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© 2009 Otto Buchegger Tübingen