| Gelegentlich komme ich in
Verlegenheit, wenn ich meinen Berufsstatus erklären soll und ich weiche dann gerne auf
die Formulierung "Internetpublizist" aus oder wie man das heute modern und
suchmaschinenoptimiert schreibt "Internet-Publizist". Klingt gut, denke ich und
beschreibt auch meine unzähligen Hobbyaktivitäten ganz
gut. Aber was ist das eigentlich: ein Internet Publizist? .
Das Internet selbst weiß Anfangs 2007 keine gute Antwort darauf . Google denkt, man hätte sich vertippt und schlägt daher "Internetpolizist" vor, unter den weniger als 100 Treffern taucht neben mir vor allem "Tim Cole" auf. Er ist nach diversen Quellen Deutschlands erfahrenster Internet-Publizist, aber ich habe seine Werke vergeblich im Internet gesucht. Er ist ein Publizist zum Thema Internet, aber - mit Verlaub lieber, viel berühmterer Kollege - kein Internetpublizist nach meiner Definition, denn seine Medien sind Reden, Magazine und Bücher und nicht Internetseiten.
Selbst die Publizistik Definition hat das Medium Internet noch nicht erkannt. Unter der Liste der Medien , die Publizisten für ihre aktuellen, persönlichen Kommentare verwenden, stehen Buch, Presse, Film, Hörfunk, und Fernsehen, aber bitte wo steht das Internet? Ist denn das Internet kein Medium?Dies scheint mir die entscheidende Frage zu sein, denn oft, wenn ich Entwicklungen im Internet beurteilen soll, stelle ich fest: Das Medium Internet ist nicht bekannt oder besser gesagt, wird nicht verstanden. Also nicht die Teilbezeichnung "Publizist" ist das unbekannte Wesen, sondern das "Internet". Wer nur im Internet publiziert, ist offenbar kein "Publizist", wer nur im Internet schreibt, ist offenbar kein "Autor" etc. Für viele ist heute das Internet immer noch nur eine andere Erscheinungsform z.B. der Printmedien, welch ein tragischer Irrtum, der schon Millionen an Fehlinvestitionen gekostet hat. Als Internetter der ersten Stunde habe ich früher viel zum Medium Internet geschrieben, irgendwann aber bin ich müde geworden, gegen Ignoranz und fehlende Einsicht anzukämpfen, habe es aufgegeben, aufklären zu wollen und habe lieber selbst die Vorzüge meines Wissens ausgekostet.
Ein Medium versteht man nämlich nicht abstrakt, sondern vor allem durch seinen Einsatz. Wer ein Medium verstehen will, muss nicht nur wissen, was man damit vermitteln kann sondern vor allem, was die "Empfänger" damit tun! Wir sind immer noch so darin verhaftet, was der "Sender" will und kann und achten viel zuwenig darauf, was die Angesprochenen tatsächlich damit anfangen. Irgendwann versteht man dann das Medium so gut, dass man damit Geld verdienen kann. Dies scheint mir der wahre Prüfstein zu sein, denn beim Geld ausgeben sind die Menschen kritisch und sie wollen einen Gegenwert bekommen. Ich bin zwar mit meinen Internet-Publikationen nicht reich geworden, aber das war ja auch nie meine Ziel. Aber ich behaupte in aller Bescheidenheit damit bekannt geworden zu sein und will daher in Zukunft den Titel "Internet-Publizist" etwas stolzer als bisher einsetzen.
Haben Sie hier nicht das gefunden, was Sie gesucht haben, dann versuchen Sie es bitte mit |
www.buchegger.de/internet-publizist.html