| Zu den wichtigsten Beschäftigungen im Leben eines
zufriedenen Menschen gehören ein oder mehrere Hobbys. Und obwohl dieses Hobby oder diese
Hobbys (ich verwende hier die deutsche Schreibweise und nicht 'Hobbies') so wichtig sind,
wird kaum ein Gedanke an sie verschwendet. Hobbys kommen offenbar einfach oder sie kommen
nicht. Oder sie werden dir von außen aufgedrückt, weil du das nachmachst, was dir die
anderen vormachen. Aber ich wäre ein schlechter Lebensmanager, wenn ich hier nicht einige Gedanken dazu aufschreiben würde. Denn die Hobbys gehören zu den wenigen, wichtigen Dingen in einem Leben, die man sich - zumindest in einem gewissen Umfang - aussuchen kann. Viele andere Bande, die unser Leben zusammenhalten und bestimmen, sind uns mehr oder weniger vorgegeben. Unsere Veranlagungen, unsere Familie, sie werden uns schon in die Wiege gelegt. Religionen oder Wertevorstellungen werden uns schon in unserer frühen Jugend vermittelt und sind kaum noch zu verändern. Und die Berufswahl ist oft durch die vorhandenen Notwendigkeiten eingeengt. Ja, es stimmt, Partner und Lebensort können wir uns auch meistens aussuchen. Aber wenn diese Bindungen wegfallen, entweder durch Scheidung, Tod oder Umzug, dann bleibt oft wirklich nur das Hobby, die Liebhaberei, das Steckenpferd übrig, das uns auch in Krisenzeiten Kontinuität und Freude bringt. Die Wahl und Pflege eines Hobbys ist deshalb enorm wichtig. Ich stelle dabei fest, dass es nicht wenige Menschen gibt, die überhaupt kein Hobby haben. Entweder, weil sie zu beschäftigt sind, keine Kreativität zulassen, sondern alles nur der Effizienz unterordnen oder einfach auch nur, weil sie zu faul sind. Andere verzetteln sich in zu vielen Hobbys und gewinnen dadurch auch keine Zufriedenheit. Denn schon mein Lehrmeister Gracian wusste, jede Arbeit, die zuviel wird, ist auf die Dauer unangenehm, auch wenn es lauter erfreuliche Tätigkeiten sind. Ich denke, so 2 oder 3 Hobbys reichen neben einem ausfüllenden Beruf vollkommen. In der klassischen Einteilung wird man sie zu den 'unnötigen Tätigkeiten' zählen. Ich erinnere, es gibt die notwendigen, die wichtigen und die unnötigen Tätigkeiten und Dinge. Aber meine Lebenserfahrung würde sie eher den wichtigen Tätigkeiten zuordnen. Ein gutes Hobby hast du, wenn dein Lebenspartner gelegentlich darauf eifersüchtig wird. Denn dies zeigt, dass du dafür Liebe, Zeit, Geduld und sicher auch einiges Geld aufwenden wirst. Es zeigt, dass du damit viel Befriedigung bekommst und dass du darin auch investierst und dich so weiter entwickelst. Die Betonung liegt hier auf 'gelegentlich'. Denn dann wirst du den finanziellen Rahmen, der 3-5% deiner Möglichkeiten nicht überschreiten soll, nicht sprengen. Wenn du mehr ausgibst, dann läufst du Gefahr, dass das Hobby zur Sucht wird. Es sind schon Ehen gescheitert und sogar Firmen zugrunde gegangen, weil das Hobby zur zentralen Sache wurde. Ich denke da immer an die Brüder Schlumberger, deren Hobby das Sammeln von Nobelautos war und die ihre ganzes Imperium damit zugrunde richteten.
Wem das Hobby zur Sucht wurde oder wer nur das macht, was alle anderen machen, wird selten daraus die Freude gewinnen, die er gerne haben möchte. Der Frust wird überwiegen und das Hobby wird mehr zur Belastung als zur befriedigenden Ergänzung des Lebens. Ich denke dabei weniger an die Anfangsphasen, wenn man z.B. eine neue Sportart lernt. Da wird man schon durch einige Tiefs durch müssen. Aber wenn dann auch nach langer Lernzeit keine rechte Freude aufkommt, dann lass die Finger davon! Gerade bei sportlichen Hobbys sollte man auch das Risiko bedenken. Viele riskieren dabei viel mehr, als sie es je in einem Beruf tun würden. Auch hier sollte man bedenken, dass die Schäden gewaltig sein können und dein Leben ruinieren können. Besuche vorher erst einmal eine Reha-Klinik, bevor du diese Hobbys weiter ausbaust! Schön sind Hobbys, die du parallel zum Beruf ausüben kannst und die sogar vom Beruf gefördert werden oder die deinen Beruf unterstützen. Wenn du etwa in deiner Firma viel Post bekommst und du dann die Briefmarken sammelst. Oder wenn du viel auf Reisen sein musst und du dann gerne fotografierst oder Bierdeckel sammelst. Sie werden dir den Beruf angenehmer machen und du wirst ihm auch bei Misserfolgen immer eine gute Seite abgewinnen können. Ein wesentlicher Aspekt eines befriedigenden Hobbys ist, dass du es auch alleine ausüben kannst. Was nützt es dir, wenn du alle Kraft in einen Verein steckst, aber ohne diesen Verein überhaupt nichts machen kannst. Sicher wird es immer mehr Spaß machen, in einer gleichgesinnten Gruppe Freude zu erleben. Aber oft wirst du allein sein müssen und dann hilft dir dein Hobby wirklich weiter. Warnen möchte ich vor Ehrenämtern als Hobby. Besser als ich es je könnte hat ein Dichter (Wilhelm Busch??) die lauernden Gefahren dazu zusammen gefasst. Das Ehrenamt Willst du froh und glücklich leben, Wie viel Mühe, Sorgen, Plagen - So ein Amt bringt niemals Ehre, Ehrenämter sind ein Dienst an die Gemeinschaft und jeder wird gelegentlich eins ausüben müssen. Aber wer darin zuviel hineinsteckt, der wird mit großer Wahrscheinlichkeit enttäuscht werden. Ein andere Falle bei deinem Steckenpferd ist der Gelderwerb. Gut sind jene Hobbys, von denen du im wesentlichen bald Freude für deine geringen Investitionen zurück bekommst, aber nicht die Hoffnung auf Geld haben musst. Denn dann wird das Hobby schnell zum mühsamen Beruf. Selbstverständlich gibt es Liebhabereien, die dich sogar reich machen können, aber lass diesen Gedanken daran nie im Vordergrund sein. Hobbys sind im wesentlichen Nahrung für deine Seele, gut gewählte werden auch noch deinen Körper mit Gesundheit erfreuen, dein Geist wird ebenfalls davon profitieren können, aber selten auch dein Geldbeutel. Noch zwei weitere Aspekte sind wichtig. Erstens die Verbreitung in der Welt und zweitens die Dauer in deinen Lebensabschnitten. Es ist sehr positiv, wenn du dein Hobby an vielen Orten dieser Welt ausüben kannst und es ist besonders gut, wenn du es nicht nur in deinem heutigen Lebensabschnitt, sondern vor allem auch im Alter ausüben kannst, denn dann wirst du dafür hoffentlich besonders viel Zeit haben. Jedes gelungene Hobby wird dir helfen, aus deiner Isolation gelegentlich auszubrechen, auch wenn du es normalerweise alleine ausübst. Ausstellungen, Erfahrungsaustausch, Sammlertage, Wettstreit und Wettkämpfe sind auch für Amateure notwendig, um sich weiterzuentwickeln. Und auch Anerkennung, die man mit dem Hobby erwirbt, wird dein Leben bereichern. Manchmal wird man auch die dazugehörigen Berufe aufsuchen, um sich in seinem Hobby weiter zu entwickeln. Denn wenn auch bei einem Hobby der Spaß im Vordergrund steht, so kommt doch meist mit mehr Können auch mehr Spaß. Für manche ist auch noch des Image des Hobbys wichtig. Aber dann begibt man sich schon auf gefährliches Terrain. Denn dein Hobby sollst du ja für dich und nicht für die anderen ausüben! Mir persönlich ist aber wichtig, dass ich meine Hobbys manchmal zum Nutzen anderer einsetzen kann. Es gibt mir einfach Befriedigung, wenn ich damit auch anderen Freude bereiten kann. Gelegentlich wird sich das Hobby mit Berufung verbinden. So bekomme ich z.B. immer wieder Post von Menschen, die mir ganz begeistert von ihren Esperanto - Tätigkeiten berichten und meine Aussagen dazu ablehnen. Sie können gar nicht verstehen, dass jemand nicht von Esperanto begeistert ist. Es gibt viele andere Bereiche, wo die eigene Freude mit missionarischem Eifer auch jenen übergestülpt wird, die sie gar nicht wollen. Aber ich kann es gut verstehen, es geht mir gelegentlich selbst so und nicht nur Jean Pütz mit seiner Hobbythek. Ich habe in der Praxilogie an verschiedenen Stellen auf Hobbys und Fähigkeiten hingewiesen, die mir als besonders nützlich erscheinen. Vielleicht findet der Eine, die Andere, einige Anregungen an den folgenden Beispielen. Aber wahrscheinlich ist diese Liste immer zu kurz, denn die Menschen sind doch sehr verschieden! Kochen, Massage, Schauspielen, Musizieren, Wandern, Schwimmen, Singen, Federball, Radfahren, Golf, Meditieren, im Internet veröffentlichen, Digitalfotografie, Astronomie, Gartenarbeiten, Holzarbeiten, Modellbau, Bierdeckelsammlen, Briefmarkensammeln, Esperanto, ausgestorbene Sprachen, Schreiben, Dichten, Lesen. Viel Spaß damit! |