| Je mehr und je präzisere Wörter es für einen Begriff gibt, um so mehr
Bedeutung hat er in einer Kultur. Daraus schließe ich, dass "GLÜCK" für die
Deutschen eher unwichtig ist. Wie unterscheiden nicht, wie im englischen Sprachraum,
zwischen "Glück haben" (lucky)" und "Glücklich sein" (happy),
oder temporärem Glückempfinden (pleasure) oder dauerhaftem Glück (happiness). Über viele Jahre hat mich ein Poster mit folgendem Inhalt an eine Definition von Glück erinnert.
Ich habe es bei einem Besuch im Musee Platin Moretus in Antwerpen gekauft und mich mit ihm daran erinnert, dass ich eigentlich zufrieden sein kann. Jetzt, wo ich alt werde, ist mein Bedürfnis, mich an mein Glück zu erinnern, viel ausgeprägter geworden. Es geht mir einerseits darum, meine Dankbarkeit zu begründen, bevor ich sie vergesse, aber auch meinen stets unzufriedenen Landsleuten doch eine kleine Erinnerungshilfe zu bieten. Als Jahrgang 1944 habe ich jetzt über 60 Jahre (oder zwei Generationen) Frieden erleben dürfen. Im Schutze der Atombombe hatten wir zwar einen kalten Krieg, aber mich hat er persönlich wenig getroffen. Ich bin rückblickend sehr zufrieden mit meinem Geburtsjahrgang. Diese schöne lange Zeit des Aufbaus, kaum Belastung mehr durch die Naziherrschaft. Wäre ich eine Generation früher geboren worden, ich wäre mir nicht sicher gewesen, ob nicht auch ich auf die Verlockungen der Nazis, mit all den schrecklichen Konsequenzen, reingefallen wäre. Auch der Ort meiner Kindheit und Jugend war nicht schlecht. Das Aufwachsen im amerikanischen Teil von Linz an der Donau (in Oberösterreich) erschien mir immer wie ein Segen. Wenn ich bedenke, dass keine 10 km weiter (in Urfahr) das russische Besatzungsregime herrschte und weitere 30 km danach in der Tschechoslowakei man schon hinter dem Eisernen Vorhang war. Wenige Kilometer Unterschied hätten mir 40 Jahre kommunistischer Diktatur beschert! Linz hatte noch einen weiteren Vorteil. Die bäurisch-industrielle Denkweise der Bevölkerung hat mich bis heute geprägt. Ich habe gelernt, dass man mit Fleiß viel erreichen kann und ich habe viel von den sozialen Segnungen der Stadt profitiert. Beste Bibliotheken, preiswerte Schulen, gute medizinische Versorgung haben das Leben für mich attraktiv gemacht. Und die Krönung war dann auch noch ein Stipendium der Stadt, das mir den Weg zum Studium nach Wien geebnet hat. Auch mit meinen Eltern hatte ich Glück. Sie haben mir zwar kein Vermögen mit in die Wiege gelegt, aber dafür gute Gene, die mich älter und wohlhabender werden haben lassen, als es je ein männlicher Vorfahre war. Vor allem meine Mutter war sehr wichtig für mich. Zum Glück hatte ich für ihre letzten Lebensjahre, wo sie dann Hilfe brauchte, viel Zeit für sie. Wien war rückblickend eine gute Wahl für einen Studienort. Während des Studiums selbst war ich zwar oft unglücklich mit Wien, aber es war ein gutes Training, um in einer "Großstadt" zu überleben. Ich habe wirklich viel dabei gelernt, was nützlich für mein späteres Leben war und ich hatte Dank glücklicher Umstände sehr preiswerten Zugang zu Hochkultur in jeder Form. Die beste Entscheidung war das Studium der "Informationstechnik", wie man diesen Studiengang heute nennt, seinerzeit gab es ihn noch nicht. Mit der Datenverarbeitung hatte ich wirklich das große Los gezogen. Viele Jahre blühendes Wachstum, gutes, sicheres Einkommen, nette Kollegen, kompetente Chefs, schöne Reisen und längere Auslandsaufenthalte und jetzt im Alter sogar noch eine Betriebsrente, mehr kann man von einem Fachgebiet nicht erwarten. Zum Glück hatte ich mich für die beste Firma auf diesem Gebiet entschieden, nämlich die IBM. Und es gibt sie bis heute, viele andere, die auch Kandidaten für mich waren, sind inzwischen verschwunden. An dieser Stelle sollte ich vielleicht doch das "Glück" nicht zu sehr strapazieren, sondern eher das nüchterne Kalkül anführen. Haben erfolgreiche Menschen immer nur Glück, oder stammen ihre Entscheidungen nicht vielmehr aus der Überlegung, was am besten für sie ist? Ich denke, ich hatte ein ganz gutes Händchen für den richtigen Mix. Vieles kann man tatsächlich nicht vorhersehen und man ist auf Glück angewiesen, aber andererseits hat man in unserer freien Gesellschaft doch große Auswahl und viel mehr Chancen, als man oft denkt. Ich bin immer noch froh, dass ich mich entscheiden habe, Österreich zu verlassen und mich in Deutschland niederzulassen. Sicherlich habe ich dabei auch einiges verloren, zum Beispiel Geborgenheit, Kultur und Naturschönheiten, aber auch viel an Sicherheit und Freiheit gewonnen. Eine große Quelle des Glücks waren und sind meine drei Kinder. Inzwischen sind sie ja groß genug, dass ich beruhigt sein kann, dass aus ihnen auch "was geworden ist". Was gibt es schöneres für Eltern, als dies erleben zu dürfen. Ich war schon vierzig Jahre alt, als mein letztes Kind, ein Sohn, geboren wurde. Der Arzt hat mir einen der schönsten Augenblicke meines Lebens bereitet, als er gesagt hat (es war in einem Krankenhaus in den USA): "it's a boy and he is fine". Im Gegensatz zu meinen Frauen, mit denen die glücklichen Zeiten eher kurz und nicht dauerhaft waren, war die Freude mit den Kindern eine kontinuierliche und sie hat auch nicht geendet, wenn das Verhältnis zu den Partnerinnen getrübt war. Ein großes Glück ist eine schöne Wohnung, mit netten Nachbarn. Erstere kann man sich ja aussuchen und selbst gestalten, leider hat man die Wahl der Nachbarn nicht immer im Griff. Nach unzähligen Umzügen und allen Varianten des Wohnens, vom eiskalten Kellerzimmer bis zum luxuriösen Penthouse, kann ich nur sagen, die Mitbewohner, die Nachbarn und die Umgebung sind wichtiger als die Wohnung selbst. Stimmen auch noch die Angebote des Wohnortes, mit genügend Kultur, Kontakten, guter Infrastruktur, Arbeitsmöglichkeiten, dann kann man wirklich zufrieden sein. Wenn ich auch gerne kritische Seitenhiebe auf mein von mir bewusst gewähltes Altersdomizil Tübingen mache und immer wieder aus der Enge dieser Stadt fliehen muss, so betrachte ich es in der Summe doch als großes Glück, dass ich diesen Ort gefunden habe und ich mich in ihm niederlassen und sogar heimisch werden konnte. Einen besonderen Platz im Leben nehmen Freunde ein, besonders jene, die einen über lange Zeit begleitet haben. Es gehört schon Glück dazu, die richtigen zu finden. Auch gute Arbeitskollegen würde ich zu diesem Kreis dazu zählen. Sie alle machen das Leben erfreulich und helfen einem bei den unzähligen kleinen und großen Problemen, die es im Laufe eines Lebens zu meistern gibt. Damit wäre ich schon am Ende meiner Liste, was mir Glück bedeutet. Also eine liebe Familie, Gesundheit, ein Beruf, der einen gut ernährt und Freude macht, eine praktische Wohnung, mit netten Mitbewohnern und Nachbarn, eine lebenswerte Stadt, Leben in einem freien, sicheren und friedlichen Land und loyale Freunde. Und was ist mit dem Lottogewinn, dem Porsche vor der Villa, der Yacht, zügellosem Sex, den Essen in Luxusrestaurants, immer mehr Macht, den Urlauben in exotischen Ländern, dem Ruhm der Unsterblichkeit? Ich weiß nicht so recht, was ich darauf antworten soll. Sicherlich gehört Glück dazu, sie zu bekommen oder zu erreichen, aber machen sie auch wirklich glücklich? Ich hatte die Chance, in alle der angesprochenen Bereiche reinzuschnuppern und wurde nicht davon überzeugt, dass sie unbedingt zum Glück notwendig sind. Vielleicht in kleinen, verdaubaren Portionen und in überschaubaren Zeiträumen. Aber ein Zuviel des Guten kann leicht zum Problem werden. Das richtige Maß zu finden, ist wahrscheinlich das größte Glück mit dem Glück! |
| Es lohnt sich in einer ruhigen Stunde, z.B. an einem Jahresende, darüber
nachzudenken, was Glück bedeutet hat und wo und wie man Freude hatte. Dazu dient bei mir
das Joy-Book, das man in großen Teilen auch im Netz findet. Ähnliches kann man auch im Ruhestand, nach oder am Ende eines langen Berufsabschnittes, machen. Gerade im Alter neigen Menschen zu Depressionen, da ist es doch ganz nützlich, sich an die freudigen Momente im Leben zu erinnern. Analog zu den Kleinen Freuden füge ich hier meine glücklichen Momente an, an die ich mich noch nach langer Zeit erinnern kann. Sie sind vielleicht nicht für jeden nachvollziehbar, aber jeder kann ja selbst sich auf die Suche nach seinen eigenen Glücksmomenten machen. Chronologie meiner persönlichen GlücksmomenteMeine angebetete Schulkameradin auf dem Foto der Erstkommunion sehen Die Geburt meines kleinen Bruders Im Schulbus neben meiner (anderen) Angebeten sitzen und sie riechen können Endlich ein eigenes Fahrrad haben Rock 'n' Roll hören und tanzen Mit meinem Freund eine Gitarre aussuchen und kaufen Eine Ferienarbeit in der Schweiz Nach langem Bangen ein besserer Befund bei meinem kranken Schatz Endlich das Maturazeugnis (Abiturszeugnis) in der Tasche haben Das Stipendium der Stadt Linz für ein Studium in Wien In Wien ein Zimmer bei einem netten Schweizer gefunden zu haben Wenn meine erste Tochter gesund, zufrieden und satt war Mit meinem Schwiegervater bei einer Flasche Wein das Kommersbuch durchsingen In die beste Laborgruppe aufgenommen zu werden Lange ausschlafen können Die ersten Schritte meiner zweiten Tochter Nach dem Diplom ein Festessen mit Kartoffelreibekuchen satt, mit den Kumpeln, mit denen ich lernen durfte Einen guten Doktorvater zu finden Aus dem Militärdienst vorzeitig entlassen zu werden und statt dessen eine lange Skandinavien Reise zu machen Siege in der Segelregatta Den Anstellungsvertrag bei der IBM Deutschland zu bekommen Eine kleine Mietwohnung in der Nähe meiner Arbeitsstätte bei einem taubstummen Ehepaar, mit der Möglichkeit, ohne Auto zur Arbeit zu kommen und beliebig laut Musik machen zu können Einen scharf denkenden, aber netten und unterhaltsamen Chef Filbinger's Rücktritt Viele Abteilungspartys ("Am Freitag um vier gibt's ein Bier bei mir") Die unzähligen Spiele, wer den Kaffee bezahlen muss Mehrere Qualitätsauszeichnungen Eine längere Abordnung in die USA Der lange Aufenthalt einer Tochter in den USA bei mir Wenn sie mich vom Flughafen abgeholt hat Die Geburt meines Sohnes Das Hummeressen an Festtagen Wenn ein Konzert gut angekommen ist Die Rückkehr nach Deutschland Ein attraktiver Managementjob Das Hinschmeißen dieses Jobs, nachdem ich gemerkt hatte, in welche Schlangengrube ich da gefallen war Mein erster richtiger PC, ein ATARI 1040 ST Wie mein kleiner Sohn und ich zum ersten Mal ein schier unerreichbares Ziel bei einem Spiel erreicht haben ("Den Dirk besiegt") Ein menschlicher Chef, der mich bis zum Vorruhestand begleitet hat Der Kauf eine kleinen Eigentumswohnung in Tübingen, in der ich immer noch lebe Das Ende der Ära Kohl Der Kauf eines seniorenfreundlichen Autos Das Ende von Rot-Grün Der Abschluss meines Projektes Inselliste, an dem ich viele Jahre und unzählige Stunden gearbeitet habe und ein Vermögen investiert habe Die ersten Arbeiten am Globismus, als mir klar wurde, dass er ein erreichbares Ziel darstellt Der Auszug meiner Frau aus der gemeinsamen Wohnung Die Rückkehr meines Sohnes in diese Wohnung Bei meiner Tochter in Wien bei meinen Besuchen wohnen und mit ihr Musik hören oder Fernsehsendungen anschauen Meine Enkeltochter im Kindergarten abholen Wenn ein lange belichtetes Foto scharf bleibt Das gemeinsame Essen nach Eduards Sonntagswanderungen und ein Mittagsschlaf Ein Schnäppchen bei den Billigfliegern machen Der Tag, an dem in BW der Nichtraucherschutz in Kraft war und ich endlich wieder ausgehen kann Wenn ich selbst meine Liste analysiere, dann fällt mir auf, dass es wenige Ereignisse gibt, die ich später zu bereuen hatte. Ich gehöre also nicht zu den Typen, die ihr "Glück" später verfluchen mussten. Auch bei den Ereignissen, wo ich froh war, dass sie zu Ende waren, gab es viel Positives. Bei den Jobs habe ich viel gelernt, bei den Partnerschaften viele schöne Momente gehabt. Dauerhaftes Glück ist eben unwahrscheinlich und vielleicht auch gar nicht notwendig, um zufrieden zu sein. Es ist auch die Abwechslung schön. Wenn ich in den Urlaub fahre, freue ich mich, wenn ich wieder nach Hause komme, freue ich mich auch. Krisen sind Chancen, das hat oft, wenn auch nicht immer, gestimmt. Was im Alter erschwerend dazu kommt, das ist doch der Rückschritt insgesamt. Vieles verändert sich eben nicht mehr zum Besseren, sondern doch eher zum Schlechteren und bleibt dann auch so. Aber wenn die Lebensbilanz positiv bleibt, dann kann man damit ganz gut leben, finde ich. Und sich an sein Glück zu erinnern, hilft sicherlich dabei. Das Glück auf dieser WeltEine liebe Familie Gesundheit Ein Beruf, der Freude macht und einen gut ernährt Keine großen Geldsorgen Bildungsmöglichkeiten Eine praktische Wohnung Nette Mitbewohner und Nachbarn Ein lebenswerter Wohnort Leben in einem freien, sicheren und friedlichen Land Mobilität Ein harmonischer Urlaub Loyale Freunde Das richtige Maß zwischen Ansprüchen und Zufriedenheit Abwechslung Ein befriedigendes Hobby . |