Kleine Freuden

133 Kleine Freuden, 10€, 120 Seiten, ISBN  383706980X

133 Kleine Freuden von Otto Buchegger

In jeder Buchhandlung oder bei AMAZON bestellbar.
Ein Book on Demand von Otto Buchegger
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Vorwort

Wir sind ständig auf der Suche nach dem großen Glück und so vielen großen Freuden, dass wir die kleinen Freuden leicht vergessen. Dabei könnten wir viel Kraft aus diesen kleinen Freuden schöpfen. Wir müssen nur gelegentlich an sie erinnert werden. Das hat mich bewogen mein persönliches Joy-Book zu veröffentlichen.

Ich habe vor allem jene Freuden aufgenommen, die nichts oder nur wenig kosten, oder die schon Vorhandenes anders und neu nutzen.

Das Wichtigste, was man in die meisten kleinen Freuden investieren muss, ist etwas Zeit. Insofern trägt mein Joy-Book auch dazu bei, den Zeitstress etwas aus unserem Leben zu nehmen.

Ich bedanke mich bei allen, die zu diesem Buch beigetragen haben, vor allem bei allen Kindern. Sie zu beobachten war sicherlich die ergiebigste Quelle für viele kleine Freuden.

Inhalt

  1. Lächeln
  2. Seufzen
  3. Riechen
  4. Handschmeichler
  5. Bei der Arbeit zusehen
  6. Große Fahrzeuge in Bewegung
  7. Geschenke für die Gesellschaft
  8. Lenkdrachen
  9. Mittagsschlaf
  10. Kleine Wetten
  11. Altglas in den Glascontainer schmeißen
  12. Sammlung von Passfotos
  13. Ins Feuer, ins fließende Wasser schauen
  14. Dehnen, Strecken, Drücken
  15. Etwas aus der Höhe betrachten
  16. Wäsche vor dem Anziehen wärmen
  17. Menschen mit ihrem Namen ansprechen
  18. Im Auto schreien oder singen
  19. Lieblingsmusik
  20. Sonnenuntergänge
  21. Massage
  22. Tagebuch
  23. Aufräumen
  24. Heiße, feuchte Tücher
  25. Orakel ( I-Ging )
  26. Kaputtes zerlegen
  27. Singen, wenn es hallt
  28. Einmal nicht das Regelmäßige tun
  29. Balancieren, Mäuerle laufen, fallen lassen
  30. Schlange laufen
  31. Steine am Wasser
  32. Nachthimmel, Nachtspaziergänge
  33. Die Wünsche der Kindheit erfüllen
  34. Wissen weitergeben
  35. Orte mit Musik oder Ruhe
  36. Gutes Werkzeug
  37. Gartenarbeit
  38. Geliebtes Renovieren
  39. Familienforschung
  40. Einfache Musikinstrumente
  41. La Ola - Die Welle
  42. Sauna
  43. Fotos vom gleichen Standort
  44. Ball spielen
  45. Orte mit vielen Menschen
  46. Spazieren und Wandern
  47. Caféhäuser
  48. Figurendeuten
  49. Energiesparen
  50. Babys, Kinder
  51. Hinweise für Tübingen
  52. Nachwort

1. Lächeln

Zu den schönsten kleinen Freuden gehört sicher ein Lächeln, das dir jemand schenkt. Vor allem, wenn alles grau und traurig, die Stimmung schlecht und die ganze Welt gemein ist, kann ein Lächeln Wunder wirken.

Lächeln macht alle Menschen schöner und attraktiver. Es kostet sowenig Aufwand und hilft soviel. Wenn du jeden Tag auch nur einen Menschen anlächelst, wird dein Bekanntenkreis groß werden und bleiben.


2. Seufzen

Aus dem Seufzen kann man viel Freude schöpfen. Einfach einen Augenblick ruhig bleiben, tief einatmen und mit einem hörbaren Ton langsam ausatmen. Seufzen kann man in fast jeder Lage, im Liegen, im Sitzen, aber ich finde es am schönsten im Stehen.

Oft genügt schon ein Seufzer, um sich besser zu fühlen, aber man kann natürlich das Seufzen wiederholen. Wenn der Ton sehr stört, dann kann man ihn auch weglassen. Aber viel besser ist natürlich der Seufzer mit Ton.

Seufzen lässt sich auch zu zweit und in der Gruppe. Dann wird man mit dem Seufzton sogar ein kleines Konzert machen können.

Ich kann die Wirkung des Seufzens verstärken, wenn ich etwas Schönes sehe, zum Beispiel einen Sonnenuntergang oder eine schöne Landschaft.

Wenn man durch zu viel tiefes Atmen schwindlig wird, hört man einfach auf. Oder man hält die Hände vor Mund und Nase und atmet kurz die eigene ausgeatmete Luft wieder ein. Auch dann vergeht der Schwindel schnell.


3. Riechen

Etwas Gutes zu riechen, hat mir schon viel Freude bereitet. Und es gibt oft und überall gute Gerüche. Man muss sie einfach bewusst wahrnehmen. Jeder, der schon einmal einen Hund gehabt hat, weiß, dass es eine große Duftwelt gibt, die wir viel zuwenig wahrnehmen.

Die einfachste Übung ist, etwas zu verweilen, wenn man etwas Gutes riecht und bewusst den Geruch zu riechen. Zum Beispiel, wenn jemand vorbeigeht, dessen Geruch man mag.

Die nächste Stufe ist, jene Plätze zu suchen, deren Geruch man schätzt oder deren Geruch Erinnerungen hervorruft. In meiner Heimatstadt gibt es einen Weinladen, der offene Weine, Öle, Schnäpse und Essig verkauft. Dies ist ein Paradies für meine Nase. Ich gehe da oft nur hinein, um zu riechen.

Interessant riechen auch Antiquariate. Etwas modrig und verstaubt. Oder Blumenläden. Manche mögen auch den Geruch von Gebäuden, etwa Schulen. Oder den typischen Geruch katholischer Kirchen mit den Resten von Weihrauch in der Luft.

Viele Lebensmittelgeschäfte blasen ganz bewusst ihre Düfte nach außen, um damit Kunden anzulocken. Bäckereien ihren Geruch von frischem Brot und Brötchen, Metzgereien den Geruch von Leberkäse, Pizzabäcker den Geruch von frischer Pizza. Da stehen zu bleiben und zumindest kurz zu riechen, das sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Verliebte sollten unbedingt die Parfummarke ihres Partners kennen. In jeder Kosmetikabteilung eines Kaufhauses kann man dann das Parfum proberiechen, zum Beispiel, wenn man unterwegs auf Reisen ist.

Je nach Erinnerung wird jeder Mensch etwas andere Gerüche schätzen. Und manche Gerüche hassen, die andere erfreuen. Ich denke da nur an die Knoblauchausdünstungen. Aber fast alle Menschen mögen den Geruch gepflegter Kleinkinder. An deren Haaren und Haut zu riechen, ist für mich ein unendliches Vergnügen.

Eine Extremform des Riechens ist das Riechen an ätherischen Ölen. Diese können ganz verschiedene Wirkungen haben. Manche öffnen die Atmungswege, andere beschwingen. Aber wie immer bei Extremen ist hier etwas Vorsicht angebracht.

Nicht alles was gut riecht, ist auch gesund. So konnte ich mich als Kind gar nicht an Autoabgasen (die damals noch rar waren) sattriechen. Und zu viele Duft- und Riechstoffe in der Luft können Allergien bewirken. Aber etwas mehr und bewusster zu riechen, wird dein Leben erfreulicher machen.


4. Handschmeichler

Handschmeichler sind Dinge, die man gerne in die Hand nimmt, um damit die Handflächen zu streicheln. Da an den Hand- aber auch Fußflächen viele Nerven enden, sind diese sehr sensibel. Sie zu schmeicheln, tut dir gut.

Manche Menschen haben Steine als Handschmeichler. Sie befühlen und drehen die Steine in der Hand und fühlen sich wohl dabei. Ich bevorzuge auf Wanderungen einen sogenannten griechischen Rosenkranz mit Kugeln aus Olivenholz an einem Lederband. Er ist leicht und das Holz fühlt sich wunderbar an.

Aber es geht auch ganz ohne Hilfsmittel. Nimm einfach deine beiden Hände und reibe sie sanft aneinander. Nicht nur die Innenflächen, auch die Außenflächen ein bisschen streicheln. Es tut dir gut.

Oder nimm die Hände deines Partners, deiner Partnerin und streichle sie. Oder halte sie einfach sanft aber sicher. Nicht zu fest, aber auch nicht zu lasch.

Fast alles was man den Händen Gutes tun kann, kann man auch den Fußsohlen antun. Hier gibt es ebenfalls Fußschmeichler in Form von Holzrollen. Es ist auch wohltuend, die Füße kurz zu streicheln. und du kannst viel für das Gefühl in den Fußsohlen tun, indem du bei allen passenden Gelegenheiten barbuß gehst.


5. Bei der Arbeit zusehen

Ich empfinde großes Vergnügen, wenn ich Menschen bei ihrer Arbeit zusehen kann. Das Vergnügen rührt wohl daher, dass ich fast immer viel dabei lerne. Ich fühle mit, bemühe mich, die Arbeit und deren Sinn zu verstehen. Natürlich denke ich dabei auch an Verbesserungen zur Effektivität, aber diese Gedanken behalte ich meist für mich.

Besonders schön ist es, Künstlern bei der Arbeit zuzusehen. Wie mit scheinbar ganz wenig Aufwand ein Kunstwerk entsteht, wie man zumindest zum Teil dem Gedankenweg des Künstlers folgen kann, das ist wirklich faszinierend. Hat man das Glück, dass der Künstler auch noch seine Arbeit erklärt, dann ist die Freude vollkommen. In unserer Stadt gibt es einen Goldschmied, dem man durch das Schaufenster bei seinem Werken zusehen kann. Hier stehen oft Leute, meist Kinder, davor und schauen zu, wie ein Schmuckstück entsteht.

Auch lange andauernde, große Arbeiten, bei denen man den Fortschritt leicht sehen kann, sind sehr interessant. Wird ein Gebäude hochgebaut, ein anderes abgerissen, eine große Wiese gemäht, eine Straße, eine Brücke gebaut, dann kann man jeden Tag aufs Neue sehen, wie die Arbeit vorangeht, man kann mit dem Fortschritt mitschreiten. Zu den kleinen Freuden gehört, diesen Fortschritt eventuell mit Fotos zu dokumentieren. Man hat auf diese Weise die Lebensgeschichte eines Bauwerks, eines Objekts eingefangen. Und man kann so schön mit den anderen Beobachtern ins Gespräch kommen, sich eventuell täglich aufs Neue mit diesen Menschen treffen und sich austauschen. Deshalb mache ich auch gerne kleine Umwege, nur um diese Fortschritte zu registrieren und den Menschen bei der Arbeit zusehen zu können.

Leider können heute Kinder kaum noch ihren Eltern bei ihrer Erwerbsarbeit zusehen. Das ist sehr schade, weil Kinder ihre, von den Eltern vererbten Talente, nicht mehr auf einfache Weise entwickeln können. Ich habe daher darauf geachtet, dass meine Kinder bei günstigen Gelegenheiten zumindest meine Arbeitsstätte sehen können. Oder sogar einmal einen halben Tag bei mir im Büro sein und dabei auch kleine Arbeiten übernehmen können, um mitzulernen.


6. Große Fahrzeuge in Bewegung

Von allen Fahrzeugen beobachte ich am liebsten startende und landende Flugzeuge. Ich wohne nicht allzu weit entfernt von einem größeren Flughafen und kann dort auf Feldwegen den Anflug und den Start dieser Riesenvögel beobachten. Ich finde es jedes Mal aufs Neue faszinierend, dass diese tonnenschweren Gebilde sich in den Himmel erheben können.

Wenn ich selbst im Flugzeug sitze, habe ich häufig ein beklemmendes Gefühl, aber von außen und aus sicherer Entfernung kann ich gar nicht oft genug zuschauen. Auch den Lärm, der dabei entsteht, kann ich für die kurze Dauer der Beobachtung gut ertragen. Besonders interessant sind Landevorgänge bei starkem Wind, weil dann die Flugkapitäne schwierige Manöver durchführen müssen, um die Flugzeuge sicher auf den Boden zu bringen.

Faszinierend ist auch das Beobachten von Zügen, speziell natürlich von ICEs. Wie dieser superschnelle Zug mit 250 km/h aus weiter Entfernung auftaucht und in wenigen Sekunden wieder verschwindet, das lohnt schon einen kleinen Umweg. Aber auch ganz normalen Zugverkehr von einer Brücke zu beobachten, oder den Verschubverkehr auf einem Bahnhof mitzuverfolgen, ist immer wieder - nicht nur für Kinder - sehenswert. Auf meinen Radtouren bleibe ich gelegentlich auf Autobahnbrücken stehen, um die unter mir rollende Autolawine zu beobachten. Allerdings bin ich selten davon fasziniert, eher habe ich Mitleid mit den Menschen, die nicht so wie ich genügend Zeit haben, mit dem Fahrrad zu fahren.

Hoch interessant dagegen ist das Betrachten des An- oder Ablegens von Schiffen. Je größer diese sind, um so interessanter wird es, wie diese Riesengebilde fast zentimetergenau sich im Wasser bewegen können. Oder wenn Schlepper im Einsatz sind, kann man ihnen zusehen, wie sie ihr Objekt in die richtige Positionen bringen. Wer nicht in Meeresnähe wohnt, kann vielleicht bei Fluss- oder Kanalschleusen seine Beobachtungen machen.


7. Geschenke für die Gesellschaft

Es macht große Freude etwas zu schenken, besonders wenn man dann auch selbst einen Nutzen hat. Man muss nicht unbedingt Millionär sein, um in den Genuss des Gefühls eines Mäzens zu kommen.

In Zeiten knapper Kassen sind auch kleine Geschenke willkommen. Zum Beispiel ein Buch an die Stadtbücherei, das man selbst auch gerne gelesen hat oder das man selbst geschrieben hat. Man schenkt das Buch der Allgemeinheit, aber man findet dadurch auch jemanden, der einem das Buch aufhebt und verwaltet. Man braucht keinen Platz im eigenen Bücherschrank und kann es bei Bedarf doch nutzen. Auch CDs, Computersoftware, Parkbänke, Bäume sind hervorragende Geschenke.

Im englischsprachigen Kulturkreis gibt es bezüglich Bücher das interessante Konzept von Strandbibliotheken. In einer Kiste an einem geschützten Platz legt man seine gelesenen Bücher ab und nimmt sich bei Bedarf ein anderes wieder zum Lesen. Nicht nur an Stränden funktioniert dies, auch in Kaffeehäusern, Schulen, Krankenhäusern und anderen öffentlichen Plätzen sind diese Einrichtungen nützlich und erfreulich.

Menschen, die alles selbst besitzen müssen, und Buchhändler werden mit diesem Konzept weniger Freude haben. Aber ich habe viel Genuss daraus gezogen, etwas der Allgemeinheit zu geben, das ich dann später gelegentlich selbst nutzen konnte. Und mit dem ich mich als totem Besitz nicht belasten musste.


8. Lenkdrachen

Wer gerne im Freien ist, den Wind liebt und ein freies Gelände in der Nähe hat, wird früher oder später Drachen steigen lassen. Während bei einfachen Drachen der Reiz im Bauen liegt, und man vielleicht mit dem Drachen noch irgendwelche Höhenrekorde (die eigentlich verboten sind, mehr als 100 m Schnur darf man nicht verwenden) erzielen kann, wird das Drachensteigenlassen schnell langweilig. Ganz anders verhält sich dies mit Lenkdrachen. Es bedarf großer Geschicklichkeit, diese Drachen zu beherrschen. Und man kann immer noch neue Übungen und Manöver dazulernen. Aber auch schon als Anfänger wird man seine Freude daran haben.

Ich empfehle einen einfachen Deltadrachen zu kaufen, der so klein sein soll, dass man ihn noch im Koffer unterbringen kann. Denn gerade im Urlaub am Meer oder im Gebirge wird man optimale Vorbedingungen haben, aber wahrscheinlich kein Geschäft zum Drachenkaufen vorfinden. Und mit kleinen Drachen kann man auch noch bei sehr starkem Wind unterwegs sein. Es ist ein ganz tolles Gefühl, sich im Wind zu wiegen und seinen Drachen zu lenken.

Besonders reizvoll ist das Drachensteigenlassen zu mehreren. Paare oder Eltern mit ihren Kindern werden damit einen sehr kreativen Wettstreit ausfechten können und viel Freude daran haben.


9. Mittagsschlaf

Zu den größten Freuden, die mir meine Frühpensionierung gebracht hat, gehört der Mittagsschlaf. Schon als Kind habe ich mich gerne nach der Schule kurz hingelegt. Später hat mir der Mittagsschlaf Kraft gegeben, bis weit in die Nacht hinein noch konzentriert zu arbeiten.

Ich habe mit dem Mittagsschlaf gelernt, mich zu erholen, bevor ich erschöpft war. So kann ich allen nur empfehlen nach Wegen zu suchen, eine kleine Mittagsruhe einzulegen. Leider ist die deutsche Firmenkultur nicht sehr mittagsschlaffreundlich, aber mit etwas Kreativität und auch etwas Egoismus wird man einen Weg finden, auch als Berufstätiger etwas Mittagsruhe zu bekommen. Vielleicht kann man mit seinem Chef ein Übereinkommen finden, am Abend etwas länger dazubleiben, um damit die längere Mittagsruhe auszugleichen. Im Arbeitsschrank haben vielleicht eine Reismatte und ein aufblasbares Kopfkissen Platz, um bequem am Boden zu liegen.

Wer wirklich nicht schlafen kann, sollte sich zumindest mit Meditation tief entspannen. Eine einfache Übung, die ich empfehle, ist, im Sitzen den Schlüsselbund in die Hand zu nehmen und sich mit Autogenem Training solange zu entspannen, bis er aus der Hand fällt. Der Lärm des Fallens wird dich zum optimalen Zeitpunkt für Kurzentspannungen aufwecken.

Man kann auch einen verspäteten Mittagsschlaf machen. Wenn man von der Arbeit nach Hause kommt, einfach ein halbe Stunde hinlegen, bevor der Freizeitstress beginnt.

Dein Körper, dein Geist und auch deine Seele werden es dir danken, wenn du nicht wie eine Maschine arbeitest, sondern kleine Ruhepausen einlegst.


10. Kleine Wetten

Ich rede hier nicht von den kommerziellen Wetten, z.B. bei Pferderennen oder vom Totoschein. Wenn man genügend überflüssiges Geld hat, dann sind dies reizvolle Beschäftigungen, die aber leider auch süchtig machen können.

Nein, von ganz kleinen Wetten, entweder um 1 € oder ums Recht ist hier die Rede, die genau denselben Kitzel, wie die großen Wetten, verursachen, und die man sogar für sich alleine abschließen kann.

Wenn ich zum Beispiel im Hotel vor 2 Aufzügen stehe, dann wette ich mit mir, welcher zuerst kommen wird. Und ich freue mich, wenn ich gewonnen habe, oder ich denke nach, warum ich verloren habe.

Der Reiz dieser Wetten liegt darin, dass sie die Beobachtung schärfen und einen Blick für Zusammenhänge fördern. Sie bilden so eine gute Schule für den Umgang mit komplexen Problemen. Man kann mit ihnen in Gesellschaft wunderbar ein Gespräch eröffnen und auch viel von den Meinungen der Mitmenschen erfahren. Die meisten Menschen machen gerne bei diesen belanglosen Wetten mit, und manch guter Kontakt hat sich dadurch für mich ergeben.

Wichtig dabei ist, dass das Ergebnis der Wette bald, wenn nicht sofort nach Abschluss der Wette bekannt ist, und man praktisch im Nu die Rückmeldung hat, wer Recht hatte oder was sich ergeben hat. Und es ist auch wichtig, wenn man die Wetten für sich alleine abschließt, dass man bei der einmal getroffenen Entscheidung bleibt und sich nicht immer wieder korrigiert. Denn sonst würde der Spaß oder der Lerneffekt verloren gehen.

Ich wette vor allem gerne mit meinem Sohn. Und wir reden dann darüber, warum jemand eine Entscheidung getroffen hat und was man hätte anders tun können, um eine bessere Entscheidung zu finden. Für uns beide ist es eine angenehme Art, uns für eine Sache zu interessieren und gegenseitig voneinander zu lernen. Und wir lernen dabei auch, dass es nicht allzu wichtig ist, immer recht zu haben, sondern wichtiger, neue Erkenntnisse zu gewinnen.

In die Kategorie der kleinen Wetten gehört auch das Abholen der selbstgemachten Fotos. Sind sie etwas geworden, bin ich auch vorteilhaft abgelichtet? Da ich selbst oft in Fotogeschäften bin, kann ich dort die verschämten oder auch offenen Freuden der HobbyfotografInnen beobachten. Diese kleine Spannung vor dem Öffnen der Fototüte ist immer wieder nett zu sehen.


11. Altglas in den Glascontainer schmeißen

Es gibt wenige Möglichkeiten, in unserer Gesellschaft einmal mit Genuss etwas zerstören zu dürfen. Um so erfreulicher ist es deshalb, sich beim Zertrümmern von Altglas richtig austoben zu können.

Such dir einen abseits von Wohnanlagen gelegenen Altglascontainer und schmeiße - zu den erlaubten Zeiten - mit großem Genuss das angesammelte Altglas hinein. Je mehr Scherben klirren, um so größer wird das Erfolgserlebnis sein. Besonders reizvoll sind leere Container. Wer über die Leerungszeiten Bescheid weiß, kann sich somit die günstigsten Zeiten für das Happening aussuchen.

So wird mit Spaß das Haus von Altglas befreit, die Industrie freut sich über den billigen Rohstoff, und man darf ganz legal etwas sonst Verbotenes tun.


12. Sammlung von Passfotos

Auch wer keinen Fotoapparat hat, wird im Laufe seines Lebens einen Vorrat an Bildnissen bekommen, nämlich seine Passfotos, die man für Ausweise immer wieder braucht.

Es ist interessant, wenig aufwendig und auch lustig, diese Fotos in einer kleinen Sammlung zu präsentieren. Wer dann auch noch das Datum der Aufnahmen dazu schreibt kann so seine eigene Entwicklung dokumentieren.

Wer einmal auf den Geschmack gekommen ist, wird zusätzlich zu den notwendigen Fotos auch andere Gelegenheiten nutzen, um Fotos für die Sammlung zu machen. Wartezeiten an Flughäfen, Bahnhöfen und die dort vorhandenen Fotoautomaten bieten sich an, seine Sammlung immer wieder zu ergänzen.

Besonders nett ist es auch, sich mit Partnern, Freunden, Kindern auf einem Passfoto zu verewigen. Man darf dabei auch durchaus Unsinn machen und Grimassen schneiden.

Gerade Menschen, die viel fotografieren, werden feststellen müssen, dass es wenige Fotos von ihnen selbst gibt. Hier bieten sich die Fotoautomaten an. Und zum Schluss noch ein Hinweis, der mir schon viel Freude bereitet hat. Man kann mit Weitwinkelobjektiven sich gut selbst fotografieren, indem man mit der eigenen Hand sich die Kamera vors Gesicht hält. Oder man kann den Selbstauslöser nutzen, den viele Kameras haben, der jedoch viel zu selten ausgelöst wird.


13. Ins Feuer, ins fließende Wasser schauen

Fließendes Wasser und brennendes Feuer verändern sich ständig. Kein Augenblick gleicht den vorhergehenden. Mich beruhigt ihr Anblick ungemein, ich kann ganz unbeschwert meine Gedanken schweifen lassen. Erinnerungen kommen hoch und Entscheidungen werden reif.

Leider kommt ein Stadtmensch nicht leicht in den Genuss dieser einfachen Freuden. Wer hat schon einen Kamin zuhause oder einen Fluss vor der Haustür?

Also muss man ein bisschen nachhelfen. Im Urlaub verweile man am Wasser, wo immer es sich anbietet. Wer in der Nähe seiner Wohnung eine Feuerstelle hat, sammle Holz, finde einen Anlass, Freunde einzuladen und mache ein Feuer.

Ich verbinde mit diesen Abenden am Feuer immer Gesang mit Gitarrenbegleitung, spüre die Wärme auf der dem Feuer zugewandten Seite und denke gerne an die Spiele, die man mit den glimmenden Holzstücken in der Dunkelheit machen kann. Man kann durch schnelles Bewegen Zeichnungen machen oder Buchstaben schreiben und so eine Nachricht zum Erraten erzeugen.


14. Dehnen, Strecken, Drücken

Sich zu dehnen und zu strecken, ist wie das Seufzen eine Übung, die man nahezu überall machen kann und die eine Wohltat für den Körper und die Seele bedeutet.

Schon vor dem Aufstehen, im Bett, soll man sich ausgiebig Strecken. Wer dabei mit dem Gähnen Sauerstoff mittankt, wird sich wesentlich wohler für den Tag fühlen.

Wer lange gesessen hat, entweder im Auto oder bei Sitzungen im Büro, sollte gelegentlich eine Pause machen und seine Muskeln anspannen, indem er gegen etwas drückt, zum Beispiel gegen das Auto, gegen die Bürowand oder gegen einen Schrank und dabei möglichst viele Muskeln wechselweise dehnt und anspannt.

Jede Stange in passender Höhe kann man nutzen, um sich damit auszuhängen. Alle diese Bewegungen sollen langsam aber mit Kraft, quasi ruckfrei, erfolgen, und lange genug, bis man etwas fühlt.

Sogar im Sitzen kann man die Arme in Schulterhöhe von sich strecken und so die Schultern entspannen.

Jeder wird selbst seine passenden Übungen finden, um entweder gesundheitliche Problembereiche auszugleichen oder um einfach Freude zu finden.

Besonders schön sind Übungen mit einem anderen Menschen. So mache ich fast täglich mit meinem heranwachsenden Sohn die Übung "Wer ist der Stärkere?" Dabei versuchen wir uns gegenseitig zurückzudrücken oder zu ziehen.

Es geht dabei weniger um das Gewinnen, als um die Körperanstrengung und die damit verbundene Freude.


15. Etwas aus der Höhe betrachten

Von oben betrachtet sieht die Welt anders aus. Jeder, der schon einmal auf einem Berg gewesen ist oder aus dem Flugzeug geschaut hat, kennt dieses Gefühl.

Man erhält einen Überblick, im wahrsten Sinne des Wortes. Durch die Distanz und das große Blickfeld werden Zusammenhänge erkannt oder klarer, Details unwichtiger, und man entfernt sich auch etwas von den Problemen der Niederung.

Es hat mir immer große Freude bereitet, hoch hinaufzusteigen oder zu fahren und dann hinunterzuschauen. Und das, obwohl ich nicht schwindelfrei bin.

Ich nutze gerne all die verschiedenen Möglichkeiten eines Überblicks. Besteige jeden verfügbaren Turm, fahre in hohen Gebäuden mit dem Lift bis in die oberste Etage. Oft gibt es in den hohen Gebäuden ganz oben Restaurants, in denen man dann sitzen und hinunterschauen kann.

In der Natur ist es besonders interessant, am Abend - wahrscheinlich auch am Morgen, aber da bin ich meist nicht unterwegs - die Landschaft zu betrachten. Durch die vielen kleinen Schatten wird die Landschaft viel plastischer. Ich versuche dabei alle Ortschaften, die ich sehe, zu identifizieren.

In der Stadt kann man den Blick von oben nutzen, um zuzusehen wie die Lichter am Abend angehen, ein immer wieder interessantes Schauspiel, besonders im Winter. Oder man kann den Verkehrsfluss beobachten oder sehen, wie Menschenmengen sich verteilen und sammeln. Wer eine geeignete Kamera hat, kann dies auch mit Zeitraffern anschaulich dokumentieren.


16. Wäsche vor dem Anziehen wärmen

Als Kind lebte ich in einer sehr kalten Wohnung. Um das Baden angenehmer werden zu lassen, hat meine Mutter immer die neue Wäsche auf der Heizung vorgewärmt.

Ich hatte diese Geste vergessen und sie erst viel später in Nobelhotels wieder entdeckt, als ich sah, dass dort die Handtücher auch auf der Heizung vorgewärmt werden. Jetzt mache ich mir im Winter selbst diese kleine Freude. Bevor ich in die Dusche gehe, wird die Wäsche auf die Heizung gelegt. Wenn ich sie nachher anziehe, denke ich immer an die wohlige Wärme, die mir meine Mutter vermittelt hat.


17. Menschen mit ihrem Namen ansprechen

Es ist in Deutschland nicht allgemein üblich, sich mit dem Namen anzusprechen. In unserer Kultur legt man deshalb auch nicht allzu viel Wert darauf, dass man sich korrekt vorstellt und sich einen fremden Namen auch wirklich merkt. Wer schon einmal im angelsächsischen Kulturkreis gelebt hat, weiß, wovon ich rede.

Um so erfreulicher wirkt es, jemanden mit seinem Namen anzusprechen, ohne finanzielles Interesse, ohne Hintergedanken. Und diese Freude kann man sich und seiner Umwelt leicht machen, wenn man folgende Hinweise beachtet.

Die Angelsachsen sind auch nicht klüger als wir. Doch weil es in ihrer Kultur wichtig ist, dass man sich korrekt anspricht, haben sie Hilfsmittel entwickelt, die wir übernehmen können.

Die effektivste Methode für mich, sich einen Namen zu merken, ist, ihn in einer Liste zu notieren. Jeder Mensch, den ich kennenlerne, kommt in diese Liste. Dadurch, dass ich diese Liste oft ansehe, merke ich mir die Namen leichter, weil ich sie immer wieder in meinem Gedächtnis wiederhole.

Natürlich wird diese Liste immer länger, aber trotzdem wird sie nie gekürzt oder weggeworfen. Man kann auch Hunderte von Namen leicht aufheben, viel mehr Bekannte wird man nicht haben.

Ein weiteres bewährtes Mittel sind Visitenkarten. Diese sind auch für Privatpersonen sehr nützlich, vor allem wenn sie auch ein Foto zeigen. Man sollte sie großzügig austauschen, wir sind immer so ängstlich und denken vor allem an den Missbrauch, den man damit treiben könnte. Aber es steht auf ihnen nicht mehr als in den Telefonbüchern, und diese liegen überall öffentlich aus.


18. Im Auto schreien oder singen

Das Auto ist ein wunderbarer Platz, um aus sich herauszugehen, etwas was man sonst nur auf dem Fußballplatz oder als Betrunkener beim Karneval tun darf.

Man kann laut schreien, man kann jeden Blödsinn herausbrüllen, man darf beliebig falsch singen, solange man alleine fährt. Freunde, nutzt diese Chance. Zum Sprachenlernen, zum Frustabbau, zum Stimme entwickeln, zum Dichten von Nonsens, zum Üben von Reden oder einfach zum Spaß.

Ich habe mit meinen Kindern viel Blödsinn im Auto gemacht. So manche lange, sonst unerträgliche Fahrt, ist dadurch viel kürzer geworden.


19. Lieblingsmusik

Die Musik, die mir unsere Radiosender anbieten, befriedigt mich oft nicht. Wahrscheinlich hängt dies mit meinem Alter zusammen. Aber Musik ist für mich sehr wichtig, deshalb habe ich meine eigene Musiksammlung aufgebaut. Und einige Erfahrungen mit den Freuden meiner Musik möchte ich gerne weitergeben.

Mit das beste und intensivste Musikerleben bieten uns heute Filme. Ich kaufe mir deshalb von allen Filmen deren Handlung und Musik ich mag die Soundtracks. Sie haben sich als eine der besten Investitionen erwiesen. Mit dem Spielen der Filmmusik entsteht vor meinem geistigen Auge dann auch wieder der Film. Man muss aber die Soundtracks bald kaufen. Zu meinen leidvollen Erfahrungen gehört, dass nicht alle es schaffen ins Dauerrepertoire der Musikverlage zu gelangen.

Wenn ich in Urlaub fahre, bereite ich mir eine CD (oder den MP3 Player) mit Musik vor, die ich im Urlaub hören will. Diese Musik wird zum Beispiel bei langen Autofahrten gespielt. Höre ich diese Musik später nochmals, dann fühle ich mich wieder wie im Urlaub. So werde ich beim Anhören von Paolo Conte immer die Toscana vor Augen haben oder mit Gerry Rafferty's City to City immer Korsika verbinden.

Oft kommt man im Urlaub mit Musik in Berührung, die einem fremd ist und gut gefällt. Auch hier unternehme ich alle Anstrengungen, um mir diese Musik nach Hause mitnehmen zu können. 

Gerne höre ich während der Arbeit an einem bestimmten Projekt immer wieder dieselbe Musik. Meist ist es Jazz. Den finde ich besonders angenehm und beflügelnd. Später wird diese Musik zum Zeitzeugen, und sie versetzt mich zurück in manch gute kreative oder auch anstrengende Phase.

So werde ich Michel Petrucciani mit dem Schreiben meines Managementbuches "Die Praxilogie" verbinden. Oder den genialen Tübinger Künstler Kai Reininghaus mit dem Schreiben dieses Büchleins.


20. Sonnenuntergänge

Zu den schönsten Naturphänomenen gehören für mich Sonnenuntergänge. Wahrscheinlich würden auch die Sonnenaufgänge dazugehören, wenn ich mir die Zeit nähme, sie zu beobachten.

Sonnenuntergänge finde ich am eindrucksvollsten am Meer, im Hochgebirge und vor allem in der Wüste, wo sie wegen der klaren und trockenen Luft atemberaubend gut zu sehen sind.

Aber auch in unseren Breiten und Gegenden sind sie es wert beobachtet zu werden. Es sind bei uns im Sommer nur 3 bis 4 Minuten, die der Feuerball zum Verschwinden braucht. Diese Zeit kann man sich schon gönnen.

Sonnenuntergänge motivieren zum Schweigen. Auch wenn ich sie in Gesellschaft betrachte, bin ich meist ruhig dabei.

Es lohnt sich, nur wegen eines Sonnenuntergangs an einem klaren Abend zum nächsten Hügel zu gehen oder zu fahren und ihm zuzusehen. Es werden nicht viele Tage dazu geeignet sein, die wenigen guten heißt es zu nutzen!


21. Massage

Durch Zufall habe ich schon vor vielen Jahren an einem Massagekurs teilgenommen. Zu meinen wichtigsten Erkenntnissen dabei gehörte, dass man beim Massieren, solange man keine zu große Kraft anwendet und die Bauchregion ausklammert, auch als Laie kaum etwas falsch machen kann.

Diese beruhigende Erkenntnis hat mich frei dafür gemacht, viele Menschen zu massieren, und mit der Praxis habe ich auch gelernt, was den Menschen gut tut. So liebt fast jeder Rücken- und Nackenmassagen. Aber auch Kopf- und sanfte Fußmassagen sind bei vertrauten Partnern sehr geschätzt.

Die Praxis des Massierens wirkt ansteckend. Viele, die sich gerne massieren lassen, werden dieses Vergnügen auch zurückgeben oder anderen Menschen zukommen lassen. Massage kann ganz kurz und trotzdem sehr effektiv sein. Und man muss sich dazu auch nicht ausziehen.

Es gibt viele Möglichkeiten zur Massage. Meinen Sohn massiere ich gerne beim gemeinsamen Fernsehen, Arbeitskollegen schätzen eine Kurz-Nacken- und Schultermassage vor dem Bildschirm. Lange Wartezeiten beim Reisen sind bestens geeignet, die Reisepartner mit einer Kurzmassage wieder fit zu machen.

In meinen Vorlesungen über Lebensmanagement motiviere ich die Teilnehmer zu gegenseitigen Klopfmassagen. Hierbei wird der Rücken des Partners sanft mit den Handflächen abgeklopft. Damit können auch mögliche Berührungsängste - die sonst bei einer normalen Massage auftreten würden - leichter überwunden werden.

Ich möchte mit meinem Joy-Book dazu beizutragen, dass das Massieren bei uns im alltäglichen Umgang zwischen Menschen mehr Bedeutung bekommt. Es würde unserer Gesellschaft gut tun, wenn wir uns mehr berühren würden, ohne dass dabei immer gleich eindeutige sexuelle Absichten eine Rolle spielen.

Empfehlenswerte Lektüre dazu: Der Kleine Knuddeltherapeut


22. Tagebuch

Eine wichtige Quelle der Selbsterkenntnis und der Freude ist ein Tagebuch. Leider setzt das Führen eines Tagebuchs etwas Disziplin voraus. Dies ist sicher der Hauptgrund, warum viele Menschen auf ein Tagebuch verzichten. Manche haben auch Angst, dass ein Unbefugter es missbrauchen könnte und schreiben deshalb nicht auf, was sie bewegt oder was sie erlebt haben.

Jeder, der einen Kalender zur Terminführung hat, kann daraus leicht ein nützliches Tagebuch machen. Einfach jeden Tag einen Satz in den Kalender zu schreiben, genügt für den Anfang. Dieser Satz kann eine Idee sein, eine Erkenntnis, ein Wunsch, ein Traum, eine Tätigkeit, etwas, was Freude gemacht hat.

Wie Jahrbücher werden dann diese Kalender aufgehoben. Sie nehmen nicht viel Platz weg und sind eine wichtige Quelle für die Reflexion der Vergangenheit und für eine glückliche Gestaltung der eigenen Zukunft.

Ich benutze für meine Zwecke einen Computerkalender in einem Notebook. Die entsprechenden Dateien sind über Passwörter gesichert, und diese Sicherheit erlaubt mir dann auch, eher Vertrauliches oder Unsinniges aufzuschreiben.


23. Aufräumen

Wer wie eine Hausfrau oder ein Hausmann immer wieder aufräumen muss, wird es kaum verstehen, dass man beim Aufräumen große Freude und Befriedigung erfahren kann.

Wenn es aber gelingt, aus dieser Tätigkeit den Zeitdruck herauszunehmen, dann kann sie fast meditativen Charakter bekommen. In Ruhe eine neue Ordnung schaffen, dabei überlegen, was man besser machen kann, sich von altem Ballast zu befreien, etwas bewusst abzuschließen, zu reflektieren, dies alles kann große Freude bereiten.

Ich erinnere mich noch nach 30 Jahren, welche Freude ich hatte, nach meinem Studium Unwichtiges wegzugeben, anderes aufzuheben. Und nach jedem Staubsaugen an einem Freitag Vormittag freue ich mich über die ordentliche Wohnung.

Ich habe lange gebraucht um herauszufinden, warum ich Ordnung und Sauberkeit - dir bei mir wahrlich nicht immer vorhanden sind, wie jeder meiner Besucher weiß - schätze. Es ist die Assoziation mit Wohlstand, ja sogar Reichtum, Harmonie und Zufriedenheit. Mit jedem Aufräumen schaffe ich mir ein kleines Stück davon.


24. Heiße, feuchte Tücher

Nach einem langen Flug verteilen manche Fluggesellschaften kleine, feuchte und heiße Handtücher. Man legt sich diese auf das Gesicht, kann sich aber damit auch den Hals, die Ohren oder die Hände reinigen.

Ich habe auf meinen vielen Flügen immer gleich zwei davon verlangt, weil sie mir so gut getan haben. Wenn man übernächtigt ist, erfrischen sie ungemein, fast wie eine Dusche oder ein Bad.

Man kann diese Tücher ganz leicht selbst vorbereiten. Einfach ein kleines Gästehandtuch in wenig aber heißes Wasser legen, das Wasser abgießen, das Tuch vorsichtig auswringen (Vorsicht Verbrühungsgefahr) und dann aufs Gesicht. Nach Parties habe ich diese Tücher meinen Gästen angeboten. Auch sie haben diese sehr geschätzt.

Nach dieser Erfahrung habe ich auf allen meinen Reisen, vor allem Radreisen, immer ein kleines Handtuch in einer verschließbaren Plastiktüte dabei. Unterwegs gibt es immer eine Möglichkeit, es nass (mit warmem oder kaltem Wasser) zu machen und sich so zu erfrischen. Am Fahrrad kann man es mit einer Wäscheklammer an der Lenkstange befestigen und es so wieder trocknen oder kühlen. Heute weiß ich, dass man nur ganz wenig tun muss, um sich frisch zu fühlen. Im wesentlichen sind es nur die Körperöffnungen, die frisch und sauber gehalten werden müssen. Neben dem Gesicht also auch der Anal- und Genitalbereich. Mit einer Reisedusche, einer Gummispritze, die in jedem Sanitätshaus erhältlich ist, oder feuchtem Toilettenpapier kann man den Analbereich bestens sauber halten. Selbst bei Extremreisen, fernab jeder Zivilisation und weit weg von einem Badezimmer mit einem Bidet kann man sich so gut fühlen.


25. Orakel ( I-Ging )

Erst nachdem ich selbst ein Orakel bearbeitet habe (das Ergebnis ist die "Kunst der Klugheit"), habe ich verstanden, warum Orakel wichtig sein können, und warum die Beschäftigung mit ihnen Freude macht und auch sehr nützlich ist.

Orakel, wie das I-Ging, sind Sammlungen von Lebenserfahrungen, Weisheiten, die fast immer gelten. Die Quelle dieser Weisheiten ist entweder die Natur mit ihren Phänomenen, oder es sind Beobachtungen über das Verhalten der Menschen. Ein Beispiel für solch eine Weisheit ist, dass, wenn es lange genug bergauf gegangen ist, es auch wieder bergab gehen wird.

Der Befragung des Orakels wird ein Selektionsverfahren vorangestellt, das um so wirkungsvoller ist, je komplizierter es ist. Die Wirkung des Verfahrens besteht darin, dass man sich für seine Dauer intensiv mit dem Problem beschäftigt, und dies trägt sehr oft zu dessen Klärung bei.

Interessanterweise ist es oft egal, was die Aussage des Orakels ist. Da es sich ohnehin um allgemeine Lebensweisheiten handelt, hat die Aussage fast immer einen Wahrheitsgehalt und ist deshalb von Bedeutung. Und da es in einem komplizierten Leben auch immer mehrere, oft sogar widersprüchliche Wege zum Glück gibt, kann man auch mit Ungereimtheiten leben.

Das I-Ging verbindet alle diese Elemente auf eine interessante und bewährte Weise. Ich habe den Umgang damit in einem Volkshochschulkurs gelernt. Seine Anwendung hat mir Nutzen und Freude gebracht und auch zur Unterhaltung meiner Umgebung beigetragen.


26. Kaputtes zerlegen

Man kann viel lernen, wenn man alte Geräte zerlegt. Als Kind haben wir es gemacht, weil wir einfach neugierig waren, später als Erwachsene haben wir Geräte 'kaputt repariert'. Auch hier war die Neugierde die treibende Kraft, aber wir haben uns geniert, es so offen zuzugeben.

Heute gibt es neue Motivation, uns das Innenleben von kaputten technischen Geräten anzusehen. Es ist das Recycling und die damit verbundene Werkstofftrennung. Sie erlaubt uns, den alten Kindertrieb der Neugierde wieder auszuleben.

Nicht alle Geräte sollte man öffnen. Wo Vakuumbildröhren oder Flüssigkeiten - deren Inhalt man nicht kennt - enthalten sind, da lasse man die Finger davon. Aber es verbleiben immer noch viele technische Geräte, die es sich lohnt anzuschauen.

Besonders interessant ist diese Beschäftigung zusammen mit Kindern. Mit ihnen kann man gemeinsam spekulieren, wozu die einzelnen Bauteile da sind, oder was sich die Ingenieure beim Entwerfen gedacht haben.

Ich habe mit Grundschulkindern alte Fahrräder total zerlegt und auch einige Materialtests mit diesen durchgeführt. Am meisten beeindruckt hat es sie, wie lange es dauert, bis durch Aufpumpen ein Fahrradschlauch platzt. Dieser kann bis zu 2 Meter Durchmesser bekommen und bis zu 20 cm dick werden, bevor er dann explodiert.


27. Singen, wenn es hallt

Mich erfreut Singen immer wieder aufs Neue, deshalb habe ich fast mein ganzes Leben in einem Chor gesungen. Aber besonders schön ist das Singen, wenn man sich in einer Umgebung mit viel Hall befindet.

Wahrscheinlich sind deshalb Baderäume so motivierend zum Singen. Aber auch andere (gekachelte) Räume, wie Fußgängertunnels und U-Bahnschächte, bieten eine gute Kulisse fürs Singen.

Am besten sind natürlich Räume, deren Akustik optimiert wurde, wie Kirchen, Hörsäle, Theater. Ein absolutes Hochgefühl aber erzeugen antike Arenen und moderne, leere Stadien.

Es lohnt sich, ein Repertoire für das Singen in diesen Räumen vorrätig zu haben. Ein Kirchenlied, eine Hymne, eine Melodie aus einem Musical oder einer Oper. In einem Fußgängertunnel, den ich oft durchfahre, starte ich mit einem Dreiklang (drei Töne hintereinander, die dann im Hall verschmelzen).

Sehr oft beteiligen sich andere Menschen an meinem Gesang und im Nu ist für wenige Sekunden ein Spontanchor entstanden. Bisher hat sich noch niemand wegen meines Musizierens beschwert. Gelegentlich kommt sogar ein Spontanapplaus auf. Es scheint also nicht nur mir Spaß zu machen.


28. Einmal nicht das Regelmäßige tun

Disziplin beinhaltet auch, alles immer auf die gleiche Weise zu machen. Das ist für vieles effektiv, aber auf die Dauer auch langweilig. Es bringt daher freudige Abwechslung, das Regelmäßige gelegentlich nicht zu tun.

Sich einmal nicht am Abend die Zähne zu putzen, sondern sich faul so ins Bett zu legen. Einmal nicht zur wöchentlichen Vereinssitzung zu gehen, sondern am Abend vor dem Fernseher zu versumpfen. Einmal nicht mit dem Auto ins Büro zu fahren, sondern das Fahrrad auszuprobieren.

Wer seine Gewohnheiten überdenkt, wird feststellen, dass es unzählige davon gibt. Sie gelegentlich auf den Prüfstand zu stellen, wird dein Leben kreativer machen und dich vielleicht auch Neuigkeiten entdecken lassen.

Ich bin für viele Jahre ein Morgenmuffel gewesen. Einer der Gründe dafür war der Aufwand für das Zubereiten des Frühstücks. Bis wir einmal ausprobiert haben, dass man den Kaffee oder Tee auch schon am Abend vorher zubereiten und in einer Thermoskanne aufheben kann. Mit dieser kleinen Änderung habe ich den Tag mit einem Schluck heißen, belebenden Getränks begonnen, und mein ganzes Weltbild ist damit positiver geworden.

Wer allzu besorgt ist, dass er immer alles richtig und damit gleich machen muss, sollte wissen, dass kleine Fehler sympathisch machen. Und dass die kleine Verwirrung durch das Abweichen vom eingefahrenen, persönlichen Verhalten oft neue Einsichten bringt.


29. Balancieren, Mäuerle laufen, fallen lassen

Mäuerle laufen war eine der großen Lieblingsbeschäftigungen meiner kleinen Kinder. Entweder an der Hand eines Erwachsenen oder noch besser frei auf einer kleinen Mauer zu laufen, das war ein Riesenspaß. Neben dem Beweisen der Geschicklichkeit, des Balancierens, war es sicher auch reizvoll für sie, damit fast so groß wie die Erwachsenen zu werden.

Aber auch Erwachsene können sich die Freude am Balancieren bewahren: auf einem Baumstamm laufen, auf einer schmalen Mauer, den Linien des Bodens folgen, möglichst lange auf einem Bein stehen, auf einem Betonpfosten stehen und balancieren.

Was uns als Kind die Hand eines Erwachsenen als Sicherheit war, kann man als Vertrauensübung auch noch als Großer erfahren. Stell dich einfach hin, breite die Arme aus und lass dich ganz steif in die Arme eines hinter dir stehenden, aufmerksamen und vertrauensvollen Menschen fallen.

Dieses Gefühl des Fallens wirst du nicht so schnell vergessen. Es ist fast wie ein Mini-Bungee-Springen. Und die Freude, die sich nach dem Auffangen einstellt, wird lange dauern.


30. Schlange laufen

Straßenclowns haben das Schlangelaufen eingeführt. Sie gehen einfach hinter einem Passanten her und ahmen seinen Gang nach.

Später haben ganz normale Fußgänger sich einfach in einer Schlange hinter einem gehenden oder auch stehenden Menschen aufgestellt und ihn nachgemacht. Wenn der 'Schlangenkopf' dies gemerkt hat, hat sich die Schlange so schnell und so spontan wie sie entstanden ist, wieder aufgelöst.

Schlange laufen macht allen einen Riesenspaß, den Akteuren wie den Zuschauern, die sich dann auch immer gleich einfinden. Besonders wenn die Bühne dazu ein großer Platz oder eine belebte Fußgängerzone ist. Aber auch Freibäder, Warteplätze, Flughäfen, Bahnhöfe und Schulhöfe eignen sich optimal zum Schlange laufen.

Dies ist ein Gesellschaftsspiel auch für ganz ernste Typen. Mitspieler finden sich spontan, und ich habe noch nie gesehen, dass sich jemand dabei geärgert fühlte. Also ausprobieren und Spaß haben!


31. Steine am Wasser

Flache Steine kann man mit einiger Übung auf dem Wasser tanzen lassen. Anfänger schaffen wenige Sprünge über das Wasser, bevor dann der Stein - meist mit einem Zischen - untergeht.

Mit einiger Übung wird man eine Meisterschaft entwickeln. 6 und mehr Sprünge sind dann erreichbar, eine weitere Herausforderung ist es, auch nicht optimale Steine durch genügend Eigendrehung zum Tanzen zu bringen.

An größeren Flüssen kann man versuchen mit einem Steinwurf den Fluss zu überqueren. Eine Übung, bei der ich zwar immer Muskelkater bekomme, die aber doch befriedigt, wenn ich mein Ziel erreiche.

An manchen Schottergruben schwimmt auch gerne etwas im Wasser und man kann versuchen, mit Steinwürfen den Gegenstand entweder zu treffen oder in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Besonders schwierig, aber nicht ganz unmöglich ist es, an Seen Pfosten, die schon im tiefen Wasser sind, als Ziel anzuvisieren und zu treffen.

Ich habe mit meinen Kindern viel Zeit am Wasser verbracht. Neben dem Steinewerfen kann man natürlich auch Steine sammeln, sie als Kunstwerke anordnen, kleine Staudämme bauen, Fischreservoire bauen. Es ist uns nie langweilig am Wasser geworden, und wir haben oft sehr großen Spaß gehabt.


32. Nachthimmel, Nachtspaziergänge

Die Erfindung und Ausbreitung der künstlichen Beleuchtung hat uns viel vom Reiz des Nachthimmels genommen. Es gibt in unseren zivilisierten Ländern kaum noch Gegenden, wo wir den Nachthimmel so bewundern können, wie dies unsere Vorfahren vor vielen Jahrzehnten noch tun konnten.

Ich erinnere mich an eine Nachtautofahrt durch Schweden, wo ich zum einzigen Mal in meinem Leben die Milchstraße in einer ungeheuren Klarheit gesehen habe. Ein Anblick, den ich nie vergessen werde.

Aber schon etwas außerhalb der Stadt kann man in klaren Winternächten immer noch viel sehen. Und mit einiger Kenntnis des Sternenhimmels, die man sich durch einige Besuche im Planetarium leicht erwerben kann, wird man viel Freude beim Betrachten haben.

Nicht nur die Sterne und die Planeten sehen wir am Himmel, es gibt fast immer auch einige Flugzeuge im Blickfeld und immer mehr Satelliten. In den Herbsttagen kommen dann auch noch die Sternschnuppen dazu.

Es lohnt sich, einen Platz (bei Tageslicht) auszusuchen, den man für die Nachtbeobachtungen aufsucht.

Vielleicht kann man auch - am besten natürlich mit einigen Freunden - einen Weg wählen, den man dann bei Vollmond begeht. Es ist ein ganz eigenartiger Reiz, die Natur im fahlen Mondlicht zu sehen.

Auf jeden Fall solltest du eine kleine Taschenlampe mitnehmen, damit der heruntergefallene Autoschlüssel nicht zum großen Problem wird. Aber gehe sehr sparsam mit dem künstlichen Licht um, damit die Tiere nicht unnötig aufgescheucht werden.

In Deutschland ist es nicht anzuraten, in der Finsternis durch einen Wald zu gehen. Es sind da zu viele Jäger unterwegs. Aber auf den freien Flächen wirst du ohnehin mehr sehen.


33. Die Wünsche der Kindheit erfüllen

Unerfüllte Wünsche der Kindheit sind mit den Mitteln eines Erwachsenen oft leicht erfüllbar. Trotzdem scheuen sich viele Erwachsene dies zu tun, weil sie sich kindisch dabei vorkommen. Oft aber haben sie die Wünsche einfach vergessen. Besonders wer keine eigenen Kinder hat, wird es schwer haben, sich die Wünsche der Kindheit zu erfüllen und damit ein Potenzial für große Freuden verlieren.

Zu meinen unerfüllten Wünschen gehörte der Bau von Modellflugzeugen. Als 35 Jähriger habe ich dann begonnen, Flieger zu bauen. Es hat mir einen Riesenspaß gemacht. Die fertigen Flugzeuge habe ich verschenkt.

Und es gibt einige Spielzeuge, die es schon zu meiner Kindheit gab und die man immer noch erwerben kann. Modelleisenbahnen, Metallbaukästen gehören für mich dazu. Es gibt immer mehr Nostalgie- und Spielzeugmuseen, wo man nach den unerfüllten Wünschen der Kindheit stöbern kann und Anregungen findet.


34. Wissen weitergeben

Es macht große Freude, wenn man etwas kann und in der Lage ist, dieses Wissen an Interessierte weiterzugeben. Am schönsten ist es, das Wissen an die eigenen Kinder weiterzugeben. Leider ist die Zeit dazu sehr kurz. Ab dem 10.Lebensjahr wird es immer schwieriger, die Kinder zu informieren und in der Pubertät ist es nahezu unmöglich.

Um so schöner ist es für Großeltern, die dann auch mehr Zeit haben, die ersten Lebensjahre der Enkelkinder mit Wissensweitergabe zu bereichern. Kinder sind unendlich wissbegierig, und ich habe festgestellt, dass schnell meine eigenen Grenzen durch ihre Fragen offensichtlich wurden. Und somit habe ich auch immer mitgelernt, wenn ich mich mit ihnen beschäftigt habe.

Schon mit Kindern in der Grundschule kann man kleine Forschungsprojekte durchführen, die allen Beteiligten Spaß machen. So haben mein 8jähriger Sohn und ich uns ein Wörterbuch der 200 englischen Wörter angelegt, die uns im täglichen Sprachgebrauch aufgefallen sind, und wir haben erforscht welches das älteste Grab in unserem benachbarten Friedhof ist.

Aber auch praktisches Wissen lohnt es weiterzugeben. Wie man einen Garten anlegt, wie man sich Pfeil und Bogen schnitzt, wie man ein Fahrrad repariert, wie man einen guten Drachen baut, vor allem auch, wie man sich sein Lieblingsessen selbst kochen kann.

Etwas größere Kinder kann man mit schwierigeren Aufgaben herausfordern. So haben meine Töchter in Eigenregie einmal eine Rundreise durch Südengland geplant und auch durchgeführt. Ich war lediglich ihr Fahrer. Alles ist gut gelaufen, nur beim Essen war ich nicht immer einverstanden und bin dann einige eigene Wege gegangen.

Es ist ein großer Fehler, sich darauf zu verlassen, dass die Schule die Aufgabe der Wissensweitergabe befriedigend erledigen wird. Sie wird eine Teilaufgabe davon lösen, aber die Hauptverantwortung bleibt immer noch bei den Eltern. Und es wäre schade, wenn die Erwachsenen sich die Freude nehmen ließen, ihr Wissen weiterzugeben.

Zu den schwierigsten Erfahrungen von Arbeitslosen, aber auch alter Menschen gehört, dass sie niemand mehr um ihre Meinung fragt und sie keine Herausforderungen haben. So könnten auch umgekehrt junge Menschen ihrer Umwelt Freude bereiten, in dem sie diese Menschen um Rat fragen.


35. Orte mit Musik oder Ruhe

Wenn ich mich nach den Charakteristiken meiner Lieblingsplätze frage, dann stelle ich fest, dass es vor allem Orte mit unaufdringlicher Musik oder mit überwiegender Stille sind. Natürlich spielen auch andere Kriterien eine Rolle, zum Beispiel die anwesenden Menschen, wobei ich es besonders mag, wenn darunter viele Kinder sind, aber die Musik muss dabei sein.

In meiner italienischen Bar, in der ich am Freitagvormittag meinen Cappuccino trinke, läuft immer - für einige Zeit - die gleiche CD. Solange, bis sie der Wirt nicht mehr hören kann. Mir bereitet diese Musik ein Heimatgefühl, wenn ich in den Raum eintrete. Und beim Lesen der FAZ führt sie mich oft weit weg zu Traumreisen.

Mit passender Musik im Raum fühle ich mich einfach wohler. Sie darf nicht dominieren, darf nicht zu laut sein. Zu jedem Raum, zu den in ihm vorhandenen Geräuschen, passt eine andere Musikrichtung.

Zu manchen Orten aber passt nur die Stille. Stille kann so angenehm und erholsam sein. Inzwischen kenne ich viele Plätze, an denen ich Stille finde. Kirchen (selbst an Hauptstraßen), Bibliotheken, Friedhöfe, Antiquariate, aber auch manche WCs (im wahrsten Sinn Stille Örtchen), sie alle sind Orte in denen man die Stille findet und auch schätzt.

Zu meinen schönsten stillen Orten gehört ein Gastgarten. Hier hört man selten Motorengeräusch, den Lärm, der mich in unserer Welt am meisten nervt. Und bei einem Glas Mostbowle wird meist wenig geredet. Menschen sitzen da, schauen in einen wunderschönen Bauerngarten und genießen die Stille.


36. Gutes Werkzeug

Es ist eine große Freude, mit gutem Werkzeug zu arbeiten. Werkzeug, das robust ist, präzise und dem Problem angepasst. Manchmal ist gutes Werkzeug teuer, aber oft ist es nur das Wissen, das einem hilft, das richtige Werkzeug zu finden.

Vor allem in den USA habe ich gutes Werkzeug gefunden und auch zu schätzen gelernt. Ganz einfache und dabei auch preiswerte Geräte, zum Beispiel für die Küche, gibt es dort, mit denen die Arbeit wirklich Spaß macht. So habe ich schon viele Exemplare eines bestimmten Schälers aus USA mitgebracht und hier verschenkt. Wer ihn in Europa sucht, es gibt ihn beim Hersteller Linden in Schweden (als Jonas Original Potato Peeler).

 Ein Schäler aus den USA

In Deutschland gibt es andererseits Küchenmesser, die ich auf meine Reisen mitnehme und damit den Beschenkten Freude mache.

Zu meinen am häufigsten benutzten Werkzeugen gehört mein Computer. Er hat mein Leben wirklich sehr viel erfreulicher und produktiver gemacht. Das merke ich vor allem daran, dass er zu den am meisten vermissten Dingen gehört, wenn ich ihn auf Reisen nicht dabei habe.

Mein wichtigstes Werkzeug für die Mobilität ist mein Fahrrad. Viele kleine und große Freuden habe ich erlebt, weil ich mit ihm zügig, und doch zum Schauen langsam genug, meine Umgebung erforschen konnte.


37. Gartenarbeit

Die Arbeit in einem Garten verbindet viele freudige Aspekte. Man ist im Freien, hat Umgang mit der lebendigen Natur, setzt seinen Körper, vor allem seine Hände, ein, beobachtet das Heranwachsen und kann zum Schluss auch noch die Früchte seiner Arbeit ernten.

Wichtig ist, dass der Garten klein genug ist, um nicht zur Last zu werden. Je nach verfügbarer Zeit und Leistungsfähigkeit, wird man seine Größe festlegen. Ist der Garten klein, dann wird man auch Kinder gewinnen können, sich mit ihm zu beschäftigen. So habe ich mit meinem Sohn mit einem kleinen Beet begonnen, inzwischen haben wir 3 Beete und wahrscheinlich größere Freude damit als mit einem Riesengarten.

Auf jeden Fall sollte man eine Sitzgelegenheit, z.B. eine bequeme Bank in seinem Garten haben. Auf ihr kann man beschaulich die Früchte seiner Arbeit bewundern und auch über sein eigenes Leben nachdenken.

Wer in der Stadt keine Möglichkeit zu einem eigenen Garten hat, sollte einen Teil seines Balkons zum Garten machen. Auch hier gilt, weniger ist mehr, auch die schönste Arbeit wird sonst leicht zur Belastung.


38. Geliebtes Renovieren

Zum Glück ist es heute nicht mehr modern, uns nur mit kurzlebigen Geräten, Gegenständen und Möbeln abzugeben. Im Gegenteil, der Second Hand Markt blüht, Flohmärkte sind gut besucht, und gute alte Waren sind gefragt. Wer Zeit hat, sollte gelegentlich etwas renovieren. Es ist dann, als hätte man diesen Gegenstand selbst gemacht, auch wenn man daran nur etwas verbessert oder repariert hat.

Ich habe beim Trödler eine vergammelte 12saitige Gitarre gefunden. Mit einigen neuen Teilen und viel Arbeit ist daraus ein fast neuwertiges Instrument geworden, das mir sicher mehr ans Herz gewachsen ist, als eine neue Gitarre.

Beim Renovieren kann man viel lernen, man hat Spaß dabei, und man kann zusätzlich viel Geld sparen. Um es nicht zur Belastung werden zu lassen, sollte man aber immer nur einen Gegenstand zu einer Zeit bearbeiten.


39. Familienforschung

Bedingt durch die deutsche Geschichte, ist die Ahnenforschung mit vielen negativen Aspekten belegt. Aber es geht uns viel wichtiges Wissen verloren, wenn wir uns nicht mit unseren Vorfahren beschäftigen. Denn jeder, der Kinder hat, wird bestätigen, dass Kinder doch sehr viel von ihren Eltern erben, an Talenten, Neigungen zu Krankheiten, guten wie schlechten Eigenschaften. So sind unsere Eltern und Vorfahren Datenspeicher für uns, die wir viel besser nutzen könnten. Für die Berufswahl und Partnerwahl, Vermeidung von Krankheiten, genauso wie für die Erfüllung unserer Wünsche.

Mit dem Internet ist es viel leichter möglich geworden, einen Überblick über seine Verwandtschaft zu bekommen. Und mit der zunehmenden Verbreitung der elektronischen Post wird es viel einfacher, auch über weite Distanzen Kontakt zu halten. Wenn unsere Mobilität uns schon den direkten und engen Familienverbund genommen hat, dann können wir uns mit den elektronischen Medien wenigstens wieder virtuelle Familien schaffen.

Wer viel Zeit hat, kann eine Familienchronik erstellen. Er wird dankbare Abnehmer dafür finden. Oder eine Familienzeitung herausgeben. Ich erstelle seit vielen Jahren eine Buchegger-Zeitung und habe viel Freude damit.


40. Einfache Musikinstrumente

Musizieren erfreut die Seele, hilft Kontakte zu knüpfen und zu erhalten und fördert die Kreativität. Aber man muss zuerst ein Instrument erlernen, bevor man es spielen kann. Und für manche Instrumente muss man beim Kauf viel Geld ausgeben.

Zum Glück gibt es ziemlich einfach zu lernende und auch preiswerte Instrumente, mit denen man trotzdem viel Spaß haben, und man sein Hobby bis zur Meisterschaft und bis ins hohe Alter ausüben kann.

Die Gitarre ist für mich ein Optimum in dieser Beziehung. Sie hat zudem noch den Vorteil transportabel zu sein. So hat mich meine Gitarre auf vielen Reisen begleitet und mir gute Dienste geleistet.

Aber auch die Mundharmonika und die Flöte können sehr gute Begleiter werden. Ganz robust und vielfältig sind zum Beispiel die Metallflöten (Tin Flutes) und dazu auch extrem preiswert.

Man kann aber auch viel Freude mit Trommeln haben, sofern man im eigenen Haus wohnt. Sehr angenehme Musik machen auch Windharfen, hier muss man gar nichts tun, außer die Fenster zu öffnen.


41. La Ola - Die Welle

Ich glaube, sie ist aus den mexikanischen Fußballstadien zu uns gekommen. Auf jeden Fall hat sie in unserer Zeit mit den Massenveranstaltungen enorme Verbreitung gefunden. Menschen zu Tausenden stehen gemeinsam von ihren Sitzen auf und werfen im Rhythmus der Welle die Arme in die Luft, bevor sie sich dann wieder setzen.

Das Schöne an der Welle ist, dass man abwechselnd und gleichzeitig Zuschauer und Mitspieler ist. Man muss aufpassen, damit man mitkommt und es gehört schon etwas Erfahrung dazu, eine gute Welle mit seinem Körper mitzuproduzieren.

Die Welle - La Ola kann man aber nicht nur in Stadien produzieren, auch Gruppen mit etwa 20 Personen und mehr, die im Kreise oder in einer Linie stehen, können Wellen produzieren. Bei einer Linie muss man herausfinden, wie man am Ende vorgeht, ob man die Welle zurücklaufen lässt (was etwas schwieriger ist) oder ob man wieder von Vorne anfängt.


42. Sauna

Einmal wöchentlich in die Sauna, am besten, um damit einen Wochenabschnitt ausklingen zu lassen. Ich gehe deshalb gerne am Freitag Abend. Man schwitzt, man redet, man darf unendlich viel gähnen, es ist gesellig, und man fühlt sich nachher ungeheuer sauber und zufrieden. Wenn man es richtig macht, schläft man auch wunderbar nach einer Sauna.

Die Sauna gehört für mich zu den besten Investitionen für die Gesundheit. Leider wird man nicht überall eine gute Sauna vorfinden. Aber hier lohnt es sich, etwas Aufwand zu treiben und sich die richtige Sauna zu suchen.

Wer keine Sauna findet, und wer es sich gesundheitlich leisten kann, dem empfehle ich ein langes und heißes Bad als Ersatz. Auch das Bad wirkt beruhigend und ist ein Garant für einen tiefen Schlaf. Und sauber ist man danach natürlich auch. Wer eine große Wanne hat, kann darin auch zu zweit baden. Mit Kerzenlicht, Rotwein, sanfter Musik und guten Gesprächen.


43. Fotos vom gleichen Standort

Viele Menschen haben Lieblingsplätze, um zum Beispiel die Natur zu beobachten. Sie gehen häufig zu diesen Plätzen und erfreuen sich des Anblicks. Diesen Menschen empfehle ich, doch gelegentlich die Fotokamera mitzunehmen und dann vom immer gleichen Standpunkt auf den Auslöser zu drücken.

Wurmlinger Kapelle vom Süden, Foto von Otto Buchegger, 1998

Im Laufe der Zeit entsteht so eine Fotoserie mit demselben Motiv, aber zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten. Hat man einmal Gefallen an dieser Art des Fotografierens gefunden, wird man sein Hobby verfeinern.

Man kann zum Beispiel eine Serie zur immer gleichen Tageszeit machen. Wer etwa an einem Platz wohnt, kann diesen an mehreren Tagen jeweils um 17h fotografieren. Es ist sehr interessant, diese Fotos zu vergleichen, um zu sehen, was immer gleich bleibt und was sich ändert.

Ich hatte einmal von einem Penthaus den Blick auf ein kleines Tal. Von diesem Standpunkt aus habe ich viele Aufnahmen gemacht, auch bei Dämmerung und selbst in der Nacht. Besonders der Himmel ist immer anders ausgefallen.


44. Ball spielen

Ein Ball ist ein wunderbares Mittel, um seine eigene Geschicklichkeit zu entwickeln und um Kontakte zu knüpfen. Ich habe deshalb immer einen kleinen Ball im Kofferraum und nehme auch gerne einen Ball auf kurze Radreisen mit.

Man kann mit dem Ball ganz alleine spielen. Besonders, wenn man eine Wand zur Verfügung hat, gibt es unendlich viele Möglichkeiten, den Ball zu werfen und zu fangen. Wer keine Ideen dazu hat, sollte nur einmal den Kindern bei ihren kreativen Ballspielen zusehen.

Hat man bei Ballspielen Zuschauer, dann wirft man diesen auch den Ball zu und versucht, sie damit ins Spiel zu integrieren. Viele Kontakte haben sich für mich dadurch ergeben.

Eine schöne Sache sind auch kleine Knautschbälle, die gut in die Hand passen. Mit ihnen kann man wunderbar jonglieren und so seine Geschicklichkeit immer wieder überprüfen. Diese Bälle sind so klein und leicht, dass man sie auch im Reisegepäck mitnehmen kann. Besonders stressgeplagten Menschen sind sie sehr zu empfehlen.

Lange Bus- oder Bahnfahrten kann man durch das Spielen mit einem aufgeblasenen Luftballon verkürzen. Es ist immer wieder lustig, wie kreativ auch Erwachsene mit einem Luftballon spielen können.

Inzwischen auch in Deutschland beliebt, ist das Boulespiel, das eigentlich Petanque heißt. Es wird mit Metallkugeln gespielt, die Regeln sind einfach zu lernen, aber in der Perfektion ist es sehr schwierig und macht nicht nur den Franzosen unendlich viel Spaß. Wem die Kugeln zu teuer oder zu schwer sind, dem empfehle ich Holzkugeln (Boccia) oder auch Plastikkugeln. Dies mag den Boulisten wie ein Sakrileg vorkommen, aber speziell im Sand und auch wenn kleinere Kinder mitspielen, sind Bocciakugeln den Metallkugeln überlegen.


45. Orte mit vielen Menschen

Manchen mögen Orte mit vielen Menschen eher eine Horrorvision sein, als ein Ort der Freude. Aber wer Kontakt sucht und sich unter Menschen wohlfühlt, der wird gelegentlich solche Orte aufsuchen und dabei auch großen Spaß haben.

Es muss ja nicht immer der Fasching sein, der solche Freuden vermittelt, auch andere Großveranstaltungen haben ihren Reiz. Ich empfehle, doch einiges einfach auszuprobieren und erst dann zu urteilen, wenn man einmal dabei war.

Großveranstaltungen in Stadien, vom Fußball bis zur Leichtathletik, eignen sich gut zur Beobachtung und zum Mitmachen. Ebenso Freiluft-Konzerte, Woodstock ist überall. Auch Stadtläufe, Kirchentage, Märkte, besonders Flohmärkte, Biergärten sind Orte des Kontaktes, des Sehens und Gesehenwerdens.

Besonders Menschen mit wenigen Berufskontakten, Singles aller Altersstufen, Jugendlichen und Cliquen wird ein gelegentlicher Aufenthalt in einer großen Menge gut tun und Spaß machen. Manchmal muss man sich dazu überwinden, aber im Nachhinein war es fast immer schön, dabei gewesen zu sein.


46. Spazieren und Wandern

Eine der liebsten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen, die hierzulande besonders begünstigt sind, weil es auch die entsprechenden Wege dazu gibt. Ich habe auf meinen Auslandsreisen frustriert feststellen müssen, dass man außerhalb des deutschsprachigen Gebietes nirgendwo so gute Bedingungen zum Spazieren und vor allem zum Wandern vorfindet wie hier.

Tipps zum Spazieren oder Wandern zu geben, hieße also Eulen nach Athen zu tragen. Trotzdem will ich einige versuchen.

Am meisten Freude und auch gesundheitlichen Nutzen wird man an täglichen und regelmäßigen Spaziergängen haben. Wer einen Hund hat, kennt diesen Nutzen. Man muss mit ihm immer raus, auch bei schlechtem Wetter und auch wenn man angeblich keine Zeit (meist keine Lust) hat.

Wer zur Arbeit fährt, sollte sich überlegen, doch einen Teil des Weges als Spaziergang zu absolvieren. Einfach den Wagen 500 Meter vom Arbeitsplatz entfernt abstellen und den Rest zu Fuß gehen. So kommt man auf einen täglichen Spaziergang von einem Kilometer oder 20 Minuten. Das erscheint nicht viel, ist aber schon viel mehr, als die meisten Menschen täglich gehen. Besonders am Abend kann man auf diese Weise bewusst das Büro hinter sich lassen und eine kurze Pause von Stress und Berufsproblemen einlegen.

Ich gehe viel lieber zu zweit oder in der kleinen Gruppe, als alleine. Sucht euch doch einen Wanderfreund, eine Wanderfreundin, wenn die Familie oder der Lebenspartner nicht mitgehen wollen. Jemand der ganz in der Nähe ist und mit dem man sich gerne unterhält.

Ich schätze besonders, wenn ich beim Spazieren gehen ein kleines Ziel vor mir habe. Zum Beispiel eine Kneipe oder ein Café, wo man sich zwischendurch stärken kann. Wird man diese Orte regelmäßig besuchen, so wird man auch jene Menschen kennen lernen, die man dort immer wieder trifft.

Es lohnt sich, einige Standardspaziergänge oder auch Wanderungen zu planen, die man dann gerne und immer wieder macht. Die passende Kleidung oder Ausrüstung sollte man permanent im Vorzimmer hängen lassen. Denn je geringer der Planungsaufwand ist und je mehr Routine man dabei hat, um so eher wird man auch bei schlechtem Wetter den Weg absolvieren.

Beim Spazieren gehen werden einem viele nützliche Gedanken in den Kopf kommen. Eine ganz einfache Methode sich diese zu merken, ist das Mitnehmen eines elektronischen Notizbuchs, in das man einfach hineinspricht. Diese Kassettenrecorder sind inzwischen ganz billig zu bekommen und wirklich nützlich.

Wem sie aber zu aufwendig sind, der sollte sich unbedingt ein kleines Papiernotizbüchlein und etwas zum Schreiben mitnehmen. Es wäre sonst schade um die vielen guten Gedanken, die ohne Notieren sicher wieder verloren gehen.


47. Caféhäuser

Mir wird immer nachgesagt, meine Vorliebe für Caféhäuser stammt aus meiner Wiener Studienzeit. Dabei stimmt dies gar nicht, als Student in Wien waren mir diese Einrichtungen viel zu teuer.

Erst viele Urlaube in Italien haben mir die Augen geöffnet, wie wichtig die italienischen Bars für das Sozialleben der Italiener sind. Hier trifft sich jung und alt, alle Gesellschaftsschichten kommen in der Bar zusammen. Neben den Kirchen sind sie die wichtigsten Kommunikationszentren.

Darum ist mein Lieblingscaféhaus in meiner Heimatstadt Tübingen auch eine italienische Bar. Neben einem guten Café, einem großen Glas Wasser gibt es immer Musik dort, einige Zeitungen liegen auf. Es ist mein Stadtbüro für kurze geschäftliche Besprechungen und ein guter Platz, um auf jemanden zu warten.

Das Kaffeetrinken ist eine der kleinen Freuden, die ich mir als kleine Belohnung gönne. Erst wenn alle Besorgungen gemacht, alle Arbeiten am Morgen erledigt sind, ich mein kleines Tagespensum zum Schreiben fertig getippt habe, dann gibt es einen Kaffee. Und die halbe Stunde, die ich zum Trinken, Reden, Lesen und Schauen brauche, sie ist wirklich ein guter Lohn, den ich nur ungern missen möchte.


48. Figurendeuten

Es macht großen Spaß in Medien - vor allem wenn sie sich immer wieder verändern - Figuren zu deuten. Zum Beispiel auf einer Sommerwiese zu liegen, die Wolken anzuschauen und in ihnen Figuren zu sehen. Besonders wenn man zu mehreren ist, wird manch unsinnige Interpretation alle zum Lachen bringen.

Viel Spaß hatte ich auch mit einer feingliedrigen Kette (das Material dazu gibt es in jeder Eisenhandlung), mit der man immer neue Figuren legt und diese erraten lässt.

Man kann aber auch wie die Montagsmaler Skizzen machen und gegen die Zeit Dinge oder Begriffe erraten lassen. Ein Stück Papier und ein Bleistift genügen als Material.

Im Sand, den das Wasser verändert hat, im Kaffeesatz, im gegossenen Blei, in Blättern die man auf den Boden wirft, in Farbklecksen, in Tapetenmustern, überall kann man entweder etwas hinein interpretieren oder etwas entdecken. Manch unbewusster Gedanke wird dabei hochkommen, manch interessantes oder lustiges Gespräch sich daraus entwickeln.


49. Energiesparen

Die Denkweise der nachhaltigen Entwicklung hat unsere Welt verändert. Wenn wir den Gedanken ernst nehmen, die Welt so oder besser zu verlassen, wie wir sie vorgefunden haben, dann heißt es, vieles anders zu tun, als es in unseren eingefahrenen Bahnen gelaufen ist.

Deshalb habe ich Energiesparen zum Hobby gemacht, das erstaunlich viel Freude macht. Mir kommt es dabei weniger darauf an, etwas ganz zu unterlassen, als das Gehirn einzusetzen und etwas effizient zu tun.

Ein kleines Beispiel möge dies beleuchten. Ich will nicht auf meinen heißen Kaffee verzichten, aber ich werde nur soviel Wasser heiß machen, wie ich wirklich dazu brauche. Also messe ich - einmal - die benötigte Wassermenge ab und spare damit im Laufe der Zeit sehr viel Energie, denn es kostet viel Strom, Wasser zum Kochen zu bringen.

Dies ist ein Grundelement des japanischen Managements: Nichts vergebens zu tun. Zu viel Wasser zu kochen bringt nichts, es ist vergebens.

Zum perfekten Energiesparen braucht man ein kleines Hilfsgerät, eine Verbrauchsanzeige, die man zwischen Elektrogerät und Steckdose steckt, um den tatsächlichen Energieverbrauch zu messen. Und auch ein Thermometer ist nützlich.

Man wird auch einige Investitionen machen wollen. Thermostaten, eventuell effizientere Heizungen, Wärmeisolierungen, Energiesparlampen, Bewegungsschalter, Schaltleisten mit Zentralschaltern, sie alle helfen, Energie sinnvoll auszugeben.

Aber auch bei der Verwendung des Autos oder Wahl eines Urlaubs wird man viel zum Energiehaushalt beitragen können. Aber nicht nur im Großen kann man sparen, viele kleine Energieersparnisse bringen ebenfalls viel und machen Freude.

Ein persönliches Beispiel: Ich habe mir über viele Jahre nach dem Duschen die Haare geföhnt. Jetzt lasse ich die Haare an der Luft oder an der Autoheizung trocknen. Sie werden genauso schön, im Gegenteil, ich glaube sogar, sie mit meiner Trockenmethode viel mehr zu schonen.


50. Babys, Kinder

Babys gehören zum Schönsten, was sich Menschen anschauen können. Natürlich sind die eigenen Kinder und Enkelkinder immer am interessantesten. Wie viel von sich selbst entdeckt man in ihnen, sie sind ein wunderbarer Spiegel.

Babys und Kinder kann man eigentlich nicht mehr zu den kleinen Freuden zählen, sie gehören zu den ganz großen. Ich habe sie aber trotzdem am Ende dieses Büchleins aufgenommen, weil das Leben mit ihnen - neben den großen Sorgen - eine Unmenge kleiner Freuden bringen wird.

Wer keine eigenen Kinder haben kann oder will, sollte trotzdem gelegentlich den Kontakt zu Kindern suchen. Kinder sind so unendlich kreativ, man kann ihnen stundenlang zusehen und Spaß mit ihnen haben.


Hinweise für Tübingen

Vieles in diesem Büchlein weist auf meine Heimatstadt Tübingen hin. Um den LeserInnen unnötiges Raten zu ersparen, gebe ich hiermit die Hinweise - beispielhaft - ganz explizit an. Mehr dazu erfährt man in den Tübingen Insider Tipps.

3. Riechen: Weinladen Vinum, Lange Gasse. Empfehlenswert auch das Mokka, Collegiumsgasse, Hinrichs Teeladen, Froschgasse und das Antiquariat Heck, Hafengasse.

5. Bei der Arbeit zusehen: Goldschmied Fassungslos in der Froschgasse.

8. Lenkdrachen: Alles Material für den einfachen Drachen gibt es bei Bero, Metzgergasse.

13. Ins Feuer, ins fließende Wasser schauen: Neckarufer gegenüber vom Campingplatz, Feuerstellen im Schönbuch.

15. Etwas aus der Höhe betrachten: Blick von der Stiftskirche, Schloss, Steinenberg, Wurmlinger Kapelle

19. Lieblingsmusik: Kai Reininghaus, tuepps.de/musik.html, siehe auch die Inselliste

20. Sonnenuntergänge: Wurmlinger Kapelle, Rosseck, Hohenentringen, beim Heuberger Tor.

27. Singen, wenn es hallt: Fußgängertunnel Schlossberg

30. Schlange laufen: Am Marktplatz, wenn am Abend was los ist.

31. Steine am Wasser: Hirschauer Baggerseen

32. Nachthimmel, Nachtspaziergänge: Höhenweg Waldhäuser Ost, Weg zwischen Breitenholz und Kayh.

35. Orte mit Musik oder Ruhe: Il Dolce in der Pfleghofstraße, Gasthaus zur Wurmlinger Kapelle


Nachwort

Es ist oft schwierig Freude zu haben. Einfach, weil man nicht in der Stimmung dazu ist, weil man Sorgen hat, aber auch weil man gerade nicht weiß, womit man sich eine Freude machen könnte.

Deshalb habe ich mir in guten Zeiten Freuden in einem Joy-Book notiert. Mit der Absicht, darin zu lesen und mich anregen zu lassen, wenn es mir wieder einmal schlecht geht.

Im Laufe der Jahre ist eine kleine Sammlung entstanden, die hiermit für alle Menschen zur Verfügung steht.

Nicht jede Freude wird für jeden taugen, aber bei den vielen vorgelegten Gedanken bin ich mir sicher, dass jede Leserin und jeder Leser etwas Nutzen aus diesem Büchlein ziehen kann. Über Kommentare freue ich mich.


Hier noch ein kleiner Nachtrag (in Englisch), der mir zugeschickt wurde:

1. Falling in love.
2. Laughing so hard your face hurts.
3. A hot shower.
4. No lines at the supermarket
5. A special glance.
6. Getting mail.
7. Taking a drive on a pretty road.
8. Hearing your favorite song on the radio.
9. Lying in bed listening to the rain outside.
10. Hot towels fresh out of the dryer.
11. Chocolate milkshake (or vanilla or strawberry!).
12 A bubble bath.
13. Giggling.
14. A good conversation.
15. The beach
16. Finding a 20 dollar bill in your coat from last winter.
17. Laughing at yourself.
19. Midnight phone calls that last for hours.
20. Running through sprinklers.
21. Laughing for absolutely no reason at all.
22. Having someone tell you that you're beautiful.
23. Laughing at an inside joke.
24. Friends.
25. Accidentally overhearing someone say something nice about you.
26. Waking up and realizing you still have a few hours left to sleep.
27. Your first kiss (either the very first or with a new partner).
28. Making new friends or spending time with old ones.
29. Playing with a new puppy.
30 Having someone play with your hair.
31. Sweet dreams.
32. Hot chocolate.
33. Road trips with friends.
34. Swinging on swings.
35 Making eye contact with a cute stranger.
36. Making chocolate chip cookies.
37. Having your friends send you homemade cookies.
38. Holding hands with someone you care about
39. Running into an old friend and realizing that some things (good or bad) never change.
40. Watching the expression on someone's face as they open a much desired present from you.
41. Watching the sunrise or sunset.
42. Getting out of bed every morning and being grateful for another beautiful day.
43. Knowing that somebody misses you.
44. Getting a hug from someone you care about deeply.
45. Knowing you've done the right thing, no matter what other people think.

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