Das n-Damen Problem

Ein einfaches mathematisches Problem, bekannt als 8 Damen-Problem (problem of the eight queens), hat mich lange beschäftigt.

Definition: Stelle auf einem Schachbrett 8 Damen (queens) so auf, dass keine eine andere schlagen kann.

Mathematische Definition des verallgemeinerten Damenproblems: in einer Tabelle mit n Reihen und n Spalten suche Anordnungen, dass in jeder Reihe und jeder Spalte genau eine Zelle belegt ist, mit der Nebenbedingungen, dass auch in jeder möglichen Diagonale (davon gibt es 2*(2n-1)) höchstens eine Zelle belegt ist.

    Q          
        Q      
              Q
      Q        
Q              
            Q  
  Q            
          Q    
Die Lösung, die ich grafisch mit der Tabelle angebe, erfüllt zusätzlich noch die Bedingung, dass man keine 3 Damen in einer Linie stehen hat. Aber dies muss sonst nicht erfüllt sein. In meiner Notation heisst diese Lösung: 4 2 8 5 7 1 3 6

Die 92 (11*8+4) Lösungen dieses Problems zu finden ist nicht ganz leicht, wird aber einfach, wenn man einen Rechner zur Verfügung hat und etwas programmieren kann. In einer Tabelle am Schluss kann man alle Lösungen finden, wobei es nur 12 grundverschiedene gibt, die anderen kann man durch Drehung und Spiegelung erzeugen. Aus diesem Grunde sind auch nur die ersten 46, die erste Hälfte der Lösungen, in der Tabelle konkret angegeben, die zweite Hälfte ist aber leicht abzuleiten.

Die Frage, die mich eigentlich fasziniert hat, war:

Gibt es auch Lösungen für n ungleich 8 und wie verhalten die sich untereinander.

Ich habe alle Lösungen bis n = 15 von meinem geliebten Atari-Rechner (der schon lange im Computerhimmel schlummert) bestimmen lassen und es scheint so zu sein, dass es auch für n-> unendlich unendlich viele Lösungen gibt, was inutuitiv - zumindest für mich - gar nicht einzusehen war.

n Lösungen b-Faktor
(gerundet)
1

1

 
2 0  
3 0  
4 2 5
5 10 0
6 4 10
7 40 2
8 92 4
9 352 2
10 724 4
11 2680 5
12 14200 5
13 73712 5
14 365596 6
15 2279184  
Den Faktor, den eine Lösung mit n+1 hat, scheint konstant zu sein, ich habe ihn (eitel wie ich bin) b-Faktor, wie buchegger-Faktor, genannt. Ich hatte keine Erklärung für diesen Wert, würde er bei 4 liegen, dann könnte man ihn als Quotienten aus der Anzahl der Diagonalen mit der Anzahl der Damen ansehen. Aber leider tut mir b diesen Gefallen nicht. (Meine Annahmen waren falsch, b ist für große n etwa 0.4*n, siehe weiter unten...)

Natürlich haben mich auch Anwendungen dieser speziellen Anordnungen interessiert. So denke ich, dass z.B. zwei Bleche mit den Punkten des Damenproblems zusammengeschweisst, bei wenigen Schweisspunkten grosse Festigkeit versprechen. Oder dass Mischer mit der Anordnung der Mischschaufeln nach dem Damenproblem maximale Durchmischung versprechen.

Ausprobiert habe ich davon nichts, aber es würde mich freuen, wenn sich in der grossen Internet- Gemeinde jemand findet, der es hat und es bestätigen kann.


 

English Summary:

There is a generalization of the Eight - Queens - Problem. With the exception of n = 2 , 3, all n provide solutions to the problem. For n = 8 (the classical problem) the number is 92. For larger n, the factor between two sets of solutions is b (the buchegger-factor). I computed b until n = 15. b is there in range between 5 an 6.

I am interested in results, which support or contradict my experience, and in explanations for the value of b. As well as in practical applications of the problem of the eight queens.

Ein Beitrag von Gerhard Münch vom 13.5.2003

Interessant finde ich Ihre Idee, nach praktischen Anwendungen des n-Damen-Problems zu suchen. Die von Ihnen vorgeschlagenen Anwendungen sind m. E. jedoch nicht realisierbar, denn die materielle Welt unterscheidet sich bekanntlich in einigen Punkten von der heilen Welt des Schachspiels.

Wenn Sie in einem realen Objekt auf einen bestimmten Punkt Einfluß nehmen - sei es nun ein Schweißpunkt oder die Stelle an der ein Rührer plaziert ist - dann nimmt die Auswirkung auf die Umgebung mit zunehmendem Abstand drastisch ab (je nach physikalischem Zusammenhang in mehrfacher Potenz oder exponentiell). In der Umgebung einer Dame nimmt der Anteil der Felder, die überstrichen werden, lediglich mit dem Quadrat des Abstandes ab. Eine (Schach)dame hat eine unbegrenzte Reichweite - aus 10000 Feldern Entfernung erreicht sie das Ziel genauso wie mit nur einem Feld Abstand.

Wenn Sie sich manche Lösungen mit n=20 anschauen, werden Sie feststellen, daß Sie ca. 30% der Quadratfläche ausgehend von der oberen Ecke abknicken können, weil dort kein einziger "Schweißpunkt" ist.

Trotzdem glaube auch ich an Anwendungen des n-Damen-Problems. So wie große Primzahlen für Verschlüsselungsalgorithmen verwendet werden, kann man vielleicht Lösungen des n-Damen- Problems für Vernetzungen in Datenbanksystemen verwenden.

Auch an die Ästhetik sollte man denken. Wenn ich mir mal ein Haus baue, dann werde ich in einem Raum bei den Bodenfliesen das Problem für n=20-30 verwirklichen. Wer hat schon so etwas? Jedesmal, wenn ich ein Fliesenmuster, mit vielen hellen und ein paar dunklen Fliesen sehe, empfinde ich es als störend, wenn zwei Fliesen sich auf einer Diagonalen (oder gar in einer Reihe) in die Quere kommen.

Übrigens ist der Buchegger-Faktor nicht konstant, wie Sie vermuten. Die Anzahl der Lösungen a(n) gilt für große Werte von n näherungsweise: a(n) = n!/c^n, mit c = 2.54. Also wird b mit zunehmendem n immer größer.

In meinen Unterlagen fand ich 4 Lösungen für n = 26, die ich vor vielen Jahren mit dem Atari ST in 20h berechnet habe:

acebdikmouwytvxzjgplhfrnsq   (ist am Ende grafisch dargestellt)

acebdikmouwytvxzjhplqgrfsn

acebdikmowtxuyvzjgplhfrnsq

acebdikmowtxuyvzjhplqgrfsn

Natürlich sind nicht alle Lösungen ästhetisch wertvoll. Ich möchte Ihnen noch einen Link empfehlen:

http://www.research.att.com/~njas/sequences/Seis.html

Dort können Sie Zahlenfolgen mit einer Datenbank vergleichen. Wenn Sie 1,0,0,2,10,4,40,92 eingeben liefert das Programm sofort das n-Damenproblem und Sie finden noch ein wenig Hintergrundinformation.

Weitere Links:

http://b-projects.mypicsgallery.de/projekte/2-meine-projekte/1-das-n-damenproblem.html

Literatur: H.E. Dudeney, Amusements in Mathematics, ein absolutes Muss für alle Tüftelfreaks!

Die ersten 46 Lösungen
des 8 Damen Problems

1 1 5 8 6 3 7 2 4
2 1 6 8 3 7 4 2 5
3 1 7 4 6 8 2 5 3
4 1 7 5 8 2 4 6 3
5 2 4 6 8 3 1 7 5
6 2 5 7 1 3 8 6 4
7 2 5 7 4 1 8 6 3
8 2 6 1 7 4 8 3 5
9 2 6 8 3 1 4 7 5
10 2 7 3 6 8 5 1 4
11 2 7 5 8 1 4 6 3
12 2 8 6 1 3 5 7 4
13 3 1 7 5 8 2 4 6
14 3 5 2 8 1 7 4 6
15 3 5 2 8 6 4 7 1
16 3 5 7 1 4 2 8 6
17 3 5 8 4 1 7 2 6
18 3 6 2 5 8 1 7 4
19 3 6 2 7 1 4 8 5
20 3 6 2 7 5 1 8 4
21 3 6 4 1 8 5 7 2
22 3 6 4 2 8 5 7 1
23 3 6 8 1 4 7 5 2
24 3 6 8 1 5 7 2 4
25 3 6 8 2 4 1 7 5
26 3 7 2 8 5 1 4 6
27 3 7 2 8 6 4 1 5
28 3 8 4 7 1 6 2 5
29 4 1 5 8 2 7 3 6
30 4 1 5 8 6 3 7 2
31 4 2 5 8 6 1 3 7
32 4 2 7 3 6 8 1 5
33 4 2 7 3 6 8 5 1
34 4 2 7 5 1 8 6 3
35 4 2 8 5 7 1 3 6
36 4 2 8 6 1 3 5 7
37 4 6 1 5 2 8 3 7
38 4 6 8 2 7 1 3 5
39 4 6 8 3 1 7 5 2
40 4 7 1 8 5 2 6 3
41 4 7 3 8 2 5 1 6
42 4 7 5 2 6 1 3 8
43 4 7 5 3 1 6 8 2
44 4 8 1 3 6 2 7 5
45 4 8 1 5 7 2 6 3
46 4 8 5 3 1 7 2 6

Hier als Beispiel die Tabelle für "acebdikmouwytvxzjgplhfrnsq" als Fliesenmuster

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