Ist schlank schön Image der Dicken Dick sein und bleiben Konstantes Gewicht Schluss
| Ich gelte als dick. Obwohl ich bei 183 cm
Körpergröße "nur" 95 kg (BMI= 28) wiege, bezeichnen mich einige sogar als
fett, weil sich meine Leibesfülle vor allem am Bauch anlegt. Leider ist dort auch
objektiv gesehen das Fett am gefährlichsten. .
Ich habe deshalb schon viel Negatives über mich gehört. Vor allem zu meinen aktiven Zeiten, als meine Firma von überwiegend Ultraschlanken und Zwergen regiert und - nebenbei gesagt auch fast in den Untergang - geführt wurde. Aber auch sonst ist unsere deutsche Gesellschaft nicht sehr tolerant zu Menschen, die nicht einem von den Medien festgelegten Idealgewicht entsprechen. Dabei erscheint es wie Ironie, dass ich die meiste Zeit meines Lebens selbst sehr schlank war. Als Kind wurde ich einige Male zu Landurlauben geschickt, damit ich wenigstens etwas Fett ansetze. Noch als Jugendlicher war ich so dürr, dass man alle meine Rippen gesehen hat und man Fotos von mir und meinem wohlgenährten, jüngeren Bruder gemacht hat, quasi als Kontrast zwischen ungleichen Geschwistern. Ich war so dürr, dass ich für jede Hungerregion Fotomodell stehen konnte. Und ich hatte so wenig Reserven, dass jede harmlose Kinderkrankheit zur tödlichen Bedrohung wurde. Als Student war ich immer noch extrem dürr, weil ich kein Geld zum Essen hatte. Ich war oft so hungrig, dass ich nicht mehr auf das Abkühlen meiner selbstgekochten Suppe warten konnte und diese so heiß gegessen hab, dass sich dann manchmal die Haut am Gaumen abgelöst hat. Mein Körper hat in diesen Hungerphasen offenbar gelernt, das Wenige, was er bekommen hat, extrem gut zu verwerten. Heute denke ich, dass es vor allem dies ist, was mich so werden hat lassen, wie ich es jetzt bin. In den ruhigen und angenehmen Phasen meiner ersten Ehe in Wien habe ich dann schlagartig zugenommen und kam dank der Kochkünste meiner Frau, die diese sogar als Lebenswirtschaftskundlerin noch studiert hatte, schnell auf 90 kg. Aber in Wien, wo viele junge Männer wie schwangere Frauen aussahen, fiel dies nicht besonders auf. Höchstens hörte ich gelegentlich, dass ich "gut aussehe". Mit der Scheidung mit 30 Jahren sank mein Gewicht wieder um 15 kg, vor allem wegen der massiven Essstörungen, die sich dabei ergeben haben. Im Stress der Arbeit blieben mir diese Störungen lange erhalten, die dazu führten, dass ich jahrelang kaum etwas zu Mittag aß, weil mich das Essen in engen Kantinen häufig würgte oder es mich sogar ekelte, dort hineinzugehen. Noch mit 40 Jahren wog ich nur 77 kg (BMI=23). Mit etwa 45 aber hatte ich dann doch trotz meiner Schlankheit massive Blutdruckprobleme und ich habe begonnen Betablocker dagegen einzunehmen. Die Folge war ein ausgesprochen dickes Nervenkostüm (ein Kollege sagte immer, ich wäre so gelassen, weil ich jeden Morgen meine 'leck mich am Arsch' Tablette einnehme) und ständige Gewichtszunahme. Aber ich begann mich endlich in meiner Haut wirklich wohlzufühlen. Jeden Mittag konnte ich ein wirklich gutes Firmenessen genießen. Stress hat mich kaum noch eingeholt. Ich begann gut zu schlafen und war jeden Morgen wirklich erholt. Aber meine Karriere war zu Ende. Mein Gewicht nahm zu. Zuerst hatte ich ein stabiles Plateau bei 88kg, später dann bei 90. Als ich mit 50 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand ging, nahm ich mir noch einmal vor 'abzuspecken'. Ich habe eine gemäßigte Variante von FIT FOR LIFE ausprobiert. In 6 Monaten habe ich ohne großen Aufwand 8 kg abgenommen und war bei 82 kg (BMI=24,5). Aber es ging mir wirklich schlecht danach. Ständig habe ich gefroren, sogar im Sommer musste ich Handschuhe tragen, weil mir so kalt war. Ich schlief schlecht und was mir besonders unangenehm war, ich hatte plötzlich wieder häufige Rückenprobleme, die mich die ganze Zeit meines schlanken Lebens begleitet haben und die mit der Zunahme meines Bauches verschwunden waren. Meine Konsequenz war, das Normalgewicht wieder aufzugeben und mich auf ein Wohlfühlgewicht einpendeln zu lassen. Bei 95 kg bin ich nun heute mit 61 Jahren, nach 10 Jahren ruhigen Lebens in der Frühpension. Ich fühle mich gesund, leistungsfähig und ausgesprochen zufrieden. Ich schreibe diese Vorgeschichte deshalb so detailliert, weil ich damit zeigen will, dass ich weiß, wovon ich rede, wenn ich von schlankem oder dickem Image rede. Es gibt sicher einige unbestreitbare Vorteile des Schlankseins. Man braucht weniger Sitzfläche, kann in engen Flugzeugsitzen bequemer sitzen. Es passen mehr Schlanke als Dicke in einen Aufzug. Schlanke Mannequins brauchen weniger Stoff für ihre Modekleider. Man wird sich als schlanker Zwerg sogar in einem Porsche eingezwängt noch groß vorkommen. Schlanke erholen sich leichter nach Operationen. Man schwitzt weniger, aber schon dabei bin ich mir sicher, ob dies wirklich ein Vorteil ist. Schwitzen erachte ich nämlich als ausgesprochen gesund und bei entsprechender Körperpflege ist es auch kein soziales Problem. Es fällt mich schwer, noch viele weitere Pluspunkte fürs Schlanksein zu finden. Alle die gängigen Vorurteile, wie Gesundheit und Leistungsfähigkeit kann ich durch meine Lebenserfahrung nicht bestätigen. Ich hatte viele schlanke und dabei kranke Mitarbeiter und viele schlanke, faule Flaschen waren dabei und auf der anderen Seite waren viele meiner Leistungsträger ausgesprochen füllig. Ich selbst war als Schlanker viel öfter krank, als ich es als Dicker bin. Ich denke zwar auch, dass Schlanke länger leben mögen. Aber ist länger auch besser? Auch die Dicken werden das Ruhestandsalter problemlos erreichen, also ist ihre Körperfülle doch eher ein Vorteil für die Arbeitgeber, denn sie werden weniger Rentenzahlungen ausgeben müssen. Oft wird jung mit schlank assoziiert. Das hat sicher bei mir und auch vielen anderen gestimmt. Und dann jung mit schön, was sicher auch oft stimmt. Aber schlank mit alt passt oft nicht zusammen. Wenn ich mir die vielen Falten der Schlanken ansehe oder wie schlanke alte Frauen fast zu Mumien austrocknen, dann kommen mir Zweifel an dieser Schönheit. Wie ein böser Witz es übertreibt: Ein Frau von 40, die von hinten aussieht wie ein Mädchen von 20, ist von vorne wie ein Mann von 60! Nach langer Beobachtung scheint mir die Schlankheitshysterie vor allem ein Medienphänomen zu sein. Schlank ist schön, weil es die Medien uns einreden, genauso wie sie uns falscherweise einreden, dass Sonnenbräune schön ist oder Diäten gesund sind. Die Folgen sind für viele katastrophal, Bulimie und häufige Selbstmordgedanken treffen nicht nur junge Frauen. Und nicht nur die Medien verdienen daran, eine ganze Industrie macht gute Geschäfte damit, dass sie uns Lösungen verspricht, mit dem 'Problem dick' fertig zu werden. Ihr Motto ist einfach: Schön ist niemals schön genug. Und damit dringt sie durch das fehlende oder angeschlagene psychische Immunsystem leicht in die Hirne der Menschen ein. Dieser Druck der Ideale führt nicht nur bei Dicken zu Problemen, auch 'Normalgewichtige' oder sogar Schlanke bekommen dadurch Angst, entstellt auszusehen. Besonders auch junge Menschen werden damit Zwangsneurotiker, sie müssen sich stundenlang im Spiegel betrachten und die Ärzte für Dysmorphophobie, so nennt man diese Angst, versuchen dann mit viel Aufwand, die Menschen wieder in ein normales Leben zurück zu führen. Es ist sicher bekannt, dass in anderen Kulturen oder Zeiten dick als gut, gesund und 'in' galt. Und schlanke Menschen allgemein bedauert wurden, weil sie für die Widrigkeiten des Lebens so schlecht gewappnet waren. Wie sagt man in Bayern: Ein Mann über 40 ohne Bauch ist ein Krüppel! Heute werden nur noch die fülligen Frauen als besonders sexy angesehen. Und damit wird vielen Menschen Lebensglück genommen. Vergessen sind die Worte Cäsars: Lasst dicke Männer um mich sein, die nachts gut schlafen! In unseren Medien gibt wenige Vorzeigetypen, die man unter die Dicken einordnen könnte. Dicke sind in den Führungsetagen heute sicher unterrepräsentiert. Lediglich als Familienunternehmer, Wirte, Selbständige, in der Kunst und im Klerus scheinen sie keine Akzeptanzprobleme zu haben. Der Schauspieler und Kabarettist Ottfried Fischer (Bulle von Bad Tölz), der verstorbene Fernsehpfarrer Günter Strack, die Schauspielerin Marianne Sägebrecht (Out of Rosenheim) gehörten zu den wenigen wirklich prominenten Ausnahmen. In der Politik war Helmut Kohl eine wunderbare Leitfigur für sie, leider hat seine Wirkung nach seinem Abgang stark nachgelassen. Aber Klaus Lage als Popsänger, viele Opernsänger und Sängerinnen, die Wildecker Herzbuben, sie alle wuchern mit ihren Pfunden und haben ihre Fülle zu einem Teil ihrer Ausstrahlung gemacht. Ich schaue mir gerne Vögel an. Hier in Tübingen besonders oft Hühner und an meinem bevorzugten Naherholungsgebiet, dem Bodensee, die Möven. Es gibt schöne Hühner und es gibt schöne Möven. Aber mit noch so viel Diäten und Training werden aus Hühner keine Möven und umgekehrt. So ist es auch mit den Menschen. Es gibt dicke und es gibt schlanke. Und es ist nur mit brachialer Gewalt möglich, grundsätzliche Wandlungen bei ihnen vorzunehmen. Obwohl das Image der Dicken schlecht ist, werden die Firmen, die sie dazu bringen, so zu werden, kaum angeprangert. Oder ist es etwa schlecht, Schokolade zu produzieren oder die dickmachenden Getränke zu vertreiben? Nein, in unserer Gesellschaft sind nur die blöd, die auf deren Werbung, in der übrigens fast ausnahmsweise nur Dünne vorkommen, reinfallen. Mich würde es nicht wundern, wenn neuere Studien die aktuellen BMI Richtwerte als falsch einschätzen. Zwei Gründe kann ich dafür anführen: 1. Wir werden zwar immer dicker, aber auch immer älter! Das kann doch etwas nicht stimmen! 2. Meine persönliche Beobachtung. Ich kenne viel mehr kranke Schlanke, als es der Statistik entspricht. In der Diätwelt wurde schon soviel Unsinn verzapft, da würde auch ein falsches BMI Limit, vor allem wenn es der Diätindustrie Geld einbringt, gut dazu passen.
Meine Strategie ist inzwischen ganz einfach geworden. Ich will so bleiben, wie ich bin. Die Vorteile meiner Situation genießen und nie wieder in die Falle der vielen Versprechungen tappen, die mir einreden wollen, dass ich leicht abnehmen kann, wenn ich nur das richtige, meist sehr teure, Rezept dazu einlöse. Ich will nicht abnehmen, aber ich will auch nicht zunehmen. Aber ich will auch fit bleiben, lieber dick und fit als schlank und faul! Ich habe meine diversen Abnehmetricks von früher dazu eingesetzt, mein Gewicht peinlich konstant zu halten. Ich denke, dass ich damit meinem Körper einen wesentlich größeren Gefallen tue, als mich ständig einem unnötigen Stress auszusetzen.
Mein wichtigstes Hilfsmittel dabei ist die Waage. Jeden Tag zur gleichen Zeit kurz darauf und jeden Tag zufrieden sein, dass alles in Ordnung, das heißt beim Alten, geblieben ist. Ist es mehr als erlaubt, dann korrigiere ich sofort, ist es weniger, dann sündige ich mit Genuss und mit vollem Bewusstsein und vor allem ohne Reue!
Wer sein Gewicht kontrollieren will, muss auch den Einkauf und die Zubereitung von Lebensmitteln kontrollieren können. Am Einfachsten geht dies, in dem man selbst einkauft und selbst kocht. Wer es noch nicht kann, sollte es umgehend lernen. Die Beiträge in Zeitungen mit Diäten überblättere ich ungelesen, Werbung für Schlanksein prallt an mir ab. Ich weiß, dass dies alles nur Geld machen mit Hilfe meiner Dummheit und Eitelkeit bedeutet. Kommentare von blöden Menschen aus meiner Umgebung werden von meinem psychischen Immunsystem ausgeblendet. Obwohl der Wert des BMI großteils genetisch bedingt sein dürfte, können wir ihn in Grenzen beeinflussen. Folgende Verhaltensmaßnahmen haben sich als sehr förderlich erwiesen, das Gewicht konstant zu halten. Um es zu überprüfen ist eine Waage (am besten mit Digitalanzeige) unentbehrlich. Alkohol meiden Er wirkt dreifach gegen dich: Er hat viele Kalorien, er macht dich hungrig und er nimmt dir die Kontrolle. Besonders gefährlich ist Alkohol auf nüchternem Magen in Form eines Aperitifs. Da kein Alkohol im Haus ist, habe ich wenig Probleme ihn nicht regelmäßig zu trinken. Nichts Fettes einkaufen Fett macht fett. Kaufe keine fettreichen Produkte ein. Sage denen, die einkaufen, dass du keine fettreichen Produkte essen willst. Es gibt viel gutes Essen, das nicht übermäßig Fett hat. Stelle dir eine Liste deiner Leckereien zusammen. Viel Bewegung, aber kein übermäßiger Sport Viel Bewegung erhält uns fit und gibt uns auch Lebensfreude. Jedoch Stress mit Leistungssport ist nicht angebracht. Und Abnehmen allein durch jene Sportarten funktioniert nicht, bei denen man als Dicker sich die Gelenke ruiniert, wie beim Joggen. Fitness sollte das primäre Ziel sein und nicht unbedingt das Abnehmen! Schwimmen, Radfahren und Gymnastik sind die bewährten Alternativen für Dicke. Auch Walking, Nordic Walking und simples Wandern oder Spazieren halten uns in Bewegung. Am besten alles in einer Gruppe und zu festen, eingefahrenen Zeiten, vielleicht sogar mit einem Coach. Damit bleibt die Motivation des Mitmachens erhalten. Aber da ich viel Freude an Bewegung habe, nutze ich auch allein alle Gelegenheiten zum Gehen, Wandern oder Radfahren. Und selbst am Schreibtisch, vor dem Bildschirm und auf Dienstreisen kann man mit Terabändern ohne großen Aufwand sanftes Krafttraining und anspruchsvolle Ausgleichsgymnastik machen. Sie sind preiswert, passen in jede Aktentasche und können überall hin mitgenommen werden. Immer Obst im Hause haben und viel Wasser trinken Damit ist mein Flüssigkeitsbedarf stets gut gedeckt. Denn oft hält man Durst für Hunger. Wasser wird nur aus Halblitergläsern getrunken, damit kommt man leicht auf die notwendigen 2- 3 Liter pro Tag. Regelmäßiges Essen, mehrere kleine Portionen Damit komme ich nie in die Phase eines Heißhungers. Essen auf kleinen Tellern macht auch eher satt. Nach jedem Gang gibt es eine Pause von mindestens 10 Minuten, damit sich auch ein Sättegefühl entwickeln kann. Man kann leicht auch dann die Essenszeit begrenzen. Willst du nach dem Essen nicht mehr naschen, so putze dir sofort die Zähne. Genießen Nur mit dem Genuss von wenigem, langsamem und wohlschmeckendem Essen bekommt man genügend Freude und hält man sein Gewicht. Wenn du z.B. mit Schokolade sündigst, dann esse sie langsam, mit Freude, mit Genuss und ohne schlechtes Gewissen. Ein kritische Phase für das konstante Gewicht ist das Aufhören mit dem Rauchen. Schlagartig wird dann das Gewicht bis zu 7 % zunehmen. Wer das Rauchen aufgibt, was ich nur empfehlen kann, sollte gleichzeitig einen anderen, neuen Genuss einplanen. Zum Beispiel Sportaktivitäten, ein Haustier oder vielleicht sogar eine neue Liebe, auch die hält fit! Mit diesen Vorgangsweisen wird mein Leben kaum eingeschränkt. Es hat zwar einige Zeit gedauert, bis sich mein Umfeld darauf eingestellt hat, aber inzwischen haben alle diese kleinen Besonderheiten akzeptiert. Dazu kommt, dass ich meistens selbst koche, ich also nicht von einer Köchin oder Kantine bei der Auswahl der Gerichte abhängig bin. Ich werde mit meinen Erfahrungen sicher nicht das Image der Dicken in der Gesellschaft wirklich verändern, genau so wenig wie die Politik nicht wirklich das Essverhalten steuern wird, wie es 2007 Horst Seehofer löblicherweise versucht. Aber vielleicht helfe ich einigen Menschen, den gesellschaftlichen Druck, der auf sie ausgeübt wird, leichter zu ertragen. Wer sich über Nacht schlank vorkommen will, dem empfehle ich eine Reise in die USA. Wenn sich jemand mit seinem Gewicht wirklich nicht wohlfühlt, kann er damit auch einen Weg finden, etwas weniger davon auf die Waage zu bringen. Aber bitte ganz langsam, ohne Stress und dafür kontinuierlich. Das Ziel muss Fitness sein, mit Freude an der Bewegung und nicht das Erreichen einer Masszahl. Und bitte nie dabei die Lebensfreude vergessen! Dann hätte sich mein Aufwand schon gelohnt! |
Habe ich was Wichtiges vergessen? Dann schreib mir bitte!